Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

08/07/2009

Nationalspiele der Schweiz



Als N. gelten das Schwingen, Steinstossen und im weiteren Sinn das Hornussen. Die Ersteren fanden unter der Bezeichnung "Nationalturnen" 1855 Eingang ins Programm des Eidg. Turnfestes von Lausanne (Feste) - dies im Bestreben, dem dt. Turnen nach Friedrich Ludwig Jahn eigene, dem Volke angepasste und von ihm entwickelte Übungen entgegenzusetzen. Tatsächlich gehen alle drei Disziplinen auf spätma. Wettkämpfe zurück, die meist im Rahmen von Kirchweihen und Schützenfesten stattfanden oder andere volkstüml. Anlässe (Alpaufzug, Mittsommerfeste) ergänzten. Eine Art Fünfkampf jugendl. Hirten, wie Hans Georg Wackernagel dies annahm, lässt sich nicht nachweisen. Hingegen blieben die oft als alteidgenössisch bezeichneten Übungen vorab in alpinen Regionen populär. Für das Schwingen und Hornussen bildeten im 17. und 18. Jh. das Entlebuch sowie das Emmen- und Haslital ein eigentl. Rückzugsgebiet. Die Unspunnenfeste von 1805 und 1808 stellten einen ersten Versuch dar, den sog. Hirtenspielen im Rahmen der patriot. Erneuerungsbewegung während der Helvetik und Mediationszeit wieder eine überregionale Bedeutung zu verschaffen. Aber erst in der 2. Hälfte des 19. Jh. fand vorab das Schwingen einen breiteren Rückhalt in der Bevölkerung. Der 1864 publizierte Schwinger-Lehrgang des Berner Arztes Rudolf Schärer machte das Kampfspiel auch in Turnerkreisen populär. Der Erfolg eidg. Schwingfeste (meist ergänzt mit Jodel- und Alphorndarbietungen und unter Mitwirkung von Trachtenverbänden) führte 1895 zur Gründung des Eidg. Schwingerverbands (ESV). Die Hornusser schlossen sich 1902 auf Landesebene zum Eidg. Hornusserverband (EHV) zusammen und seit 1907 besteht mit der "Eidg. Schwinger-, Hornusser- und Jodlerzeitung" ein gemeinsames Publikationsorgan. Der anhaltende Erfolg beider Sportverbände (2005: ca. 5'100 bzw. 8'000 Aktive) erklärt sich nicht zuletzt aus der engen Verbindung sportl. und brauchtüml. Elemente.

Autorin/Autor: Hans Peter Treichler

1 - Schwingen
2 - Steinstossen
3 - Hornussen
Quellen und Literatur