Als F. wird gewöhnlich diejenige Zeit bezeichnet, die weder der Erwerbs- noch der Familienarbeit noch der Befriedigung physiolog. Bedürfnisse (Schlafen, Essen, Körperpflege) dient und die der Einzelne selbstbestimmt gestalten kann. Je nach sozialer Schicht, Geschlecht und Alter wird sie unterschiedlich genutzt und bewertet. Obwohl es zu allen Zeiten im Lebensrhythmus des Menschen Phasen der Erholung gab, ist F. im heutigen Verständnis eine Folge der Industrialisierung im 19. Jh. Der Wandel der Arbeits- und Zeitorganisation und die damit verbundene Trennung der Lebensbereiche führten zur Herausbildung von arbeitsfreier Restzeit, die gemäss der Leistungsideologie durch Arbeit verdient wurde. Diese Restzeit war nicht mehr zwingend an phys. Regeneration oder religiöse Besinnung gebunden, sie wurde zur frei verfügbaren Zeit, zur F. Je nach wirtschaftl. und gesellschaftl. Hintergrund deckte die F. das Bedürfnis nach Erholung, Zerstreuung und ausgewählten Aktivitäten ab. Der Aspekt der Selbstentfaltung gewann im 20. Jh. für breite Bevölkerungsschichten an Bedeutung.
Autorin/Autor: Andrea Weibel
1 - Mittelalter und frühe Neuzeit