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Krauchthal

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Burgdorf. Die Gemeinde besteht aus den Vierteln Dorf Krauchthal (1108-1122 Crouchtal, 1181-1182 Crochtal), Hettiswil und Hub im Tal sowie Dieterswald und Thorberg in Hügellage. 1764 877 Einwohner; 1850 2285; 1900 2122; 1950 1814; 2000 2480.

Neolithische Silices (Mooshubel, Buech) und römische Funde, darunter Siedlungsreste (Holzpfostenbau) auf Thorberg sowie Reste eines Gutshofs an der nördlichen Talflanke. In Sichtweite voneinander liegen die hochmittelalterlichen Burgstellen Thorberg und Liebefels-Sodfluh und die hochmittelalterliche Wehranlage Tannstigli. Nur für Thorberg stehen die Inhaber fest, die 1175-1400 erwähnten Herren von Thorberg. Während vom hochmittelalterlichen Cluniazenserpriorat Hettiswil Reste des romanischen Kirchenfundaments erhalten sind, fehlen diese bei der mittelalterlichen Kapelle auf dem Sandhubel (1560 erwähnt). Im Lindental befinden sich mittelalterliche Felswohnungen, die seit dem 16. Jahrhundert ständig bewohnt sind. Hettiswil kam mit Gütern und Niedergericht an das 1107 gestiftete Priorat. Als Teil des ab 1406 bernischen Landgerichts Zollikofen unterstand es dem Freiweibel in Hindelbank, hochgerichtlich der Stadt Bern. Der Widemhof der Kirche Krauchthal gehörte als Reichslehen den Rittern von Egerdon, ab 1299 mit weiteren Gütern und dem Niedergericht Krauchthal den Herren von Thorberg, den grössten Grundbesitzern am Ort. 1397 überliessen sie den gesamten Besitz der Kartause auf Thorberg. Das heutige Gemeindegebiet war grösstenteils unter die beiden Klöster Hettiswil und Thorberg aufgeteilt, bis diese in der Reformation aufgehoben wurden. Es wurde nach 1528 vom bernischen Landvogt auf Thorberg verwaltet. Kirchensatz und -vogtei der 1270 erwähnten Kirche Krauchthal (Mauritiuspatrozinium) gehörten dem Reich. Als Reichslehen waren sie vor 1270 in der Hand der Ritter von Egerdon, die sie den Johannitern in Münchenbuchsee vergabten. 1299 kamen sie an die Herren von Thorberg (ab 1371 als Eigen) und 1397 an die Kartause (nach 1528 bei Bern). Hettiswil wurde nach der Säkularisation des Priorats (1528) der Kirchgemeinde Krauchthal zugeteilt.

Hettiswil, Krauchthal und Hub waren genossenschaftlich organisierte mittelalterlichen Zelgdörfer, deren Bauern in den Herrschaftswäldern Weide- und Holznutzungsrechte hatten (Twingrecht 1470). Gemeinsam rodeten die Bauern von Krauchthal und Hub vor 1550 Wald am Längenberg und verteilten das Land unter ihren Höfen. Ein bernischer Schaffner verwaltete das säkularisierte Klostergut bis zum Verkauf an die Bauern 1534 und 1560. 1803 wurde die Kirchgemeinde Krauchthal dem Oberamt Burgdorf zugewiesen. Seit 1833 ist sie auch Einwohnergemeinde. Aus Staatsbesitz erwarben Krauchthal und Hettiswil im 19. Jahrhundert je die ehemaligen Herrschaftswälder. Teils sind sie privatisiert (1819-1850), teils werden sie als Burgergut genutzt, das von der Einwohnergemeinde verwaltet wird. Die erste Käserei wurde vor 1848 eröffnet, was darauf hindeutet, dass die Milchwirtschaft damals bereits verbreitet war. 1855-1863 entsumpfte die Gemeinde das Moos im Tal (z.T. Allmend). Die 1980 begonnene Güterzusammenlegung wurde 1999 abgeschlossen. Ausser der in Hügellage dominierenden Landwirtschaft, dem Gartenbau und Gewerbe bieten auch die Strafanstalt Thorberg und ein Sandsteinbruch Arbeitsplätze. Vor allem in den Dörfern Krauchthal und Hettiswil entstanden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Neubauquartiere.

Quellen und Literatur

  • Krauchthal: Ein Heimatbuch, 5 Bde., 1971-99
  • I. Meili-Rigert, Bauinventar der Gem. Krauchthal, 2005
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Krauchthal", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30.10.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000251/2008-10-30/, konsultiert am 10.12.2022.