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Männedorf

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Meilen. In zahlreiche Gemeindeteile aufgegliedertes, industrialisiertes ehemaliges Rebbauern- und Fischerdorf am mittleren rechten Zürichseeufer. 933 Mannidorf. 1799 2166 Einwohner; 1850 2382; 1900 2902; 1950 4396; 2000 8348.

Spuren von drei neolithischen Uferdörfern und ein spätbronzezeitlicher Fundplatz, ein noch unerforschter Grabhügel wohl aus der älteren Eisenzeit sowie alemannische Gräber und Spuren einer Kirche aus dem 8. Jahrhundert auf dem Kirchhügel zeugen von einer frühen Besiedlung. Die Grundherrschaft Männedorf des Klosters Pfäfers beinhaltete die niedergelassenen Gotteshaus- oder Hofleute, die den Heiligen Stephan und Lorenz geweihte Kirche (archäologische Untersuchungen bezeugen eine romanische Kirche mit ummauertem Friedhof um 1200), Kirchensatz und Zehnten, Twing und Bann sowie ab 1116 die Kollatur. Die Verwaltung besorgte ein Meier, der bis um 1400 vom Abt den Meierhof am Südfuss des Kirchhügels zu Lehen trug. Im 15. Jahrhundert wohnte der aus der Dorfschaft gewählte Klosterammann auf seinem eigenen Hof. 1494 verkaufte Pfäfers Besitz und Rechte in Männedorf an das Kloster Einsiedeln, das hier schon ab dem 10. Jahrhundert begütert war. Die hohe Gerichtsbarkeit gehörte den Grafen von Rapperswil, dann denjenigen von Habsburg-Laufenburg. 1354 kam Männedorf mit Burg und Herrschaft Rapperswil an Herzog Albrecht II. von Österreich und wurde Teil der Herrschaft Grüningen. Deren Inhaber Hermann Gessler verpfändete 1405 Grüningen mit Männedorf an die Stadt Zürich. Als Pfand nicht mehr ausgelöst, wurde Männedorf eine Obervogtei im Stadtstaat Zürich. Die gebursami gemeinlich ze Menidorf taucht schon 1365 und 1376 als Verband auf, der nach Mehrheitsbeschluss handelte, wenn es um Holznutzung und Flurangelegenheiten ging. Der 1534 neu gefasste Hofrodel regelte das Verhältnis zum Kloster Einsiedeln. 1517 stellte Zürich den ersten Einzugsbrief aus.

Männedorf vollzog 1524 die Reformation, kurz vorher hatte die Kirche einen neuen Turm sowie eine gotische Verlängerung des Schiffs erhalten; die heutige Kirche stammt von 1657. Erst 1828 kam die Kollatur an Zürich. Ab 1874 betreute die katholische Pfarrei Horgen eine Filiale in Männedorf, 1882 folgte die Gründung einer eigenen Pfarrei und 1893-1894 der Bau der katholischen Kirche St. Stephan von August Hardegger.

Mit dem Bau der Gerberei Staub 1864, erhielt Männedorf einen ersten Industriebetrieb. Später kamen die Firma Kuhn Orgelbau und weitere Unternehmen hinzu. 1958 zog die Feuermeldeanlagen produzierende Cerberus AG nach Männedorf, die 1998 vom deutschen Konzern Siemens übernommen wurde und den Standort Männedorf aufgab. 1894 erhielt Männedorf Anschluss an die Eisenbahnlinie Zürich-Rapperswil (SG), 1903 an die 1950 aufgehobene Wetzikon (ZH)-Meilen-Bahn, 1950 an die Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland. Männedorf ist Standort des Schwerpunktspitals des rechten Zürichseeufers und des evangelischen Tagungs- und Studienzentrums Boldern.

Quellen und Literatur

  • P. Ziegler, Männedorf, 1975
  • H.-R. Galliker, MänneDorfgesch., 3 Bde., 2005-07
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Peter Ziegler: "Männedorf", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.09.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000110/2014-09-25/, konsultiert am 13.04.2024.