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BirmensdorfZH, Gemeinde

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Dietikon, im Reppischtal gelegen, mit dem Weiler Landikon und zahlreichen Berghöfen. Die früheren Weiler Wullikon, Schüren, Güpf, Uf Dorf und Risi sind heute mit dem Dorf zusammengewachsen. 876 piripoumesdorf. 1634 ca. 460 Einwohner; 1749 848; 1836 1082; 1850 1096; 1900 1101; 1950 1480; 2000 5451.

Siedlungsspuren des Meso- und Neolithikums sowie der Bronzezeit wurden in den Fildern und an andern Orten entdeckt, römische Spuren in Birmensdorf (Bernsteinfigur), Landikon, Fildern und Ristet. Das mittelalterliche Dorf mit Meierhof, Taverne, Schmiede, Mühle und Martinskirche hat seinen Ursprung in einer frühmittelalterlichen Siedlung am Weg von Zürich nach Bremgarten (AG) bei den Flussübergängen über Reppisch und Wüeribach (Pfahlfunde auf ca. 610 datiert). 876 schenkte der Adlige Adalpern einen Teil seiner Grundherrschaft dem Zürcher Fraumünster. Weitere Zürcher Gotteshäuser, die Klöster St. Blasien (Schwarzwald), Muri und Engelberg sowie Zürcher Bürger teilten sich später in den Besitz von Birmensdorf. Der Fronhof Birmensdorf kam wahrscheinlich im 11. Jahrhundert von den Freiherren von Sellenbüren an das Kloster St. Blasien. Dieses arrondierte die Grundherrschaft und baute den Fronhof zum Verwaltungshof mit Twing und Bann aus. Der Hofverband umfasste Birmensdorf, Oberurdorf, die Widum Stallikon sowie Höfe im Limmattal und Knonaueramt (erste Offnung 1330er Jahre, erstes Urbar 1359). Die Grundherrschaft bestand nach der Reformation bis zur Aufhebung des Klosters 1808 weiter, kam dann an den Grossherzog von Baden und über die jüdische Handelsgesellschaft Moses und Hänlein Guggenheim 1812 an die Stadt Zürich. Im Zuge der Bildung der politischen Gemeinde 1834 wurde das Gerechtigkeitsgut der Dorfgenossen in die Holzkorporation Birmensdorf überführt. Birmensdorf wurde 1798 dem helvetischen Distrikt Mettmenstetten, 1803 dem Bezirk Horgen, 1815 dem Bezirk Zürich und 1989 dem Bezirk Dietikon eingegliedert.

Zur 1325 dem Kloster St. Blasien inkorporierten Kirche St. Martin gehörten ursprünglich auch die St. Georgenkirche Reppischtal, die Kapellen Aesch bei Birmensdorf und Islisberg. 1659 wurden Langhaus und Chor neu erbaut. Die Kirchgemeinde umfasst heute noch Birmensdorf und Aesch bei Birmensdorf Im 16. und 17. Jahrhundert war Birmensdorf ein Zentrum der Wiedertäufer. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts richteten die Dorfgenossen eine unentgeltliche Freischule ein, welche auch die Kinder von Aesch besuchten. Der Hauptverkehr durch Birmensdorf verlief ursprünglich von Zürich über Birmensdorf nach Bremgarten. Erst 1829 wurde als neue Verbindung die Strasse Zürich-Landikon-Knonaueramt gebaut, die 1856 durch die Strasse Zürich-Birmensdorf-Knonaueramt ersetzt und 1864 durch die Ämtlerbahn (Zürich-Zug) ergänzt wurde. Das in Birmensdorf im 18. und 19. Jahrhundert verbreitete Baumwollspinnen und -weben in Heimarbeit endete mit dem Bau der mechanischen Baumwollspinnerei und -zwirnerei Landikon 1862 sowie der Seiden- und Baumwollzwirnerei Uf Dorf 1868. 1889 gründete der Engländer C.H. Stearn in Birmensdorf die erste schweizerische Glühlampenfabrik, die Zurich Incandescent Lamp Co. Die Industrialisierung leitete die Entwicklung Birmensdorfs als Vorort von Zürich ein. 1940-1946 fand eine Melioration und Güterzusammenlegung statt. 1987 wurde der Waffenplatz Zürich nach Birmensdorf verlegt.

Quellen und Literatur

  • Birmensdorfer Beitr. zur Heimatkunde, 1970-
  • Urk. und Materialien zur Gesch. von Birmensdorf, 1987-
Von der Redaktion ergänzt
  • Grunder, Karl: Der Bezirk Dietikon, 1997, S. 49-97 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, 9).
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Reinhard Möhrle: "Birmensdorf (ZH, Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.09.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000160/2004-09-08/, konsultiert am 28.09.2022.