Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

4 - 19. und 20. Jahrhundert

Die B. in der modernen Gesellschaft sind statistisch vergleichsweise gut dokumentiert. Ihre Sozial- und Mentalitätsgeschichte ist aber erst ansatzweise erforscht, ihre polit. Rolle oft verzeichnet. Besonders die Triebkräfte der Modernisierung (aufgezwungen oder gewollt?), die ambivalente Haltung zum Staat (Konservatismus oder Rebellion) und zum Fortschritt ("ewiger Bauer" oder Anpassung an die Industriegesellschaft) verdienen vermehrte Aufmerksamkeit.

In der Folge der gesellschaftl. Spezialisierung versteht man im 19. und 20. Jh. unter dem Begriff B. die selbstständigen Betriebsleiter auf den bäuerl. Familienbetrieben, die Nahrungsmittel primär für den Markt produzieren. Als Bäuerinnen gelten die Ehefrauen, die neben der Führung des Haushalts und der Mitarbeit im Betrieb in der Regel auch für die Kleinviehzucht und Gemüseproduktion zuständig sind. In der Schweiz fallen praktisch alle Betriebsleiter unter die Kategorie der B., da es kaum Grossgrundbesitzer gab und gibt. Zwischen Gross- und Arbeiterbauern, deren Kleingut weitgehend von deren Familie geführt wurde, konnte dennoch eine grosse soziale Kluft bestehen.

Im 19. und 20. Jh. lassen sich vier Perioden der Gesch. der B. ausmachen: In den ersten zwei Dritteln des 19. Jh. lösten sich die B. im Zuge der Agrarrevolution und der polit. Umwälzungen aus den herkömml. Strukturen, die durch feudale Reste und kollektive Regelungen geprägt waren; Stichworte dazu sind wirtschaftl. Individualisierung und polit. Gleichberechtigung. Zwischen den 1870er Jahren und dem 1. Weltkrieg integrierten sich die B. unter dem wirtschaftl. Druck des Weltmarkts und als Reaktion auf die expandierende Industriegesellschaft zum organisierten Berufsstand, der in der pluralist. Gesellschaft nach Einfluss strebte. Die Zeit vom 1. Weltkrieg bis zum Ende des 2. Weltkriegs brachte einerseits einen Höhepunkt in der Wertschätzung der B. durch die Gesellschaft, andererseits gerieten sie zunehmend in die wirtschaftl. Defensive. Seit dem 2. Weltkrieg ist die Landwirtschaft technisch-wirtschaftlich revolutioniert worden, gleichzeitig wurden die B. in versch. Hinsicht marginalisiert.

4.1 - Die wirtschaftlich-soziale Entwicklung
4.2 - Die politische Bedeutung der Bauern