Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

17/11/2003

Thal (SG)



Polit. Gem. SG (bis 31.12.2003 Bez. Unterrheintal). Umfasst seit 1803 die Dörfer T., Altenrhein, Buechen, Buriet, Staad und versch. Weiler. Haufendorf in der Ebene zwischen Appenzeller Vorderland, Buchberg und Bodensee. 1163 curtis tale. 1850 2'748 Einw.; 1900 3'546; 1910 3'888; 1930 3'625; 1950 4'025; 1970 4'919; 1990 5'399.

Der Bf. von Konstanz verkaufte den aus T., Buechen, Heiden, Lutzenberg, Rheineck, Staad und Wolfhalden bestehenden Hof T. samt Pfarrkirche 1163 an Rudolf von Pfullendorf, der ihn als Reichsvogtei Rheineck an Ks. Friedrich I. vererbte. Die erste Kirche dürfte um 700 erbaut worden sein. Niedergericht, Kirchensatz und Kelnhof T. wurden 1341 an die Herren von Sulzberg verpfändet. 1429 löste sich der Kurzenberg von T. 1598 wurde eine Allmendteilung zwischen dem Hof T. und Kurzenberg durchgeführt. 1490-1798 war T. Teil der Landvogtei Rheintal. 1498 erfolgte die definitive Abtrennung der Stadt Rheineck, 1770 eine Allmendteilung im Buriet unter den Dorfgenossen. Die Pfarrei T. mit der Kirche Unserer Lieben Frau umfasste T., Buechen, Staad, Rheineck, die appenzell. Gem. Heiden, Lutzenberg und Wolfhalden sowie bis 1791 das österr. Gaissau. 1529-32 war T. reformiert, dann paritätisch. 1712 erfolgte die Teilung des Kirchengutes. 1716 entstand die ref. Pfarrei T.-Lutzenberg, 1790 wurde die ref. Kirche Buechen-Staad erbaut. Ab dem 16. Jh. entstanden hier Schlösser und Landhäuser von Adligen und Bürgern der Stadt St.Gallen. Der Rhein und die Bäche aus dem Appenzeller Vorderland richteten immer wieder Schaden an (1889-97 Verbauungen). Ein Brand zerstörte 1806 49 Gebäude. Bis zum 2. Weltkrieg lebte T. hauptsächlich von der Landwirtschaft, vor 1850 v.a. vom Ackerbau (12 Mühlen). Seit dem SpätMA wird zudem Sandstein gewonnen. Bereits im 10. Jh. ist Rebbau am Buchberg belegt (1886 96 ha Rebfläche, 1992 20 ha). 1916 wurde die Weinbaugenossenschaft T. gegründet. Daneben siedelte sich schon früh Industrie an: 1813 Zwirnerei, 1891 Angliederung einer Färberei, 1836 Seidengazenfabrik (Fabrik- und Heimarbeit), 1862 Kartonfabrik. Mit dem ehemaligen Fremdenkrankenhaus von 1885 (1916 zum Gemeindekrankenhaus, 1979 schliesslich zum regionalen Pflegeheim umgewandelt) und dem Gymnasium Marienburg (1930) der Steyler Missionare bietet T. Dienstleistungen für die Region an. Topografie und Siedlungsweise erfordern eine aufwendige Infrastruktur. Dank dem 1973 erfolgten Autobahnanschluss liessen sich div. Industrie- und Gewerbebetriebe (1991 1'800 Arbeitsplätze) v.a. im Buriet nieder, während sich in Buechen Wohnquartiere, Schul- und Freizeitanlagen konzentrieren.


Literatur
– P. Bütler, «Gesch. des St. Gall. Rheintals bis zum Jahr 1500», in Mitt. zur vaterländ. Gesch. 36, 1920, 207-284
– R. Dornbierer, Geschichtliches über den Hof T., 1975
Unser Rheintal, 1992, 210-249

Autorin/Autor: Peter Müller