Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

3.4 - Wirtschaftliche Entwicklung

1815 arbeitete mehr als die Hälfte der aktiven Bevölkerung der Ajoie, des Clos du Doubs und des Delsberger Tals im 1. Sektor: Sie betrieb Ackerbau und züchtete hauptsächlich Rindvieh sowie Pferde. In der Mitte des 19. Jh. zählte man in dieser Region noch etwa 100 Mühlen, Sägereien und Stampfen sowie rund zehn Gerbereien - alles Betriebe, die eng mit der Land- und Forstwirtschaft verbunden waren. Die Töpferei in Bonfol, die Steingutmanufaktur in Cornol, die Tabakfabrik in Boncourt (Burrus) sowie die Seidenstickerei in Heimarbeit im Amtsbezirk Delsberg vervollständigten das Spektrum der gewerbl. Aktivitäten.

In der 1. Hälfte des 19. Jh. verbreitete sich die Uhrenindustrie in den Dörfern und Weilern der Freiberge. In den 1840er Jahren setzte sie sich in der Ajoie und nach 1870 auch im Delsberger Tal fest. Dort war die Eisenindustrie, die in der Mitte des 19. Jh. einen beachtl. Aufschwung erlebt hatte (Metallindustrie), im Niedergang begriffen. Zu den drei alten Hochöfen in Courrendlin, Undervelier und Bellefontaine (Gem. Saint-Ursanne) kamen jene von Delsberg (1838), Choindez (Gem. Courrendlin, 1846) und Les Rondez (Gem. Delsberg, 1855) hinzu. Auf ihrem Höhepunkt (1858) beschäftigte die jurass. Eisenindustrie etwa 1'800 Bergarbeiter, Giesser, Schmiede, Fuhrleute, Holzfäller und Köhler. Doch die starke ausländ. Konkurrenz führte zur Schliessung der Giessereien, mit Ausnahme der Anlagen von Choindez und Les Rondez, die unter der Leitung der Firma Von Roll während des 20. Jh. etwa 1'000 Arbeitsstellen boten.

Der Bau der jurass. Eisenbahn (1872-77) verband die Ajoie und das Delsberger Tal mit dem franz. und dem schweiz. Schienennetz. Nach der Annexion des Elsasses durch das Dt. Kaiserreich (1871) wurde Pruntrut, als Ersatz für Basel, zu einem wichtigen Grenzbahnhof im Verkehr mit Frankreich. Das von den Linien Biel-Delsberg-Basel und Delsberg-Pruntrut-Delle gebildete Basisnetz wurde 1903 mit den Linien der Jura-Simplon-Bahn (JS) in die SBB integriert. Die abseits liegenden Gebiete unternahmen grosse Anstrengungen, um auch ans Eisenbahnnetz angeschlossen zu werden. Die 1892 eröffnete Verbindung zwischen La Chaux-de-Fonds und Saignelégier wurde 1904 bis Glovelier und 1913 via Le Noirmont bis nach Tramelan verlängert. Die 1901 in Betrieb genommene Strecke Pruntrut-Bonfol wurde 1910 mit dem elsäss. Netz verbunden. All diese Linien wurden 1944 in der Compagnie des chemins de fer du J. (CJ) vereinigt. In der Haute-Ajoie und im Val-Terbi (Tal der Scheulte) wurden die Postkutschen erst in den 1920er Jahren ersetzt. Von den 1960er Jahren an erhoben die Jurassier die Forderung nach einer transjurass. Autobahn, doch erst 1984 wurde die Streckenführung der Transjurane ins nationale Autobahnnetz aufgenommen und erst Ende des Jahrzehnts wurde mit dem Bau begonnen.

In der 1. Hälfte des 20. Jh. gelang es der jurass. Industrie, in der die Uhrenfabrikation deutlich vorherrschte, neue Märkte zu erschliessen: Textilien in der Ajoie, Velos und Motorräder in Courfaivre (Condor), Messer in Delsberg (Wenger), Metallverarbeitung in Saint-Ursanne. Der Anteil der im 2. Sektor tätigen Bevölkerung verdoppelte sich zwischen 1860 und 1970 beinahe; von einem Drittel stieg er auf 60%, während der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten von 50% auf 10% zurückging. Wegen der geringen Diversifizierung der Industrie blieb die jurass. Wirtschaft bis heute krisenanfällig. Die Hälfte der im 2. Sektor Beschäftigten arbeitet in der Uhrenindustrie, ein Viertel in der Metall verarbeitenden und in der mechan. Industrie. Die High-Tech-Industrie und der 3. Sektor sind untervertreten.

Autorin/Autor: François Kohler / AHB