de fr it

Mumpf

Politische Gemeinde des Kantons Aargau, Bezirk Rheinfelden, die das zwischen Rhein und Juranordfuss gelegene gleichnamige Strassendorf an der Route Basel-Zürich sowie den Weiler Oberberg und den Hof Schönegg umfasst. 1218 Mumpher, 1278 Nider-Mumpfe. 1768 319 Einwohner; 1850 448; 1900 492; 1950 598; 2000 1084.

1991 wurde eine mittel- bis spätneolithisch befestigte Siedlung auf dem Kapf ausgegraben, die von einem mächtigen Graben umgeben und vermutlich mit Palisaden geschützt war. Es fanden sich Pfosten-, Brand- und Tonlagergruben, grössere Mengen an Grobkeramik und zahlreiche Steinwerkzeuge. Ausserdem existieren zahlreiche Einzelfunde aus der Stein- und Bronzezeit und eine eisenzeitliche Abfallgrube auf dem Rifeld. Unter dem Hotel Anker liegen die Fundamente eines befestigten römischen Kleinkastells aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts und unweit davon ein Soldatengrab aus derselben Zeit. Zwischen Mumpf und Stein (AG) fand sich ein Fragment eines Meilensteins aus der Zeit des Antoninus Pius (139 n.Chr.) mit Inschrift.

Das bis 1803 Nieder-Mumpf genannte Dorf stand zunächst unter der Landesherrschaft der Homburger. Im Habsburger Urbar wurde es unter dem Amt Säckingen aufgeführt, wobei Habsburg Inhaber der hohen Gerichte war. Unter österreichischer Herrschaft bildete Mumpf bis 1797 mit Wallbach zusammen eine Vogtei innerhalb der Landschaft Möhlinbach in der Kameralherrschaft Rheinfelden. Das Niedergericht lag ursprünglich beim Dinghof Stein des Klosters Säckingen, dann beim Kirchherrn zu Mumpf und ab 1463 bei der österreichischen Landesherrschaft. Von 1535 ist ein Dorfrecht überliefert. 1612 verabschiedete eine Landsgemeinde der Untertanen der hochrheinischen Landschaften in Mumpf eine Beschwerdeschrift über die stets steigenden Steuern und die fortschreitende Verarmung und schuf damit den Auftakt zum Rappenmasskrieg von 1612-1614. Im Dreissigjährigen Krieg wurde Mumpf mehrmals geplündert. 1803 gelangte Mumpf mit dem Fricktal an den Kanton Aargau.

Die 1441 erstmals erwähnte St. Martinskirche wurde 1541 umgebaut und erweitert. 1741 wurde der Chor erneuert, 1957 fand der bisher letzte Umbau statt. Die Kollaturrechte lagen bis 1802 bzw. bis zum Übergang an den Kanton Aargau 1803 beim Stift Säckingen, das in Mumpf bedeutender Grundherr war. Zur Pfarrei Mumpf gehörte bis 1938 auch Wallbach. Bis ins 19. Jahrhundert waren neben Getreidebau Fischerei und Flösserei die Haupterwerbsquellen in Mumpf. Dementsprechend war die Vogtei Mumpf und Wallbach gewichtiges Mitglied der Rheingenossen. Zwar besteht die seit dem Mittelalter betriebene Rheinfähre noch, doch hat sich der Verkehr auf die Landstrasse, die 1875 eröffnete Eisenbahn (mit Bahnhof) und die in den 1970er Jahren fertiggestellte Autobahn A3 verlagert. Ein Grossteil der Einwohnerinnen und Einwohner arbeitet in den Fricktaler Chemieunternehmen und in der Agglomeration Basel.

Quellen und Literatur

  • F. Jehle, Gesch. der Gem. Mumpf, 1971 (22005)
  • M. Hartmann, Die Römer im Aargau, 1985, 185 f.
  • Die Aargauer Gem., 1990, 382 f.
  • Aargauer Tbl., 14.6.1991
  • JbSGUF, 1992, 184
Von der Redaktion ergänzt
  • Hunziker, Edith; Hoegger, Peter: Der Bezirk Rheinfelden, 2011, S. 359-367 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, 9). 
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Dominik Sauerländer: "Mumpf", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.01.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001800/2009-01-21/, konsultiert am 06.10.2022.