Hinter F., auch Xenophobie genannt, verbirgt sich sozialpsychologisch gesehen oftmals die Angst vor dem Anderen, dem Fremden, die sich in Misstrauen, Abwehr und Feindschaft v.a. gegenüber Ausländern ausdrückt und zu Diskriminierungen führt. Dabei werden negative Vorstellungen vom Fremden konstruiert und als Gegenstück zum vorteilhaften Selbstbild eingesetzt. An diesem Konstruktionsprozess sind polit. Akteure und gesellschaftl. Eliten massgeblich beteiligt. Ferner bildet F. oftmals den Ausgangspunkt für Rassismus und Antisemitismus, die sich auf pseudowissenschaftl. Theorien stützen und im Gegensatz zu F. mit weltanschaulichem Anspruch auftreten und deshalb als Ideologien gelten.
In der Schweiz manifestiert sich F. gesellschaftlich und politisch seit Anfang des 20. Jh. vorwiegend im sog. Überfremdungsdiskurs. Der Begriff Überfremdung weist hier eine für Europa einmalige Kontinuität auf und appelliert als fremdenfeindl. Abwehrsyndrom an Emotionen und Ängste in der Bevölkerung. Im Sinne eines soziokulturellen Codes zielt die Überfremdungsthese auf die Ausgrenzung gesellschaftl. Gruppen, die aufgrund staatsbürgerlicher, kultureller und sozialer Kriterien identifiziert werden. F. äussert sich jedoch nicht nur diskursiv und in Aufmerksamkeit erregenden, vorwiegend von Männern ausgeübten Gewalttaten gegenüber Migranten, sondern häufig auch im Alltag in unspektakulärer, subtiler Form.
Autorin/Autor: Damir Skenderovic
1 - Die Anfänge des Überfremdungsdiskurses