Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

16/02/2009

Rittertum



R. ist ein vieldeutiger Begriff der Sozial-, Militär-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte. Es wird darunter die soziale Gruppe der zu Pferd kämpfenden Krieger verstandenen, die sich im HochMA stark ausweitete und in den niederen Adel aufstieg. R. war auch eine Würde, die durch ein Ritual (Schwertleite, Ritterschlag) verliehen wurde. Nicht nur Edelleute des niederen Adels, sondern auch Hochadlige und Könige wurden zu Rittern erhoben, später auch nichtadlige Stadtbürger. Nicht Ritter zu sein galt vom 13. Jh. an im ganzen Adel als Mangel, weshalb der Rittertitel allein kaum etwas über den Rang innerhalb der Oberschicht aussagt. R. war schliesslich Verhaltensnorm und Ideal -- das Ideal des edlen Ritters als Beschützer der Schwachen und Kämpfer gegen die "Ungläubigen". Es stand meist in schroffem Gegensatz zur Wirklichkeit, wurde aber gerade deswegen propagiert. An den Fürstenhöfen Frankreichs und der Niederlande bildete sich eine differenzierte ritterl.-höf. Kultur aus, die als erste Laienkultur des europ. MA gilt und bald auch auf die übrigen Gebiete Europas ausstrahlte.

1 - Rittertum als soziale Gruppe und Ideologie
2 - Rittertum und ritterliche Kultur in der Schweiz
Quellen und Literatur

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen