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Dübendorf

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Uster, umfasst Dübendorf, das ehemalige Lazariterhaus Gfenn, die Ortsteile Hermikon und Stettbach im oberen Glattal (Glatt) sowie Gockhausen, Geeren und die Burgruine Dübelstein am Nordhang des Adlisbergs. 946 Tuobilindorf. 1467 ca. 225 Einwohner; 1634 553; 1710 1031; 1850 2018; 1900 2544; 1950 6750; 1970 19’639; 2000 22’216; 2010 24’831.

Neolithische Siedlungsspuren wurden bei Dübendorf, bronzezeitliche Gräber bei Gfenn entdeckt sowie römische Funde im Wil und in Gfenn gemacht. Im 7. und 8. Jahrhundert besass die Abtei Reichenau den Hauptteil des Grundbesitzes in Dübendorf. Das Reichenauer Lehen gelangte um 1250 an die Herren von Dübendorf, die es von ihrer damals errichteten Burg Dübelstein aus verwalteten. Diese 1130 erwähnten Ritteradligen im Dienst der Grafen von Rapperswil nannten sich ab 1259 nach der Burg von Dübelstein. Nach 1314 starben sie aus. 1487 kamen die Burg und die Vogtei über Dübendorf an Hans Waldmann, der auch das Niedergericht über Rieden (ZH) und Dietlikon erwarb. Nach dessen Sturz 1489 fasste Zürich die drei Dörfer zu einer Obervogtei zusammen, die 1615 mit der Vogtei Schwamendingen vereinigt wurde. Von der Pfarrei Dübendorf gehörte nur der Teil westlich der Glatt zur Obervogtei; Hermikon lag in der Landvogtei Kyburg, Gfenn in der Landvogtei Greifensee. Das Hochgericht über Dübendorf gelangte mit der Grafschaft Kyburg 1424 an Zürich, das zwischen 1425 und 1429 eine Offnung erliess.

Dorfansicht mit Glattbrücke. Jakob Kuhn zugeschriebene Federzeichnung, um 1780 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
Dorfansicht mit Glattbrücke. Jakob Kuhn zugeschriebene Federzeichnung, um 1780 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).

Die aus dem frühen 8. Jahrhundert stammende Kirche im Wil (erwähnt 1272, Hauptpatronin wahrscheinlich Maria) war vermutlich eine Reichenauer Stiftung. Den Kirchensatz besassen Mitte des 14. Jahrhunderts die Freiherren von Tengen als Lehen Reichenaus, ab 1371 die Zürcher Familie Mülner, die ihn 1395 der Johanniterkomturei Küsnacht (ZH) vermachte. 1444 wurde die Kirche von Schwyzer Truppen zerstört. 1478 tauschten die Komturei Küsnacht und das Kloster St. Martin auf dem Zürichberg die Kirchensätze von Dübendorf und Egg (ZH) untereinander aus. 1487 erwarb Hans Waldmann die Kollatur, von dem sie 1489 auf Zürich überging. 1937-1969 gehörte auch Schwerzenbach zur reformierten Kirchgemeinde Dübendorf. 1968 wurde die Kirche durch einen Neubau ersetzt. Vom frühen 13. Jahrhundert an bestand in Gfenn ein Lazariterhaus mit Kloster und Kirche, das im Alten Zürichkrieg 1444 geplündert wurde. 1525 wurde das Kloster aufgehoben. 1966-1967 erfolgte die Restauration der Klosterkirche; seitdem dient sie als paritätische Kirche. Ab 1897 wurden in Dübendorf auch katholische Gottesdienste gehalten. Die Maria-Friedenskirche wurde 1951-1952 erstellt.

In der frühen Neuzeit lag Dübendorf an der Verbindung von Zürich über Fluntern ins Zürcher Oberland, die 1786 durch die Strasse über Schwamendingen und Dübendorf nach Uster abgelöst wurde. Der Dübendorfer Zehntenplan von 1681 zeigt drei getrennte Ortsteile: Wil mit Kirche und Pfarrhaus, das Ober- und Unterdorf mit je einem Glattübergang und einem Gewerbezentrum mit Mühle. Zwei Drittel des Kulturlands waren Ackerflächen; die ausgedehnten Sumpfgebiete östlich der Glatt dienten der Beweidung, der Streue- und im 18. und 19. Jahrhundert der Torfgewinnung. Die Glatt, die regelmässig Hochwasser führte, wurde zwischen dem Greifensee und Dübendorf 1878-1895 kanalisiert, die Riedgebiete 1910-1939 trockengelegt.

Infolge der Stadtnähe begann die Protoindustrialisierung schon früh: 1680 waren in Dübendorf Wollkämbler beschäftigt, um 1705 wurde Löthligarn hergestellt, ein feines Baumwollgarn, das man beim Lot, statt beim Pfund verkaufte. Im ausgehenden 18. Jahrhundert dominierte die Seidenweberei (1771 in 37% aller Haushalte) vor der Baumwollverarbeitung. 1850 beschäftigte sie 477 Heimarbeiterinnen, während in der Landwirtschaft 541 und in den Fabriken 65 Personen tätig waren. Trotz vorhandener Wasserkraft siedelte sich die Industrie entlang der Glatt nur zögernd an (1824 Färberei, 1838 und 1856 Spinnereien, 1858 Wattefabrik). Der Ausbau der Strasse Zürich-Uster 1834 und der Bahnanschluss 1856 führten zu einer allmählichen Vergrösserung des Siedlungsgebiets.

1798 entstand innerhalb der Pfarreigrenze die Munizipalgemeinde Dübendorf, wobei das Gebiet westlich der Glatt dem Distrikt Regensdorf, der Rest dem Distrikt Bassersdorf zugeteilt wurde. Nach 1803 gehörten alle Ortschaften ausser Gfenn (Bezirk Uster) zum Bezirk Bülach. 1814 wurde die ganze Gemeinde dem Oberamt Greifensee, 1831 dem Bezirk Uster angegliedert. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich aus den alten Dorfschaften die Zivilgemeinden Dübendorf (mit Gockhausen), Gfenn und Hermikon, während sich die Hofsiedlungen Stettbach, Kämmaten, Geeren und Dübelstein zur Zivilgemeinde Berg zusammenschlossen. Die vier Zivilgemeinden wurden 1921 (Berg) bzw. 1926 aufgelöst und gingen in der politischen Gemeinde Dübendorf auf.

Plakat für die 25-Jahrfeier der Schweizer Luftwaffe 1939, gestaltet von Otto Baumberger (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Plakat für die 25-Jahrfeier der Schweizer Luftwaffe 1939, gestaltet von Otto Baumberger (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).

1909 pachtete der Franzose Reynold Jaboulin das Ried zwischen Dübendorf und Wangen-Brüttisellen und gründete eine Genossenschaft, die 1910 ein Flugfeld einrichtete. 1914 wurde Dübendorf zu einem eidgenössischen Militärflugplatz (Flugplätze), 1922 fanden die ersten Linienflüge statt, 1932 wurde auf Wangener Gebiet ein neuer ziviler Flugplatzteil erstellt. Durch die Verlegung des Linienflugverkehrs nach Kloten 1948 wurde Dübendorf ausschliesslich Militärflugplatz. Der Aufschwung des Flugwesens beschleunigte die wirtschaftliche und bauliche Entwicklung Dübendorfs erheblich; er bewirkte die Verdichtung der Kernfläche, Überbauungen zwischen Glatt und Bahnlinie sowie zwischen Bahnlinie und Flugplatz. 1930 arbeiteten nur noch 13% der Erwerbstätigen in Dübendorf im 1. Sektor, jedoch über 56% im 2. Sektor. Nach 1950 wurde Dübendorf zur Agglomerationsstadt Zürichs mit einem starken Bevölkerungswachstum, das 1974 die Einführung eines Stadtparlaments zur Folge hatte. Von diesem Jahr an war Dübendorf auch Standort einer Filialabteilung der Kantonsschule Zürcher Oberland, bis diese 2013 nach Uster verlegt wurde. Der Bund als bedeutender Arbeitgeber siedelte 1962 in Dübendorf die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) sowie 1970 die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) an und unterhielt hier bis 1995 das Bundesamt für Militärflugplätze. Baulandreserven in Stadtnähe und gute Verkehrsverbindungen – 1974 erfolgte der Anschluss an die A1, 1990 derjenige an das Schnellbahn-Netz mit dem neuen Bahnhof in Stettbach – förderten die Entstehung des Industrie- und Dienstleistungsgebiets Hochbord zwischen Dübendorf und der Zürcher Stadtgrenze.

Quellen und Literatur

  • Verkehrs- und Verschönerungsverein Dübendorf (Hg.): Heimatbuch Dübendorf, 1947-.
  • Gubler, Hans Martin: Die Bezirke Pfäffikon und Uster, 1978, S. 542-582 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, 3).
Von der Redaktion ergänzt
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GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
946: Tuobilindorf

Zitiervorschlag

Müller, Ueli: "Dübendorf", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.04.2015. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000128/2015-04-22/, konsultiert am 31.10.2020.