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St. MargrethenSG

Politische Gemeinde des Kantons St. Gallen, Region Rheintal. St. Margrethen liegt zwischen der vom Appenzeller Vorderland absteigenden Hügellandschaft und dem Alten Rhein, der die Landesgrenze zu Österreich bildet. 1384 sant Margarethen. 1468 268 Einwohner; 1798 1011; 1850 1129; 1900 1944; 1910 3383; 1950 3571; 2000 5285.

Zu den frühgeschichtlichen Funden in St. Margrethen zählen ein jungsteinzeitliches Steinbeil und ein spätbronzezeitliches Griffzungenschwert. Auf dem Gemeindegebiet lag wohl der Flussübergang Ad Renum der Römerstrasse Bregenz-Arbon. Im Mittelalter bildeten St. Margrethen und Walzenhausen den linksrheinischen Teil des Reichshofs Höchst (808 Hostadio). Dieser gehörte zum Rheingau, als dessen Westgrenze 890 der Eichenbach (Töbelibach) nahe Rheineck bezeichnet wurde. Die Rechtsnachfolger der Rheingaugrafen – rechts des Rheins ab 1390 die Herzöge von Österreich, links des Rheins 1490-1798 die eidgenössischen Orte – übten die hoheitlichen Rechte aus. Niedergericht, Grundherrschaft und Kollatur unterstanden im ganzen Reichshof der Abtei St. Gallen, die das Gebiet mit zwei Burgen sicherte. Die 1271 errichtete Burg Heldsberg wurde 1405 von den Appenzellern zerstört. Burg Grimmenstein, vor 1254 erbaut, war mit dem Niedergericht ein Lehen der gleichnamigen Herren, ab 1315 der Freiherren von Enne. 1416 schleiften Konstanzer Bürger die Burg und 1418 erwarb die Stadt St. Gallen das Niedergericht. 1483 erlangte die Abtei wieder den vollen Besitz der Rechte, verlieh St. Margrethen eine Offnung und unterstellte den Hof (die Gemeinde) der Obervogtei Rosenberg. 1598 schieden St. Margrethen und die Appenzeller die gegenseitigen Allmendrechte aus und 1612 teilten St. Margrethen-Höchst und St. Johann-Höchst diese untereinander auf. Kirchlich war St. Margrethen eine Filiale von St. Johann-Höchst. Die Kirche St. Margaretha wurde im 10. Jahrhundert gebaut, 1384 erstmals erwähnt sowie 1406 als Pfarrei genannt und erweitert. Ab 1531 wurde sie paritätisch genutzt, seit 1874 dient sie als katholische Friedhofskirche. 1638 löste sich Walzenhausen von St. Margrethen und gründete eine eigene reformierte Kirchgemeinde. In St. Margrethen entstanden 1804 eine reformierte und 1910 eine katholische Kirche.

Das Dorf St. Margrethen entfaltete sich in der Rheinebene mit der typischen, lockeren Hofraumstruktur der Rheindörfer. Acker- und Obstbau, Fischerei, textile Heimproduktion, Sandsteinbrüche sowie Wasser- und Landspedition boten Arbeit. Die ab dem Spätmittelalter belegte Fähre zwischen St. Margrethen und Höchst wurde 1870 durch eine Brücke ersetzt. Die Rebgüter im Hügelgebiet gehörten bis ins 19. Jahrhundert Bündner und St. Galler Patriziern sowie dem Spital- und Schaffneramt der Stadt St. Gallen. Bauzeugen sind unter anderem die Schlösschen Vorburg (Neubau von 1602) und Bergsteig (1606) sowie der Brüggershof (1586), der im 17. und 18. Jahrhundert die Faktorei der Schollberger Schifffahrt beherbergte. Vom 16. Jahrhundert an wuchs die Hochwassergefahr, die durch den grossen Rheinmäander verstärkt wurde, aber St. Margrethen lehnte die ab 1792 projektierten Flusslaufverkürzungen ab. Erst 1900 beendete der Fussacher Durchstich die Gefährdung.

1831-2002 zählte St. Margrethen zum Bezirk Unterrheintal. Im 19. Jahrhundert förderten die 1825-1828 erbaute Staatsstrasse durch das Dorf St. Margrethen, der Anschluss ans Eisenbahnnetz 1858 und die Bahnverbindung nach Österreich 1872 die Entwicklung. Die Industrialisierung verlieh dem Ortsbild um den Bahnhof städtische Züge. Neben die bis 1920 dominierende Maschinenstickerei traten unter anderem die HIAG Holzindustrie AG (1876 gegründet), die Lackfabrik Fey & Cie. (1902), die Rheintalische Gasgesellschaft (1903-1969 Produktion), der Import und Markt von Bauholz und Schlachtvieh sowie Banken und Speditionsfirmen. 1938-1940 entstand die Grenzfestung Heldsberg, die 1993 in ein Festungsmuseum umgewandelt wurde. Dank der 1964 eröffneten Nationalstrasse A1/A13 und seiner Grenzlage erfuhr St. Margrethen einen Aufschwung, der sich in einem Bevölkerungswachstum (2010 Ausländeranteil von 44%) und der Ansiedlung von Unternehmen, unter anderem aus der Logistik- und Dienstleistungsbranche, niederschlug. Zudem öffnete 1974 das Einkaufszentrum Rheinpark seine Tore. 2010 war die 1944 gegründete Bauwerk Parkett AG der grösste Arbeitgeber der Gemeinde.

Quellen und Literatur

  • A. Scheyer, Gem. St. Margrethen, 1977
  • Das waren Zeiten, 2004

Zitiervorschlag

Markus Kaiser: "St. Margrethen (SG)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.08.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001337/2013-08-20/, konsultiert am 10.12.2022.