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Rapperswil (BE)

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Aarberg, Verwaltungskreis Seeland. Die weitläufige Gemeinde (18 km2) auf dem Rapperswiler Plateau mit Anteil am Lyssbachtal umfasst das Dorf Rapperswil, die Weiler und ehemaligen Ortsgemeinden Bittwil, Dieterswil, Frauchwil, Moosaffoltern, Seewil, Wierezwil, Zimlisberg, die Weiler Lätti und Vogelsang sowie Einzelhöfe, und zudem seit 2013 Ruppoldsried sowie seit 2016 Bangerten. 1241 Raverswiler. 1764 727 Einwohner; 1850 1987; 1900 1681; 1950 1743; 2000 1990.

Römische Siedlungsfunde (eventuell Gutshof) am Platz der Kirche, im Unteren Leenwald (Mauerfundament), in Moosaffoltern (Münzen) und in Holzhäusern (Ziegelfragment). Unbestimmte Grabhügel (Äckenberg, Bittwil). Hochmittelalterliche Erdwerke am Hohschwerzibach (sogenannte Burg) und im Zambergwald. Der vermutlich ehemals zähringische, dann kyburgische Grundbesitz wurde mit den Gerichten ab 1262 stückweise an die Abtei Frienisberg und – wie auch die Höfe und Gerichte der übrigen Herren – an andere Klöster veräussert. So gehörten die Niedergerichte Rapperswil und Wierezwil zu Frienisberg, Seewil und Moosaffoltern zu Münchenbuchsee, Bittwil zu Fraubrunnen und Frauchwil zum Chorherrenstift St. Vinzenz in Bern. Dieterswil-Zimlisberg-Zuzwil bildeten ein Freigericht. Nach 1528 erfolgte die Zuteilung dieser Gerichte zu fünf verschiedenen bernischen (Vogtei-)Verwaltungen. Hochgerichtlich unterstanden alle dem kyburgischen, ab 1406 bernischen Landgericht Zollikofen. 1798 wurden die Gerichte der Kirchgemeinde Rapperswil im Distrikt Zollikofen, 1803 im Oberamt Aarberg vereint. 1241 wird erstmals ein Geistlicher erwähnt. Die ebenfalls Kyburg gehörende Kirche kam 1263 an Frienisberg, wurde 1329 inkorporiert und gelangte nach 1528 an Bern. Sie wurde 1860-1862 durch einen Neubau ersetzt. Das Pfarrhaus steht auf einer mittelalterlichen Freistätte. Zur Kirchgemeinde Rapperswil gehört seit 1940 auch Bangerten. Die ehemaligen Zelgdörfer waren nach dem Bau der Strasse Bern-Büren (1849-1852) durch Postwagenkurse besser erschlossen, trotzdem verzeichneten sie 1850-1940 einen Bevölkerungsrückgang. Grund dafür war die Umstrukturierung der Landwirtschaft: Der Ackerbau in den Zelgen wurde aufgehoben, die Vieh- und Milchwirtschaft intensiviert und die Betriebe mechanisiert. Seit 1838 besteht eine Käserei. Die 1953-1985 dorfweise durchgeführten Güterzusammenlegungen sicherten die starke Stellung der Landwirtschaft. 2005 stellte der 1. Sektor noch 27% der Arbeitsplätze. Beschäftigung boten ausserdem die Industrie (Ziegelei) und das Kleingewerbe. 1864 erhielt Rapperswil in Schüpfen einen Anschluss an die Eisenbahnlinie Bern-Biel, doch brachte erst die Autobahn mit der Ausfahrt Lätti 1983 Neuzuzüger und führte zu Bautätigkeit in der Gemeinde, vor allem in Rapperswil, Dieterswil und Lätti, wo eine Wohn- und Gewerbezone entstand. 1969 wurden die alten Ortsgemeinden aufgelöst und die Verwaltung zentralisiert, wobei die Schulbezirke Rapperswil, Bittwil-Zimlisberg, Dieterswil, Moosaffoltern und Seewil eine Restautonomie behielten. In Rapperswil befindet sich die 1903 eröffnete Sekundarschule.

Quellen und Literatur

  • G. Appenzeller, Die Kirchgem. Rapperswil (Kt. Bern), 1911
  • M. Flückiger, Das Plateau von Rapperswil, 1971
  • R. Scherer, Rapperswilerplateau-Bucheggberg, Liz. Bern 1983
  • R., 1991
  • Z. Caviezel, M. Schindler, Bauinventar der Gem. Rapperswil, 2004
Von der Redaktion ergänzt

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Rapperswil (BE)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.09.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000181/2016-09-16/, konsultiert am 15.07.2024.