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Ins

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Erlach. Dorf am südlichen Ausläufer des Schaltenrains über dem Grossen Moos, mit Einzelhöfen und der Siedlung Witzwil im Moos, im Süden an den Neuenburgersee und den Broyekanal grenzend. 1009 Anestre, 1179 Anes, französisch Anet. 1700 740 Einwohner; 1730 864; 1764 723; 1798 853; 1818 1041; 1850 1378; 1900 1537; 1950 2233; 2000 2947.

Vorrömische Zeit

Auf dem westlichen Teil des zwischen dem Grossen Moos und dem Bielersee gelegenen langgestreckten, heute bewaldeten Höhenzuges Schaltenrain fanden sich, aufgereiht auf einer Distanz von 2 km, einzelne eisenzeitliche Grabhügel und Hügelgruppen. Die mindestens vier Fundstellen haben in der älteren Literatur verschiedene, zum Teil gleichlautende Benennungen erfahren, was zu Identifizierungsproblemen führte. Die Fundstellen von West nach Ost: 1. Riederen, Holzmatt oder Einungswald (mindestens vier Hügel), 2. Sunnenrain, Grossholz, Schaltenrain oder Sieben Wege (mindestens zehn Hügel), 3. Grossholz oder Leuplatz (mindestens zwei Hügel), 4. unmittelbar östlich anschliessend in der Gemeinde Brüttelen Schaltenrain oder Grossholz (mindestens ein Hügel). Ausgrabungen fanden statt unter der Leitung von Gustav von Bonstetten 1848 (Funde im Bernischen Historischen Museum), von Emanuel F. Müller 1849 und von Jakob Heierli 1908-1909 (Funde im Museum Schwab, Biel). Der ungewöhnlich grosse und reiche Fundbestand ist heute nur noch in Einzelfällen und mit Vorbehalten einem bestimmten Hügel oder Grabinventar zuzuweisen.

Von Bonstettens Grabungen (vermutlich im Sunnenrain) förderten mindestens zehn zum Teil in einer Linie aufgereihte Hügel (Höhe 1,8-4,5 m) zu Tage. Der Hügel VI enthielt angeblich zwei Wagengräber (hallstattzeitlich, 7. Jh. v.Chr.). Zuunterst in einem mächtigen Steinkern befanden sich metallene Bestandteile von Wagenrädern und des Wagenkastens, während sämtliche Holzteile bis auf einige Speichenfragmente im Boden zerfallen waren. Neben einem nietenbeschlagenen Lederbesatz vom Zugjoch, Lederteilen und Trensenfragmenten des Pferdegeschirrs fand sich auch eine kleine Anhängerkugel aus Goldblech von 1,4 cm Durchmesser mit qualitativ hochstehender Granulationsarbeit, wie sie sonst nur aus etruskischen Gräbern bekannt ist. Auch die verwendeten Lotusmotive und der diagonale Flächenmäander verweisen auf die italische Halbinsel. Zur Kugel gehört eine Fuchsschwanzkette aus Golddraht (Länge 38,8 cm). Weitere Funde: ein halbmondförmiges Rasiermesser und in höherer Lage Überreste von vier Rädern eines weiteren Wagens sowie ein schlanker Dolch mit eiserner Klinge und bronzener Blechscheide.

Der Hügel VIII enthielt folgendes Ensemble, angeblich zwischen zwei aufrecht stehenden Wagenrädern: unter anderem einen konischen Bronzekessel (Situla); zwei punzverzierte Goldblechkalotten mit umgebördeltem Rand (Überzüge von Trinkgefässen aus Holz?) mit Parallelen im süddeutschen Raum; 17 kleine Goldfolien (Perlencollier oder Kleiderbesatz?); einen goldenen Ohrring. In Hügel III fanden sich Körpergräber mit typischem Frauenschmuck der Späthallstattzeit (7./6. Jh. v.Chr.).

Die Grabungen Müllers 1849 und Heierlis 1908-1909 in mehreren Grabhügeln unbekannter Lokalisierung förderten erneut Wagenteile sowie Schmuckstücke aus Glas, Bernstein, Lignit, Gold und Bronze zutage; unter anderem zahlreichen Armschmuck und verschiedene Typen von Gewandhaften der Hallstattzeit. Bemerkenswert ist ein kurzes Eisenschwert mit bronzener Scheide und geflügeltem, durchbrochenem Ortband aus dem Beginn der Frühlatènezeit (5. Jh. v.Chr.).

Die Fundumstände wurden nicht dokumentiert. Die zu den Gräbern gehörenden Wohnstätten sind bis jetzt unbekannt. Der für das schweizerische Mittelland ungewöhnlich reiche Goldschmuck und die im Totenbrauchtum verwendeten Zeremonialwagen verweisen auf eine vermögende Oberschicht mit lokalem Herrschaftsbereich und Fernbeziehungen zu den Hochkulturen des Mittelmeerraums.

Römische Zeit bis heute

Funde weisen auf ein breites römisches Siedlungsband vom Moos bis hinauf ins ehemalige Rebgelände hin, ferner auf die römische Strasse durchs Moos (Mauriweg, Heidenweg, Lindenhof). Auf Gemeindegebiet liegt die auch Hasenburg genannte Burg Fenis, Stammsitz der gleichnamigen Grafen. Im Spätmittelalter wurde Ins als Teil der Herrschaft Erlach in die Konflikte ihrer Inhaber, der Grafen von Neuenburg-Nidau, hineingezogen: 1375 lag eine Abteilung des Heers von Enguerrand de Coucy im Winterquartier, bevor es von den Seeländern in Ins überfallen wurde. In den Burgunderkriegen kam der Ort als Eroberung unter Berns Herrschaft. In der neuen Landvogtei Erlach blieb Ins Zentrum (1385 dingstat) des Landgerichts für die Kirchspiele Ins, Vinelz, Gampelen und Siselen. Die ehemalige Marienkirche (1228 erwähnt, romanischer Bau, Umbauten im 16. und 17. Jh.), 1453 als Filiale von Gampelen bezeichnet, liegt unweit eines frühmittelalterlichen Gräberfeldes. Zwei Kapellen waren St. Theodul (St. Jodel) bzw. St. Niklaus geweiht. Der Kirchensatz kam mit der Herrschaft Erlach 1474 an Bern. Dieses inkorporierte die Kirche mit der ihr damals unterstellten "Kapelle" Gampelen 1485 dem Stift St. Vinzenz in Bern; die Reformation beendete diese Abhängigkeiten.

Das grosse Reb- und Ackerbauerndorf lag erhöht über dem gemeinsam mit Nachbardörfern beweideten Moos, wo im 18. bis 20. Jahrhundert auch Torf gestochen wurde. Seine alte Zentrumsrolle zeigt sich noch im steinernen Rathaus im Oberdorf (Tagungsort des Niedergerichts, 1848 abgebrannt), im Landgerichtsplatz mit dem steinernen "Landstuhl" für den Landvogt und Bänken für das Gericht, der Zehntscheune (1680 erbaut), den Patrizier-Rebhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts (Schlössli, Lilienhof, Altes Spital, Wagnerhaus) und den um verschiedene Plätze gruppierten stattlichen Bauernhäusern. Im Ort kreuzen sich die Land- bzw. Kantonsstrassen Bern-Neuenburg und Biel-Murten. Die Mai- und Oktober-Jahrmärkte zur Vermarktung von Schlachtvieh kamen im 19. Jahrhundert auf, in einer Zeit, da sich auch Milchwirtschaft und Obstbau ausdehnten (1859 Käsereigenossenschaft, 1836-1868 Bierbrauerei, Brennereien). Nach 1900 nahm der Rebbau allmählich ab. Die Juragewässerkorrektion ab 1873 setzte mit dem Bau des Broyekanals die Urbarisierung des Grossen Mooses in Gang. Sie öffnete Ins dem Gemüse- und Zuckerrübenbau und regte die gewerbliche Entwicklung an (1883 Amtsersparniskasse Erlach, heute UBS), um 1900 Landwirtschaftliche Genossenschaft (heute Teil der Fenaco). Im ehemaligen Moos entstand die Siedlung Witzwil, seit 1891 Staatsdomäne und kantonale Strafanstalt. Der Anschluss an die Bahnlinien Bern-Neuenburg (1901) und Biel-Täuffelen-Ins (1917 Kopfstation) erleichterte den Versand der Agrarprodukte, die heute mehrheitlich auf der Strasse ausgeführt werden. Die Gemeinde hat sich zum agrarischen Zentrum des bernischen Seelands entwickelt (Obst- und Gemüsezentrale), daneben bestehen Kleingewerbe und Industrie (Küchenbau). Gesamtmelioration und Güterzusammenlegung erfolgten 1970-1985. Mit dem kontinuierlichen Bevölkerungswachstum ist auch der Dorfraum gewachsen, sodass Dorf und Bahnhof auf offenem Feld heute zusammenhängen. Das schulische Angebot umfasst eine Sekundarschule (1868), eine Heimschule, das Sozialpädagogische Seminar Schlössli (1953) und ein Landwirtschaftliches Bildungs- und Beratungszentrum (1973). Die römisch-katholische Pfarrei Ins (Kirche in Ins seit 1963) umfasst die Gemeinden des Amtsbezirks Erlach und einige Gemeinden am Bielersee. Kultureller Anziehungspunkt ist das Wohnhaus und Atelier des Malers Albert Anker.

Quellen und Literatur

Vorrömische Zeit
  • G. de Bonstetten, Notice sur les tombelles d'Anet (Canton de Berne), 1849
  • W. Drack, «Ältere Eisenzeit der Schweiz, Kt. Bern, 1. Teil», in Materialhefte zur Ur- und Frühgesch. der Schweiz, H. 1, 1958, 7-20
  • Gold der Helvetier, hg. von A. Furger, F. Müller, Ausstellungskat. Zürich, Lugano, Genf, 1991, 59-69
Römische Zeit bis heute
  • H.-R. Egli, Die Herrschaft Erlach, 1983
  • P. Bannwart et al., Bauinventar der Gem. Ins, 1999
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Müller (Bern), Felix; Dubler, Anne-Marie: "Ins", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.03.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000285/2010-03-09/, konsultiert am 18.10.2021.