Polit. Gem. GR, Kreis Sur Tasna, Bez. Inn. Dorf an der Verzweigung Ofenpass-Engadinerstrasse, zu dem auch die Fraktion Brail gehört. 1131 Gumpo de Ernece, 1161-64 Zarnetz (beide Belege in einer Kopie von 1365). 1835 634 Einw.; 1850 603; 1900 596; 1910 1'075 (Bahnbau); 1950 739; 2000 959. Z. war schon in prähist. Zeit Siedlungsplatz, was eisenzeitl. Funde auf Muottas und Muottas da Clüs sowie bronzezeitl. Siedlungsreste in der Balm Ils cuvels bei Ova Spin zeigen. Auf dem Kirchhügel wurde 1968 und 1971 eine röm. Siedlung mit Pferdewechselstation ausgegraben. Im 12. und 13. Jh erfolgte ein intensiver Landesausbau (Rodungen). Besitzungen der Herren von Tarasp und der Herren von Frickingen sind im 12. Jh., zahlreiche Höfe der Herren von Wildenberg im 13. Jh. fassbar. Diese gingen an den Bf. von Chur und im 14. Jh. an die Planta von Zuoz. Der Turm des Schlosses Wildenberg, der Turm der Fam. Mohr sowie mehrere in Bauernhäuser integrierte Wohntürme stammen aus dem MA. 1367 kam es in Z. zur Gründung des Gotteshausbundes. 1499 und 1622 wurde das Dorf zerstört. Der Reformation trat Z. nach vorangegangenem Bildersturm 1553 bei. 1609 stiftete Rudolf von Planta die frühbarocke Pfarrkirche. Die Planta-Wildenberg dominierten bis ins 19. Jh. die Politik von Z. und des Unterengadins. Das barocke Schloss Wildenberg dient seit 1956 als Gemeindehaus. 1652 kaufte sich Z. wie das übrige Tal von Österreich los und gehörte bis 1851 zur Gerichtsgemeinde Obtasna. Der Wiederaufbau nach dem Dorfbrand von 1872, der grosse Teile des Ortes zerstört hatte, erfolgte im ital. Stil mit Halbflachdächern. Im Gebiet Buffalora und Il Fuorn am Ofenpass wurde vom 14. bis ins 17. Jh. (mit Unterbrüchen) Eisenerz gewonnen und verhüttet. Vom 15. bis Ende des 19. Jh. wurden riesige Mengen Holz nach Hall im Tirol geflösst. Zu allen Zeiten war Z. ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt; seit 1913 führt die Linie Bever-Scuol der Rhät. Bahn durch Z. Nach wie vor ist Z. die waldreichste Gem. der Schweiz. 68% der Fläche des 1914 gegr. Nationalparks liegen auf Gemeindegebiet. Seit 1968 besteht in Z. das sog. Nationalparkhaus (Museum). Z. ist ferner Sitz der Engadiner Kraftwerke AG: 1971 wurde das Pumpspeicherwerk mit Livignosee und Ausgleichsbecken Ova Spin eröffnet. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. wurden Baugewerbe und Tourismus zu den wichtigsten Arbeitgebern. Der rätorom. Sprachanteil lag 2000 bei ca. 60%.
Literatur
-Terra Grischuna 4, 1971
-J. Rageth, «Röm. Siedlungsüberreste von Z.», in BM, 1983
-G. Filli, Z., 1985
Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm