Das 19. Jh. ist das goldene Zeitalter der B. Ältere wurden reaktiviert oder grosszügig erweitert, neue entdeckt und gleich erschlossen. Der spätere Bundesrat Stefano Franscini nannte 1848 in seiner Statistik folgende B. als wichtigste der Schweiz: Baden, Schinznach Bad, Bad Pfäfers, St. Moritz Bad, S. Bernardino, Leukerbad, Lavey-les-Bains und Gurnigelbad. Bekannt waren ihm 350 Heilquellen, von denen er 22 der 1. Klasse und 224 der 2. Klasse zuordnete. Die Medizin entwickelte die Hydrotherapie. Es gab nicht nur für sozusagen alle Krankheiten B., auch die Methoden wurden verfeinert und diversifiziert: Ganz-, Teil-, Dampf- oder Inhalationsbäder, Mineral-Schlammbäder, Duschen und Trinkkuren. Letztere sowie Licht-, Luft- und Sonnenbäder waren schon im 18. Jh. bekannt, wurden nun aber in eine ganzheitl. Medizin integriert. Man erkannte, dass viele Krankheiten von Überarbeitung oder falscher Lebensweise herrührten. Die Badekur musste also immer auch Erholung sein. Der Patient sollte nicht nur baden, sondern sich auch sonst an Leib und Seele erholen. Die Heilerfolge waren oft weniger dem Wasser als dem psych. Effekt der Badekur zuzuschreiben. In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurde der zahlenmässige Höhepunkt erreicht. Allein im Kt. Bern existierten 1863 73 Bäder.
Es lag im Charakter der Zeit, dass trotz erhebl. Fortschritte in der Medizin noch für die meisten Krankheiten Badekuren angeordnet wurden, selbst für Tuberkulose, die man z.B. in Weissenburg, Morgins, Rigi Kaltbad, Gurnigelbad und St. Moritz Bad zu heilen versuchte, womit die enge Verbindung zwischen Bade- und Luftkur gegeben war. Die Entdeckung der Tuberkel-Bakterien (1882) liess dieses Benutzersegment schlagartig zurückgehen.
Autorin/Autor: Quirinus Reichen