Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

11/02/2005

Schänis (Gemeinde)



Polit. Gem. SG (bis 31.12.2002 Bez. Gaster), umfasst S. und die Ortsgem. Maseltrangen, Dorf, Rufi und Rütiberg auf Anschwemmterrassen am Rande der Linthebene, Alpen im Gebiet des Speers. 972 Schennines. S. war bis 1798 Hauptort der Herrschaft Gaster; hier stand das Amtshaus und fand die Landsgemeinde statt. Seit 1831 Bezirkshauptort. 1830 1'745 Einw.; 1850 1'917; 1900 1'876; 1950 2'223; 1990 3'042.

Auf dem Gasterholz von einer latènezeitl. Kulturschicht überlagerte Siedlungsspuren der Hallstattzeit. Aus röm. Zeit Wachtturm auf dem Biberlikopf, evtl. Talsperre bei Maseltrangen. Die Geschichte des Dorfes ist eng mit jener des gleichnamigen Damenstifts verknüpft, das vom HochMA bis zum Ende des 18. Jh. im Gaster grundherrl. Rechte ausübte. Die hohe Gerichtsbarkeit lag nacheinander bei den Gf. von Lenzburg, Kyburg und Habsburg; sie ging 1438 an Schwyz und Glarus über. Die Burg Nieder-Windegg war bis 1438 Sitz des jeweiligen Ammanns und geriet danach in Zerfall (heute Ruine). Die fünf aus spätma. Genossenschaften entstandenen Ortsgemeinden schlossen sich 1798 zur polit. Gem. S. zusammen, die 1803 in den neuen Kt. St. Gallen eingegliedert wurde. 1847 kam an der Bezirksgemeinde in S. die liberale Partei zum Sieg; die dadurch erzielte Mehrheit im Gr. Rat liess St. Gallen zum "Schicksalskanton" im Sonderbundskrieg werden.

An der 1859 eröffneten Bahnlinie Rapperswil-Glarus erhielt S. eine Station und den Knotenpunkt Ziegelbrücke . Die 1824 zwischen Rufi und Maseltrangen im Cholloch gefundene Braunkohle wurde v.a. während der beiden Weltkriege abgebaut. Vieh- und Alpwirtschaft spielten traditionell eine grosse Rolle, Industrie und Gewerbe sind erst seit dem 2. Weltkrieg von Bedeutung. Auch nach der Linth-Korrektion (1807-23) und Melioration (1941-64) hielt sich der Ackerbau in Grenzen. Die Schlossfabrik Schulte & Co. (seit 1924) und die Matratzenfabrik Bico Birchler & Co. (seit 1972) sind die grössten Unternehmen im Dorf. Während der 3. Sektor wie andernorts stetig zunimmt (1990 40%), geht der Anteil der Landwirtschaft zurück (1990 15%). Neue Überbauungen verwischen die gewachsenen Strukturen immer mehr.


Literatur
-Kdm SG 5, 1970, 155-280
-S., 1990

Autorin/Autor: Stefan Paradowski