Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

05/06/2008

Archäologie



Die A. ist keineswegs nur eine hist. Hilfswiss., sondern eine der wichtigsten Disziplinen der Geschichtsforschung. Indem sie die materiellen Überreste, die sie durch Ausgrabungen zutage fördert, unter Beizug von anderen (z.B. Schrift- und Bild-)Quellen und Disziplinen (Naturwiss., Anthropologie) untersucht, hat sie die Gesch. im weitesten Sinne zum Gegenstand. Durch die Bodenforschung und die Untersuchung der Landschaft bringt sie zum Vorschein, was aus dem kollektiven Gedächtnis hätte verschwinden können. Wie alle Humanwiss. kann sie nicht vollkommen objektiv und vorurteilsfrei sein: Da sie von Vorwissen, Beurteilungsmassstäben, Denkweisen und Lehrmeinungen abhängt, kann sie nur durch das verzerrende Prisma der Gegenwart ihren Untersuchungsgegenstand zum Sprechen bringen und so versuchen, die Vergangenheit zu rekonstruieren.

Seit jeher interessiert sich der Mensch für die Generationen, die vor ihm gelebt haben, und für die materiellen Spuren, die sie hinterlassen haben. Die Suche nach Altertümern hat eine lange Tradition voller farbiger wie auch dramat. Ereignisse, und die Zielsetzung der A. (der Begriff wird bereits von Platon verwendet) wechselte mit den Zeiten, Lehren und Personen. Heute geht es v.a. darum, die Gesch. der Menschheit (Chronologie, Gesellschaft, Religionen, Denkweisen, Wirtschaft, Techniken, Künste) und ihrer Umwelt (Klima, Landschaft, Flora, Fauna) besser kennenzulernen, der Vergangenheit einen Sinn zu geben und die Orte der Erinnerung soweit wie mögl. zu erhalten, damit wir unsere Wurzeln finden und der Gegenwart die ihr angemessene Tiefe vermitteln können. Doch Schatzgräberei, Plünderungen und verbotener Antiquitätenhandel, der Vorrang prestigeträchtiger Kunstwerke oder Denkmäler, polit. und ideolog. Beweggründe sowie nationalist. Irrungen sind noch längst nicht Vergangenheit.

Die A. der gesch. Zeiten (die ihre Ursprünge in der Renaissance hat und anfangs eng mit der Philologie und der Kunstgesch. verbunden war) und die A. der vorgesch. Epochen (die seit ihren Anfängen naturwiss. Methoden viel zu verdanken hat) haben sich allmähl. angenähert, ohne dabei ihre Eigenheiten aufzugeben. Sie bilden zusammen am Ende des 20. Jh. eine voll anerkannte hist. Wiss., die neue und gewinnträchtige Wege eröffnen und unsere Sicht der Vergangenheit zuweilen entscheidend verändern kann. Die Mittelalter-A. wiederum kann - auch wenn sie denselben Methoden wie die beiden vorgenannten Fachrichtungen verpflichtet ist - vermehrt auf schriftl. oder bildl. Quellen zurückgreifen. Da sie sich häufig auf Kunstdenkmäler erstreckt, ist die fachl. Abgrenzung zur Kunstgesch. unscharf.

1 - Von den Ursprüngen zur Verwissenschaftlichung
2 - Entwicklung und Organisation der Archäologie in der Schweiz
Quellen und Literatur