Polit. Gem. GR, Kreis Oberengadin, Bez. Maloja. Zentral gelegen im Oberengadin am Inn, in der Mitte des Oberengadins. Zur Gem. gehört der Weiler Punt Muragl, der hintere Teil des Val Bever und als Exklave fast das ganze Rosegtal. 1139 Samaden, 1334 Semeden, 1367 Semaden, 1498 Sumada, 1527 Sameden. 1850 412 Einw.; 1900 967; 1930 1'783; 1950 1'685; 1980 2'553; 2000 3'069. Für 1288 ist im oberen Dorfteil ein Wohnturm nachgewiesen. 1462 wurde S. Sitz der niederen Gerichtsbarkeit und gehörte zum Gericht Sur Funtauna Merla. Kirchlich bildete es eine der drei alten Grosspfarreien des Oberengadins. 1491 wurde an den rom. Turm die spätgot. Kirche St. Peter angebaut. 1551 erfolgte die Einführung der Reformation. Die 1914 abgerissene Kapelle St. Sebastian wurde erstmals 1501 erwähnt, ebenso die St. Antoniuskapelle, an deren Stelle sich die heutige evang. Pfarrkirche befindet. Ab 1860 wuchs die Gem. der Katholiken an, worauf 1911 die kath. Herz-Jesu-Kirche im neurom. Stil errichtet wurde. 2000 waren 49% der Bevölkerung reformiert, 39% katholisch.
Im Zuge des Schwabenkriegs brannte das Dorf 1499 ab. Ab dem 16. Jh. gelangten einzelne Fam. (v.a. die von Salis und die von Planta) zu grossem Reichtum und liessen im Dorf prächtige Bauten errichten. Den finanziellen Erfolg verdankten sie u.a. ihren polit. Ämtern in den bündnerischen Untertanengebieten, aber auch der Auswanderung. 1812 wird das erste Spital erwähnt. Handel und Gewerbe entwickelten sich im 19. Jh. stärker als anderswo im Tal. 1830 setzte der Tourismus ein: Hotelbauten, Parahotellerie, ein Golfplatz und die Drahtseilbahn auf den Muottas Muragl entstanden, Berge wurden erstmals bestiegen. Später erweiterten Zeltplätze und SAC-Hütten das Angebot. Engl. Touristen liessen 1872 die englische Kirche im neugot. Stil errichten (1965 abgebrochen). 1888 erfolgte der Bau des Elektrizitätswerks, 1895 jener des Kreisspitals Oberengadin. Banken und eine Druckerei liessen sich in S. nieder. 1903 wurde das Dorf an die Rhät. Bahn angeschlossen. In der Folge entwickelte es sich zum wichtigsten Bahnknotenpunkt des Engadins. 1937 konnte der Flugplatz eröffnet werden. 1943 erfolgte die Errichtung der Familienstiftung der von Planta (Fundaziun de Planta), ein Zentrum für rätorom. Kultur. Im gleichen Jahr eröffnete die evang. Lehranstalt, die heutige Academia Engiadina, ihre Tore. Irrtümlicherweise wurde das Dorf am 1.10.1943 von amerikan. Flugzeugen bombardiert (Sachschaden). Nach grossen Überschwemmungen ab den 1920er Jahren dämmte die Gem. den Inn verstärkt ein und verlegte 2004 den Fluss Flaz weg vom Dorf ganz auf die rechte Talseite. In den 1980er Jahren wuchs die kommunale Infrastruktur (Schulhaus, Berufsschule, Behindertenheim etc.). Verschiedene kantonale und regionale Ämter nahmen Sitz in S. Mit der Zerstörung alter Bausubstanz und der konjunkturbedingen Entstehung neuer Quartiere und Strassen entwickelte sich das ehemals rom. Bauerndorf zu einem modernen Dienstleistungszentrum, in dem der dt. Sprachanteil (2000 43%) den rätorom. (32%) übersteigt.
Literatur
-Kdm GR 3, 1940, 374-388
-D. Kaiser, Das Mini-Imperium des Bergdorfes S., 1979
-Bündner Ztg., 22.1.1983; 4.6.1988
-D. Kaiser, S.: eine Dorfchronik, 1994
Autorin/Autor: Ottavio Clavuot