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Büren an der Aare

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Büren. Die Gemeinde umfasst das Städtchen Büren am rechten Aareufer, die ehemals bäuerlichen Vorstadtquartiere Scheuren, Gummen und Oberbüren, die Neuquartiere Rütifeld, Ziegelei (Gewerbezone) sowie Einzelhöfe, ferner links der Aare das 1911 eingemeindete Reiben. 1185 Buirro, 1236 Buron. Bezirkshauptort, Marktort und ehemaliger Umschlagplatz an der alten Landstrasse mit der einzigen historischen Aarebrücke zwischen Aarberg und Solothurn. Anlegestelle für die Aareschifffahrt. Der Nidau-Büren-Kanal durchzieht die Gemeinde von West nach Ost und schneidet eine Schleife der Alten Aare mit dem Naturreservat Häftli gegen Süden ab. 1764 579 Einwohner; 1850 1419; 1900 1963; 1950 2171; 2000 3077.

Das Städtchen Mitte des 18. Jahrhunderts. Radierung aus David Herrlibergers Werk Neue und vollständige Topographie der Eydgnoßschaft, 1754 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
Das Städtchen Mitte des 18. Jahrhunderts. Radierung aus David Herrlibergers Werk Neue und vollständige Topographie der Eydgnoßschaft, 1754 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).

Einzelfunde stammen aus dem Neolithikum (Witmatt, Kanal) und der Latènezeit (Kanal, Grab an der Solothurnstrasse). Römische Funde an der Strasse Aventicum-Salodurum: Strassenstück, Meilenstein im Bürenmoos, Wasserleitung am Burgweg, vermutlich Gutshof auf Kirchmatt. Auf dem Schlosshubel stand die hochmittelalterliche Burg Strassberg der Freiherren von Strassberg. Die Siedlung Büren unterhalb der Burg, im Engpass zwischen Städtiberg und Aare, erhielt unter Berchtold I. von Strassberg 1260 das Stadtrecht, 1288 bestätigt als Handfeste nach Freiburger Vorbild (nur deutsche Übersetzung von 1375 überliefert). Als Mittelpunkt der Herrschaft Strassberg machte Büren im 13.-14. Jahrhundert nach dem Aussterben der Freiherren die Wechselfälle unter den Grafen von Neuenburg (Linien Nidau und Strassberg) mit. Geldnöte zwangen Imer von Strassberg 1345 zu Verpfändungen, unter anderem an Solothurn, das 1369 auch den Zoll in Büren erwarb. 1375 belagerte Enguerrand de Coucy die Stadt, die nach Imers Tod an die Grafen von Kyburg übergegangen war. 1381 an Österreich verkauft, wurde Büren von Bern im Sempacherkrieg erstmals belagert, 1388 erobert und einer bernisch-solothurnischen Verwaltung unterstellt. Nach Aufteilung der Interessen kam Büren 1393 an Bern und wurde Hauptort der Landvogtei Büren mit dem 1620-1625 an der Hauptgasse erbauten Schloss als Amtssitz (heute Regierungsstatthalteramt).

Kirche und Pfarrhaus von Büren. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel, 1824 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Sammlung Gugelmann).
Kirche und Pfarrhaus von Büren. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel, 1824 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Sammlung Gugelmann).

Die vom dritten Viertel des 13. Jahrhunderts (Chor) bis ins 15. Jahrhundert erbaute und um 1500 erneuerte Kirche St. Katharina in Büren war eine Stiftung der Herrschaft Strassberg und eine Filiale der Kirche Oberwil bei Büren. Sie wurde vermutlich im Lauf des 14. Jahrhunderts, jedenfalls vor 1375 (Regelung der Leutpriesterwahl in der Handfeste ohne Nennung Oberwils) selbstständig. Ihr Kirchensatz kam an Bern. Die im 15. Jahrhundert bekannte, 1302 erstmals erwähnte Wallfahrtskapelle Oberbüren (Marienpatrozinium) gehörte dem Kloster Erlach und wurde von dessen Mönchen betreut. Nach der Reformation wurde sie abgebrochen. Zur städtischen Infrastruktur gehörten das im 15.-16. Jahrhundert erbaute Rathaus (heute Gemeindeverwaltung) mit einer Markthalle im Erdgeschoss, das aus dem 16. Jahrhundert stammende Spital und die Stadtschule. Dem Stadtrat stand ein 1254 erstmals erwähnter Schultheiss vor; unter Bern bekleidete der amtierende Landvogt dieses Amt. Das älteste Stadtsiegel datiert von 1273. Der Markt, in der Handfeste erwähnt, gehörte 1478 zu den privilegierten bernischen Märkten mit Salz-, Eisen-, Stahl-, Woll- und Leinwandhandel. Umschlagplatz und Schiffsanlegestelle beschäftigten Fuhr-, Schiff- und Gastgewerbe. Neben die vier Jahrmärkte trat 1481 ein Wochenmarkt. 1493 übergab Bern der Stadt den 1284 erstmals erwähnten Aarezoll zum Unterhalt der Brücke. Die Stadtwirtschaft basierte auf Handwerk und Landwirtschaft (Ackerbau, Viehwirtschaft). Die Allmend im Schwemmgebiet der Aare und die Hölzer am Städtiberg und im Eichwald gehörten der Herrschaft, die Gemeinde hatte verbriefte Nutzungsrechte. Erst im 19.-20. Jahrhundert wurden sie Eigentum der Gemeinde bzw. der Burgergemeinde (1862). Vom 15. Jahrhundert an betrieb Büren die Alpen mit Käserei auf dem Bürenberg (La Vallière/Falleren und La Calmutte, Gemeinde Romont BE) als Lehen des Fürstbischofs von Basel, seit dem 19. Jahrhundert im Besitz der Burgergemeinde. Die heute stillgelegte Ziegelei ist 1630 erstmals erwähnt. Die Stadtbevölkerung mit einem üblichen Hintersassenanteil von 17% (1764) war vergleichsweise begütert. 1798 litt Büren unter dem Franzoseneinfall und wurde Hauptort des helvetischen Distrikts (1803 Oberamt) Büren.

Im 19. Jahrhundert büsste die Stadt ihre gute Verkehrslage ein: Keine wichtige Eisenbahnlinie (Basel-Biel-Bern, Olten-Biel) tangiert sie; der Schiffstransport hat an Bedeutung verloren. Erst 1876 verband eine regionale Linie Büren mit Lyss und Solothurn. Deshalb blieb die industrielle Entwicklung der kleingewerblich geprägten Stadt bescheiden: Uhrenfabriken wurden inzwischen aufgegeben; neben eine Zahnrad- und Apparatefabrik (1946) und eine Grossmetzgerei (1945) sind neu ein Eloxierwerk und Elektronikunternehmen getreten. Die Ersparniskasse (1833) und die Spar- und Leihkasse (1858) fusionierten 1913 (seit 1998 Teil der UBS). Der Nidau-Büren-Kanal, 1868-1875 erstellt, befreite Büren von der schweren Last der Flusswehr im Kampf gegen die periodischen Aareüberschwemmungen. Ackerbau, seit den 1940er Jahren vor allem der Anbau von Zuckerrüben, und Viehwirtschaft (1856 Käsereigründung) sind wichtig geblieben. Im Zweiten Weltkrieg war Büren Standort des grössten Flüchtlingslagers der Schweiz. Seit den 1950er Jahren nimmt der Wohnungsbau in den Aussenquartieren zu. Neuerdings gewinnt der Schiffstourismus an Bedeutung. Die Holzbrücke von 1821 wurde nach einem Brand 1991 erneuert. An regionalen Aufgaben obliegen Büren an der Aare heute ausser der Bezirksverwaltung das Forstamt, die Sekundarschule und die Fürsorge (Altersheim, ambulante Krankenpflege).

Quellen und Literatur

  • G. Wenger, Die Wälder der Burgergem. Büren, 1944
  • J. Schmucki, Die Stadtkirche von Büren an der Aare, 1970
  • M. Moser et al., Die Stadt Büren und ihre Wappen, 1973
  • M. Gribi, Büren an der Aare, 1988
  • H. Kocher-Aeschbacher, Die Gesch. der Uhrmacherei in Büren, 1991
  • M. Stampfli, Das Janusgesicht der Agrarmodernisierung, 1991
  • J. Stadelmann, S. Krause, "Concentrationslager" Büren an der Aare 1940-46, 1999
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Büren an der Aare", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 17.03.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000226/2011-03-17/, konsultiert am 27.11.2022.