Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

3.2 - Bevölkerung und Siedlung

Im Vergleich zur Stadt B. erlebte die Landschaft zwischen dem späten 15. und dem frühen 19. Jh. ein viel stärkeres demograf. Wachstum: Ihre Bevölkerungszahl betrug um 1500 etwa 5'000, am Ende des 17. Jh. rund 17'000 und 1798 26'235. Die zuverlässigste der zwischen Helvetik und Kantonstrennung durchgeführten Volkszählungen, diejenige von 1815, ergab für die Landschaft 28'416, für die Stadt 16'674 Einw. Bis in die 1. Hälfte des 17. Jh. war die Zunahme auf der Landschaft noch möglich durch die Wiedererschliessung von Landressourcen, die vom 14. Jh. an nicht mehr oder nur noch extensiv genutzt worden waren. In der 2. Hälfte des 17. Jh. stiess das Wachstum vorerst an eine Grenze der Tragfähigkeit, die im 18. Jh. durch die Ausbreitung der Heimindustrie (Verlagssystem) wie auch durch Veränderungen in der Agrarverfassung (Einschlagsbewegung) durchbrochen werden konnte. So wies im 18. Jh. das agrarisch am wenigsten leistungsfähige und zunehmend heimindustriell geprägte Amt Waldenburg den stärksten Bevölkerungsanstieg auf (1709 ca. 4'600 Einw., 1798 ca. 7'000). Im gleichen Zeitraum stieg die Bevölkerung im Amt Farnsburg von ca. 7'200 auf 9'500, im Amt Homburg von ca. 1'100 auf 1'500 und im Amt Liestal von ca. 2'800 auf 3'300 Personen. Die stadtnahen, teils nur kleinen Ämter Münchenstein, Riehen und Kleinhüningen erreichten im 18. Jh. solche Wachstumsraten nicht, verzeichneten aber - unter dem Einfluss der wirtschaftl. und demograf. Expansion der Stadt B. - von den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. an im Vergleich zur übrigen Landschaft eine überdurchschnittl. Zunahme. Der Bevölkerungszuwachs auf der Landschaft führte im 16. bis 18. Jh. nicht mehr zur Bildung neuer Siedlungen, sondern wurde durch Verdichtung und Erweiterung der bestehenden Dorf- und Stadtsiedlungen aufgefangen.

Autorin/Autor: Hans Berner