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Ligerz

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Nidau. Ligerz liegt am linken Bielerseeufer und umfasst neben dem Winzerdorf die Weiler Kleintwann (halb zu Twann gehörig) und Bipschal sowie auf der Terrasse am Jura Schernelz und Festi. 1236 Ligerce. Französisch Gléresse. 1764 306 Einwohner; 1850 458; 1900 419; 1950 541; 1980 433; 2000 490.

Das Dorf Ligerz mit der Kirche inmitten der Weinberge. Johann Grimm zugeschriebenes Aquarell, um 1740 (Musée d'art et d'histoire de La Neuveville; Fotografie Charles Ballif).
Das Dorf Ligerz mit der Kirche inmitten der Weinberge. Johann Grimm zugeschriebenes Aquarell, um 1740 (Musée d'art et d'histoire de La Neuveville; Fotografie Charles Ballif).

Neolithische Ufersiedlung westlich des Dorfes bei Schafis (Gemeinde La Neuveville), jedoch kaum bei Bipschal. Streufunde von der Bronzezeit (Dorf) bis zur Römerzeit (Bipschal, Eyholz, Dorf).

Im Mittelalter war Ligerz eine Freiherrschaft der Herren von Ligerz mit der 1236 erwähnten Stammburg über dem Dorf (sogenannte Festi), ein Lehen der Grafen von Nidau (1370). Der Herrschaft Ligerz gehörte das Nieder-, den Grafen von Nidau das Hochgericht. 1388 bzw. 1393 kam Ligerz mit Nidau unter Berns Hoheit. Einer Teilung der Herrschaft 1358 unter den Freiherren folgten Ende des 14. Jahrhunderts die Verpfändung an Biel, dann der Verkauf je einer Hälfte an die Bernburger von Büren und von Muleren, von denen dann die eine 1409 an Biel, die andere 1469 an Bern veräussert wurde. In gemeinsamer Verwaltung setzten die Städte den örtlichen Meier als Obmann des Gerichts ein. 1551 erwarb Bern auch die Hälfte Biels und unterstellte Ligerz dem Landvogt von Nidau. Alte Vorrechte (Markt, Fischerei, Ohmgeld) wurden 1553 bestätigt. Die Ligerzer, Eigenleute vor allem der Herrschaft und des Bischofs von Basel, kauften sich 1406 und 1485 von Eigenschaft, Steuern und Fronen los, waren nun aber als Ausburger Biel und Bern gegenüber leistungspflichtig. Die Pilgerkapelle über dem Dorf im Rebberg (1261 erwähnt) war eine Filiale der Kirche Diesse. 1434 erhielt sie Pfarreirechte (Heiliges Kreuz), wurde aber erst 1483 nach dem Kirchenbau (Umbau 1520-1526) von Diesse gelöst. Den Kirchensatz in Ligerz und Diesse besass die Abtei St. Johannsen (1528 an Bern). Die Annakapelle im Dorf (1516 erbaut) wurde 1528 Wohnhaus. 1876-1889 war Ligerz der Kirche Twann zugeteilt.

Am weiten Rebgelände waren ausser der Herrschaft noch andere Herren, ferner Klöster wie St. Johannsen in Erlach, Fraubrunnen, Thorberg, später auch Biel (Spital), Bern (nach 1528 auch als Erbe der Klöster) und Bernburger beteiligt. Das spätmittelalterliche Ligerz gliederte sich in Ober-, Mittel- und Unterdorf. Die jüngere Linie von Ligerz baute im Oberdorf um 1555 den sogenannten Hof (heute ein Rebbaumuseum). Im Unterdorf errichteten patrizische Rebbesitzer im 17. bis 18. Jahrhundert Herbstsitze (Stadthäuser), etwa die Familie von Wattenwyl und Hortin. Die Bevölkerung war bis ins 18. Jahrhundert mehrheitlich französischsprachig, die Schule bis Ende 18. Jahrhundert zweisprachig (heute offiziell deutsch). Die Einwohner lebten von Rebbau, Fischerei, Viehwirtschaft und Gemüsebau. 1798 kam Ligerz zum Distrikt Seeland, ab 1803 zum Oberamt Nidau. Jahrhundertelang auf den Seeweg angewiesen, erhielt Ligerz erst mit der Bielerseestrasse (1835-1838) und der Bahnlinie Biel-Neuenburg (1858-1860) Landverbindungen. 1911-1912 wurde die Standseilbahn Ligerz-Tessenberg gebaut. Die Tunnelführung der Autobahn (1984-1991) bewahrte Ligerz vor extremen Uferverbauungen, zudem ist ein Eisenbahntunnel geplant. Erwerbszweige sind Weinbau und -handel, Tourismus, Fischerei und Kleingewerbe (Küferei).

Quellen und Literatur

  • P. Aeschbacher, Stadt und Landvogtei Nidau, 1929
  • B. Schnitter et al., Die Kulturlandschaft und das Ortsbild von Ligerz, 1976
  • A. Jaquemet, Ligerz, 2002
  • C. Kessler Loertscher, Bauinventar der Gem. Ligerz, 2002
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Ligerz", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.09.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000443/2009-09-03/, konsultiert am 01.12.2022.