Eine frühgesch. bzw. antike Badekultur ist in der Schweiz in den Thermen von Baden, Lostorf und Yverdon-les-Bains sowie an der Mineralquelle von St. Moritz Bad nachgewiesen, in Alvaneu Bad wahrscheinlich. Im MA wurden die Thermen Leukerbad (1229 erw.) und Pfäfers (1240) sowie die Mineralquellen von Scuol (1369) entdeckt. Der erneute Aufschwung der B. nach der Blütezeit in röm. Zeit fällt in das 15. Jh. Die B. dieser Zeit dienten nicht nur der Gesundheit und Hygiene. Sie waren Orte der Geselligkeit, wirtschaftl. und polit. Handelns und nicht selten auch der Prostitution. Im späten MA am bekanntesten waren die B. von Baden, St. Moritz Bad, Leukerbad und Bad Pfäfers. Keine Heilwirkung hatte in der Regel das Wasser der unzähligen, von Badern betriebenen öffentl. Badstuben in den Städten und Dörfern dieser Zeit, die als sog. ehafte Betriebe der obrigkeitl. Bewilligung bedurften (Ehaften).
Waren die Zeiten des Humanismus und der Reformation noch sehr badefreudig, so setzten Sittendiskussion und Prüderie im Zeichen dogmat. Verhärtungen, aber auch die Syphilis, die sich angebl. besonders beim freien Leben in den Badstuben ausbreitete, dem frohen Treiben in den B.n zu. Auch der Holzmangel im 16. Jh. dämpfte die Badefreude, verteuerte er doch das Wärmen des Wassers. Dennoch wurden auch in der frühen Neuzeit zahlreiche B. eröffnet oder reaktiviert, u.a. Gurnigelbad 1591, Bad Pfäfers 1629, Lenk 1689, Gontenbad (1597 erw.). Badeorte beherbergten oft polit. Zusammenkünfte, weil sie ausreichende Unterbringungsmöglichkeiten boten: Baden war bis 1713 Tagsatzungsort, und 1714 tagte hier der Friedenskongress nach dem Span. Erbfolgekrieg. Die Helvet. Ges. versammelte sich 1761-79 in Schinznach Bad. Noch im 18. und 19. Jh. dienten B. und Badeherbergen mangels Alternativen auch als Passantenunterkünfte, z.B. Reichenbach bei Meiringen, Andeer oder Leukerbad. Wohlhabende reisten auf der Suche nach der verlorenen Gesundheit den B.n ganz Europas nach, so auch Montaigne, der 1580 in Baden weilte. Im 16. Jh. waren Alvaneu Bad, Baden, Brigerbad, Fideris, Bad Pfäfers, Bormio (Veltlin) und Bad Tarasp die wichtigsten B. der Schweiz. 1690 waren es Bad Pfäfers, Schinznach-Bad, Yverdon-les-Bains, Bormio, Baden, Leukerbad, Brigerbad und St. Moritz Bad.
Medizin. und naturwiss. Schriften über die Wirksamkeit von Heilquellen verfassten u.a. Konrad Gessner (1553), Kaspar Ambühl (1574 publiziert), Leonhard Thurneysen (1572) und Johann Jakob Scheuchzer (1706-08). V.a. vom frühen 18. Jh. an entwickelte sich die Balneologie (Bäderheilkunde). Beschreibungen der Wirkung des Heilwassers (z.B. 1747 von Alvaneu Bad) wurden publiziert. Verbesserte chem. Analysen erlaubten die zielgerichtete Einstellung der Badetherapien auf die jeweiligen Krankheiten.
Autorin/Autor: Quirinus Reichen