Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

6 - Käse auf dem schweizerischen Speisezettel

Erst im 19. Jh. fand K. in allen Regionen der Schweiz Eingang auf den Speisezettel (Ernährung). Bis dahin gehörten Käse- und Milchspeisen zur Volksnahrung im Alpen- und Voralpenraum: als Getränke wie Käse- und Zigersufi (Schotte), in Käse- und Zigersuppen (Geköche aus Brot und K.), im Käsemus (Haferbrei mit K.), in der Westschweiz als Fondue (K., Weisswein, Brot) und Raclette (Walliser Bratkäse). Käsespeisen waren im Kornland unbekannt; den teuren Hartkäse gab es bei reichen Städtern und Bauern.

Mit den Talkäsereien verschwand die Milch anfänglich sogar aus der bäuerl. Küche, da sie zur Käseherstellung gebraucht wurde. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jh. kam K. im nichtbäuerl. und im bäuerl. Haushalt (als Überschusskäse der Genossenschaft) auf den Tisch. Nach 1950 setzten sich die heute weltbekannten schweiz. Käsespezialitäten Fondue und Raclette im Normalhaushalt durch. Allgemein änderte sich das Konsumverhalten der Bevölkerung: Marktleader beim inländ. Tafelkäse war Ende des 20. Jh. der Greyerzer (12% der gesamten Käseproduktion 1995), es folgten Spezialitäten bei Berg- und Weichkäsen (u.a. Mutschli, Tommes mit 10%) und Raclettekäse (8%), wobei Schmelzkäse beachtl. Erfolg hatte (1911 erste Schachtelkäsefirma in Thun; Firmen in Burgdorf und Langnau). Beliebt waren Halbhart- (u.a. Tilsiter, Appenzeller), Weich- und Frischkäse (darunter Mozzarella). 2004 wurde immer noch am meisten Greyerzer konsumiert (16,4% der gesamten Käseproduktion), gefolgt von Raclette, Mozzarella und Emmentaler. Die Grossverteiler Migros und Coop stiegen im Inland zu den wichtigsten Käseanbietern auf.