Der Kt. J., dessen amtl. Bezeichnung "Republik und Kanton J." lautet, ist der jüngste Gliedstaat der Eidgenossenschaft, zu der er territorial seit 1815 gehört. Sein Gebiet liegt inmitten der Höhenzüge der Region Jura und umfasst ungefähr den sog. germanischen Teil des ehem. Fürstbistums Basel. Dieser wurde im Gefolge der Franz. Revolution vorübergehend zur unabhängigen Raurachischen Republik , dann zum franz. Dep. Mont-Terrible und zum Arrondissement im Dep. Haut-Rhin, bis er schliesslich durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses an den Kt. Bern gelangte. Die Grenzen des heutigen Kantons entsprechen mit geringen Abweichungen jenen der Amtsbez. Pruntrut, Delsberg und der Freiberge in der Zeit 1815-1978. Diese Bez. bildeten damals einen Bestandteil des Berner Juras, der seit der Gründung des Kt. J. und dem Anschluss des Laufentals an Baselland 1994 auf die Amtsbez. Moutier (abzüglich einiger Gem.), Courtelary und La Neuveville reduziert ist. Am 24.9.1978 hiess die Schweizer Bevölkerung die Gründung des neuen Kantons an der Urne gut; mit der Zustimmung zur Änderung der Bundesverfassung nahm sie den J. in den Kreis der schweiz. Kantone auf und ermöglichte dessen Schritt in die Souveränität am 1.1.1979. Amtssprache ist Französisch. Hauptort: Delsberg.
| Fläche (2001) | 838,6 km² | |
|---|---|---|
| Wald/Bestockte Flächen | 370,4 km² | 44,2% |
| Landwirtschaftliche Nutzflächen | 413,2 km² | 49,3% |
| Siedlungsflächen | 48,0 km² | 5,7% |
| Unproduktive Flächen | 7,0 km² | 0,8% |
| Jahr | 1850 | 1880b | 1900 | 1950 | 1970 | 2000 | |
| Einwohner | 44 921 | 52 116 | 57 575 | 59 554 | 67 325 | 68 224 | |
| Anteil an Gesamtbevölkerung der Schweiz | 1,9% | 1,8% | 1,7% | 1,3% | 1,1% | 0,9% | |
| Sprache | |||||||
| Französisch | 46 257 | 49 098 | 50 517 | 55 285 | 61 376 | ||
| Deutsch | 5 898 | 7 272 | 8 105 | 5 723 | 3 001 | ||
| Italienisch | 207 | 1 187 | 866 | 4 506 | 1 210 | ||
| Rätoromanisch | 3 | 17 | 24 | 27 | |||
| Andere | 14 | 15 | 49 | 1 787 | 2 610 | ||
| Religion, Konfession | |||||||
| Katholischc | 43 810 | 48 095 | 50 289 | 48 578 | 56 476 | 51 092 | |
| Protestantisch | 1 010 | 3 708 | 7 063 | 10 453 | 10 284 | 8 513 | |
| Christkatholisch | 274 | 38 | 55 | ||||
| Andere | 101 | 573 | 223 | 249 | 527 | 8 564 | |
| davon jüdischen Glaubens | 101 | 235 | 195 | 82 | 62 | 22 | |
| davon islamischen Glaubens | 1 310 | ||||||
| davon ohne Zugehörigkeitd | 4 250 | ||||||
| Nationalität | |||||||
| Schweizer | 42 217 | 47 873 | 51 784 | 56 804 | 59 000 | 59 500 | |
| Ausländer | 2 704 | 4 503 | 5 791 | 2 750 | 8 325 | 8 724 | |
| Jahr | 1975 | 1985 | 1991 | 1995 | 2001 | ||
| Beschäftigte im Kanton | 1. Sektor | 3 451 | 4 483 | 3 787 | 4 109e | 3 578e | |
| 2. Sektor | 14 772 | 14 204 | 16 130 | 13 857 | 14 109 | ||
| 3. Sektor | 8 395 | 12 548 | 16 050 | 15 957 | 16 513 | ||
| Jahr | 1979 | 1985 | 1990 | 1995 | 2001 | ||
| Anteil am Schweiz. Volkseinkommen | 0,8% | 0,7% | 0,7% | 0,6% | 0,7% | ||
1 - Von den Anfängen bis zur Eingliederung ins Fürstbistum Basel
Ur- und Frühgeschichte des J.s sind stark von der geogr. Lage und den topograf. Verhältnissen bestimmt. Die Gebiete, die sich zum Doubsbecken (Ajoie) oder zur Oberrhein. Tiefebene hin öffnen (Delsberger Tal), teilen die Siedlungsgeschichte des Rheinknies und des Juranordhangs. Die Gebirgszüge hinderten die letzten grossen Alpengletscher am weiteren Vordringen und haben so die Böden vor Erosion geschützt, weshalb die ältesten prähist. Stätten der Schweiz erhalten geblieben sind.
1.1 - Erste menschliche Spuren2 - Das ehemalige Fürstbistum Basel
Mit der Schenkung von 999 konnte der Bf. von Basel seine weltl. Macht nach und nach auf das Gebiet des späteren Kt. J. ausdehnen. Folgende Teile des ehem. Fürstbistums Basel bilden den heutigen Kanton: die Herrschaften Ajoie, Delsberg und Freiberge sowie das Gebiet der Propstei Saint-Ursanne, zwei Dörfer der Klosterherrschaft Bellelay und die "sous les Roches" genannten Pfarreien des Klosters (ab ca. 1100 Kollegiatstifts) Moutier-Grandval.
2.1 - Entstehung des fürstbischöflichen Territoriums3 - Von der französischen Republik zum Kanton Bern (1792-1978)
Die Franz. Revolution fand grossen Widerhall im Fürstbistum Basel, das im polit., militär. und wirtschaftl. Einflussbereich Frankreichs lag. Dennoch führten die Volksunruhen, deren Zentrum die Stadt Pruntrut war, nicht zum Sturz der Bischofsherrschaft. Kurz vor der Besetzung des Landes durch franz. Freiwilligenbataillone im April 1792, entschloss sich der Fürstbischof zur Flucht. Die Anwesenheit der franz. Truppen stärkte die revolutionäre Bewegung, die von Josef Anton Rengger, Syndikus der Landstände des Fürstbistums, und Weihbf. Johann Baptist Joseph Gobel angeführt wurde; die Notabeln von Pruntrut und Delsberg schlossen sich ihr aus Opportunismus an.
3.1 - Unter französischer Herrschaft (1792-1815)4 - Republik und Kanton Jura (seit 1979)
Ab 1947 wurde die Kantonsgründung als möglicher Lösungsansatz für die Jurafrage diskutiert (Berner Jura). Am 23.6.1974 stimmte die jurass. Bevölkerung der sieben Amtsbezirke bei einer Stimmbeteiligung von 90% der Schaffung eines Kt. J. mit 36'802 Ja- gegen 34'057- Nein und 1'726 Leerstimmen schliesslich zu. Dieses Votum für die Selbstbestimmung war der eigentl. Gründungsakt des jurass. Kantons. Doch die durch den bern. Verfassungszusatz von 1970 ermöglichte Plebiszitkaskade von 1975 begrenzte dann das kant. Territorium auf die drei Bezirke mit separatist. Mehrheit (Pruntrut, Delsberg und Freiberge), zu denen noch acht Gem. aus dem Bez. Moutier (Châtillon, Corban, Courchapoix, Courrendlin, Lajoux, Les Genevez, Mervelier und Rossemaison) hinzukamen, während zwei kleine Gem. aus dem Bez. Delsberg (Roggenburg und Rebévelier) bei Bern verblieben.
Im Sommer 1975 bildeten die Vertreter des späteren Kt. J. im bern. Grossen Rat eine Gruppe, die sich den eidg. und den bern. Behörden bis zum Inkrafttreten der Souveränität als privilegierter Gesprächspartner zur Wahrung der jurass. Interessen anbot. Am 11.12.1975 präsentierte der jurass. Anwaltsverband einen Verfassungsentwurf, der von den polit. Parteien sowie vom Rassemblement jurassien (RJ) rasch als Diskussionsbasis akzeptiert wurde. Um die Kontrolle über die Ausgestaltung des zukünftigen Kantons zu behalten, stellte das RJ eine Koordinationskommission auf die Beine, welche die Organisation und die Arbeiten der Konstituante (verfassunggebenden Versammlung) stark beeinflusste.
4.1 - Die Schaffung des Kantons Jura (1974-1978)Autorin/Autor: François Kohler / AHB
Quellen und Literatur