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Rohrbach

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Aarwangen, Verwaltungskreis Oberaargau, die aus dem Dorf Rohrbach sowie verschiedenen Weilern (u.a. Boden, Brand, Kasern, Sossau) und Einzelhöfen besteht. 795 Roorbah. 1764 714 Einwohner; 1850 1704; 1900 1507; 1950 1630; 2000 1364.

Mittelalterliche Burgstelle Altburg an der Grenze zu Madiswil. 795 schenkte Heribold der Kirche Rohrbach seine Güter in Madiswil. Im 9. Jahrhundert erhielt das Kloster St. Gallen Güterschenkungen im Raum Rohrbach. Von seinem Kelnhof Rohrbach aus liess es durch den Kelner seinen Oberaargauer Besitz verwalten. Ein Meier stand dem Niedergericht vor. Durch königliche Immunitätsverleihung waren die Gotteshausleute der Grafengewalt weitgehend entzogen und unterstanden dem hohen Gericht des Klostervogts. Anfang des 14. Jahrhunderts waren Vogtei und Niedergericht zusammen in der Hand der einheimischen Freiherren von Rüti, 1314-1370 der von Signau und ab 1371 der von Grünenberg, die Rohrbach in ihre eigene Herrschaft integrierten. Durch Heirat kam Rohrbach an Hermann von Eptingen. Als österreichischer Parteigänger verlor er die Herrschaft im Zürichkrieg an Bern, das seiner Frau den Besitz 1449 restituierte. 1504 kaufte Bern Vogtei und Meieramt mit hohen und niedern Gerichten von den Erben, den von Luternau. 1505 am Landtag zu Rohrbach der bernischen Landvogtei Wangen unterstellt, bewahrte der Ort seine Sonderrechte; unter anderem war das Dorf von obrigkeitlichen Fuhrdiensten befreit (um 1540 bezeugt), und im Kriegsfall marschierte seine Mannschaft unter dem bernischen Stadtbanner. 1798 kam Rohrbach zum helvetischen Distrikt Langenthal, 1803 zum Oberamt bzw. Amtsbezirk Aarwangen. Die 795 erwähnte Martinskirche (heutiger Bau von 1738) gehörte dem Kloster St. Gallen. 1345 verkaufte dieses den Kirchensatz den Johannitern in Thunstetten, von denen er 1528 an Bern überging. Die Kirchgemeinde Rohrbach, die auf eine Urpfarrei unbekannter Ausdehnung zurückgeht, umfasst ferner Auswil, Kleindietwil, Leimiswil und Rohrbachgraben; zu ihr zählte bis 1885 auch Oeschenbach. Der traditionelle Ackerbau wurde im 18. Jahrhundert durch Heimweberei ergänzt. Die 1889 eröffnete Langenthal-Huttwil-Wolhusen-Bahn förderte die Ansiedlung industrieller Betriebe: 1877 Furnierwerk (heute Holzhandel), Kunststoffverarbeitung, Fahrzeugbau, Textilunternehmen. Sie erleichterte auch die Arbeitssuche auswärts, vor allem in Langenthal. Um 1980 entstand das Neuquartier Riedmatt. Rohrbach gehört zum Sekundarschulverband Kleindietwil. 2005 stellte der 2. Sektor gut 56% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.

Quellen und Literatur

  • K. Geiser, Rohrbach, 1925
  • H. Würgler, «Rohrbach und das Kloster St. Gallen», in Jb. des Oberaargaus 5, 1962, 80-97
  • K.H. Flatt, Die Errichtung der bern. Landeshoheit über den Oberaargau, 1969
  • A.-M. Dubler, «Die Region Oberaargau», in Jb. des Oberaargaus 44, 2001, 74-139
  • H. Schneeberger, Bauinventar der Gem. Rohrbach, 2003
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Rohrbach", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 23.11.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000201/2010-11-23/, konsultiert am 01.12.2022.