Der Begriff S. entstammt der modernen Soziologie und bezeichnet die Gegensätze zwischen grösseren sozialen Gruppen. Dabei kann es um immaterielle Werte (Prestige, Ehre), um sozialen Status und Macht oder um die Verteilung knapper Ressourcen gehen (Soziale Ungleichheit). S. können offen ausgetragen werden oder latent bleiben. Ihre vielfältigen Ausdrucksformen umfassen eine Bandbreite von Störungen der "rechten" gesellschaftl. Ordnung; sie reichen von der nur individuellen Symptomatik über ritualisierte und symbolische, sich geografisch auf engem Raum abspielende Formen, bis hin zu potentiell entgrenzten, eskalierenden Auseinandersetzungen (Bürgerkrieg).
S. wurden früher v.a. in ihren zerstörerischen Aspekten wahrgenommen und als "soziale Katastrophen" verstanden. Heute ist sich die Soziologie darin einig, dass S. ein zentrales Element Sozialen Wandels darstellen und mit Grundfragen der Organisation in Gruppen, Familien, Gemeinden, Unternehmen, Verbänden oder auch ganzen Gesellschaften zusammenhängen: Je starrer die Kontrollmechanismen sind, desto weniger finden S. legitimen Ausdruck, desto grösser ist ihre Intensität, wenn sie dann doch auftreten. Intensität muss allerdings nicht unbedingt mit physischer Gewalt einhergehen.
Systematisch erforscht wurden S. zumeist von Nicht-Historikern. Die Geschichtswissenschaft beschränkte sich auf einzelne, spektakuläre S., ohne diese unter einem allg. Begriff zu behandeln. Räumliche Vergleiche von S.n stehen ganz am Anfang, auch zeitl. Längsschnitte wurden bis anhin nur selten vorgenommen. Aufgrund der lang dauernden Dominanz der Staatsbildungsthematik in der Historiografie gehören für SpätMA und Frühneuzeit S. zwischen herrschender Obrigkeit und Untertanen zu den am besten untersuchten Aspekten. Im 19. und 20. Jh. stiess die Thematik unter dem Titel des Klassenkonflikts (Klassengesellschaft) auf besonderes Interesse: Lohnbewegungen und Streiks erfuhren statist. Erfassung und systemat. Untersuchung. Seit den 1970er Jahren hat das Aufkommen sog. neuer Sozialer Bewegungen die Soziologie zur Untersuchung vergleichbarer Phänomene angeregt. Mit dem Aufkommen der Sozialgeschichte fanden vernachlässigte Erscheinungsformen vermehrt Berücksichtigung, so der Umgang mit Minderheiten oder S. zwischen den Geschlechtern.
1 - Spätmittelalter