Die grosse Blüte der B. dauerte bis 1914. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs wurden die meisten geschlossen. Einige B. dienten als Truppenunterkünfte oder Interniertenlager. In der Zwischenkriegszeit kam wieder etwas Leben in das Badewesen, doch machten sich die sozialen Veränderungen der Zeit nachhaltig bemerkbar. Baden und Schwimmen entwickelten sich zum Freizeitvergnügen bzw. Sport breiter Schichten, gepflegt in den zahlreichen neu erbauten Volksbädern und von Schwimmklubs gefördert. Viele B. unternahmen Modernisierungsbestrebungen, um deren Früchte sie aber der 2. Weltkrieg brachte. So schloss z.B. 1943 Gurnigelbad. In der Nachkriegszeit liess ein neues Ferienverhalten das Badewesen in seiner bisherigen Art fast völlig zusammenbrechen. Hingegen hielt sich die streng medizin. Kur mit definiertem Heilziel. So rückte der Heilwert, mithin die medizin. oder mineralog. Definition der B., in den Vordergrund.
Unter diesen Vorzeichen konnten sich einige traditionelle B. mit besonderen Wirkungen wieder entfalten, andere neu beginnen: 1955 wurde die Thermalquelle Zurzach erbohrt, nach 1966 in Breiten (Gem. Mörel) ein Solbad aufgebaut, 1980 ein Heilbad in Saillon eröffnet. Baden erfuhr ab 1967 einen Modernisierungsschub. In Lavey-les-Bains wurde 1973 eine heissere Quelle erschlossen, gefolgt von einem Ausbau der Anlagen. Lenk erhielt Ausbauten ab 1970, Leukerbad ab 1965 eine Rheuma- und eine Rehabilitationsklinik, Lostorf ab 1992 Neubauten. Das Bad von Pfäfers, 1840 nach Ragaz verlegt, wurde nach einem Rückschlag 1956 wieder eröffnet und ab 1984 aufwendig modernisiert. Rheinfelden wurde ab 1970 Kurzentrum. St. Moritz Bad erhielt 1976 ein neues Heilbadzentrum. Schwefelbergbad blieb nach seiner Entdeckung (1561) von regionaler Bedeutung und wurde erst 1940 als Heilbad anerkannt; 1986 setzte ein neuer Aufschwung ein. Stabio war 1682 entdeckt, aber wieder zugeschüttet worden und kannte ab 1853 einen regionalen Kurbetrieb. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde das Bad richtig reaktiviert. Bad Serneus nahm 1974-76 den Betrieb wieder auf. Yverdon-les-Bains erfuhr ab 1974 einen fulminanten Aufschwung als starke Thermalquelle. 1980 wurden in der Schweiz 46 Badekurorte mit insgesamt 69 Quellen verzeichnet.
Autorin/Autor: Quirinus Reichen