Die Gesch. des A.s beginnt mit dem Übergang von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise (Landwirtschaft), welche in prähist. Zeit die Jagd- und Sammelwirtschaft weitgehend ablöste. Der Übergang erfolgte im Nahen Osten ("Fruchtbarer Halbmond") in der ausgehenden Würm-Eiszeit (ca. 10000-8000 v.Chr.). Der A. erreichte das Gebiet der Schweiz zwischen 6000 und 5000 v.Chr. (Neolithikum). Die ältesten bekannten Fundstellen (verkohlte Getreidekörner, Keramik) liegen in Bellinzona (Castel Grande) und Sitten (v.a. Place Planta, Chemin des Collines, Avenue Ritz). Im Norden (Bottmingen, Gächlingen) tritt auf Lössböden die Bandkeramikkultur in Erscheinung (Pollendiagramme aus dieser Zeit weisen auf A. hin). Das Gebiet der Schweiz wurde verm. erst ab dem Jungneolithikum (ca. 4300 v.Chr.) mit dem Beginn der Seeufer- und Moorsiedlungen dichter durch A. treibende Bevölkerungsgruppen besiedelt (wichtige Fundstellen v.a. an Zürich-, Bieler- und Bodensee). Bereits im Neolithikum wurden mehrere Getreidearten (Nacktweizen, Emmer, Gerste, selten Einkorn) sowie Lein, Schlafmohn und Hülsenfrüchte angebaut. Auch Fruchtfolgen (Nacktweizen-Gerste) konnten nachgewiesen werden.
Von der frühen Bronzezeit an stiess der A. in den Alpen in höhere Lagen vor. In zunehmendem Masse wurde Dinkel angebaut, und von der späten Bronzezeit an nahm v.a. die Bedeutung der Hülsenfrüchte sprunghaft zu (Zürich-Mozartstrasse, Zug-Sumpf, Hauterive-Champréveyres). Gegen Ende der Eisenzeit kam der Anbau von Hafer auf (Basel-Gasfabrik). Eindeutige Belege für Kultur-Roggen gibt es erst seit der Römerzeit. In dieser Epoche wurden in der Schweiz Saat- und seltener Rauhweizen, Dinkel und weniger häufig auch Emmer angebaut. Einkorn wird regelmässig, aber nie in grösseren Mengen gefunden. Roggen und Hafer gewannen an Bedeutung, Gerste blieb wichtig. An Hülsenfrüchten finden sich Ackerbohne, Linse und Erbse. Neu wurden Gemüse (z.B. Knoblauchzehen als Grabbeigabe in Augusta Raurica), Obst (Weintrauben, Pfirsiche, Aprikosen) und Nüsse (Walnüsse, Esskastanie) kultiviert. Wichtige archäobotan. untersuchte Fundstellen aus der röm. Zeit sind Augusta Raurica, Vindonissa, Oberwinterthur, Neftenbach-Steinmöri und Biberist-Spitalhof.
Autorin/Autor: Stefanie Jacomet