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KreuzlingenGemeinde

Politische Gemeinde des Kantons Thurgau, Bezirk Kreuzlingen. Die an das deutsche Konstanz grenzende politische Gemeinde Kreuzlingen mit Bernrain, Egelshofen, Emmishofen und Kurzrickenbach entwickelte sich im 20. Jahrhundert zur Stadt. Munizipal- und Ortsgemeinde Egelshofen bildeten 1874 eine Einheitsgemeinde und änderten mit der gleichzeitigen Ernennung zum Bezirkshauptort (anstelle von Gottlieben) den Gemeindenamen in Kreuzlingen. 1927 schloss sich Kreuzlingen mit der ehemaligen Ortsgemeinde Kurzrickenbach und 1928 mit der ehemaligen Einheitsgemeinde Emmishofen zur Einheitsgemeinde Kreuzlingen zusammen. 1125 Crucelin und Eigoltshouen. Ehemalige Ortsgemeinde Egelshofen: 1831 661 Einwohner; 1870 1471; Einheitsgemeinde Kreuzlingen: 1880 2426 Einwohner; 1920 5740; 1930 8615; 1950 10'045; 1990 17'239; 2000 17'118.

Egelshofen gehörte im Frühmittelalter zur Konstanzer Bischofshöri und später zur Vogtei Eggen, in der im Spätmittelalter eine Richtstätte stand. Eggen war im 14. Jahrhundert an die Edlen von Klingenberg verpfändet und gelangte 1449 zur Hälfte an die Stadt Konstanz; die andere Hälfte erwarb Konstanz 1542 von Sebastian Muntprat. Als Inhaberin des thurgauischen Landgerichts schaffte Konstanz 1453 das Hochgericht ab. 1499 ging das Landgericht an die zehn am Malefiz beteiligten eidgenössischen Orte im Thurgau. Die niedergerichtlichen Rechte der Vogtei blieben bis 1798 bei Konstanz. Die Fischenzen, die Taverne in Egelshofen, das Hörnli, das Schloss Geissberg und einige Höfe gehörten bis 1798 zur niederen Gerichtsbarkeit des Stifts Kreuzlingen.

Bis 1125 gehörte Egelshofen zur Pfarrei St. Paul in Konstanz, danach war das neue Stift Kreuzlingen zuständig. Die Pfarrei wandte sich früh dem evangelischen Glauben zu, und der Prädikant predigte in der Stiftskirche. 1532 aber mussten die Reformierten auf diese verzichten und erhielten die Kirche St. Jodok in Konstanz zum Gebrauch. Als 1548 Konstanz zum katholischen Glauben zurückkehrte, untersagte dessen Magistrat den Reformierten den Zutritt zur Kirche. 1549 trat ihnen das Stift die Kapelle Kurzrickenbach ab und leistete jährlich 32 Gulden an die Pfarrbesoldung. Bis 1709 besorgte der Pfarrer von Scherzingen die Seelsorge, danach stellte die Gemeinde einen Pfarrer an. 1629 erhielten die Reformierten einen Friedhof in Egelshofen. Der Vierte Landfrieden (von 1712) erlaubte 1724 den Bau einer reformierten Kirche. Frauengemeinden wählten im 18. Jahrhundert in Egelshofen die Hebammen. In der Helvetik bestand die gewählte Munizipalität aus dem Altbürgermeister, dem Gemeindepfleger und ehemaligen Richtern. Der Ort Kreuzlingen zählte 1837 ausserhalb des Klosterbezirks nur 13 Häuser und gehörte zur Gemeinde Egelshofen. Die Dreizelgenwirtschaft prägte die Landnutzung; neben Ackerbau wurden auch Reb- und Obstbau sowie Viehzucht betrieben.

1833 erfolgte die Gründung des Lehrerseminars (Neubau 1972), 1835 einer landwirtschaftlichen Schule und 1857 der Heilanstalt Bellevue durch den Psychiater Ludwig Binswanger. 1871 und 1875 wurden die Bahnlinien Romanshorn-Konstanz und Konstanz-Schaffhausen eröffnet, 1911 die Linie Konstanz-Wil. Um 1880 setzte die Industrialisierung mit Schifflistickerei und einer Möbelfabrik ein. Um 1890 diversifizierte die Industrie in Schuh-, Seifen- und Trikotfabriken. 1900 beschäftigte die Schuhfabrik Kreuzlingen bereits über 240 Arbeiter, daneben besass Kreuzlingen Buchdruckereien, Banken, Handelsfirmen und eine Bonbonfabrik. 1905 folgte eine Kettenstichstickerei, 1907 eine Schürzen-, 1909 eine Schuh- (Raichle), 1910 eine Sitzmöbel- und 1915 eine Korsettfabrik. Im Laufe des 20. Jahrhunderts kamen pharmazeutische Fabriken, ein Betonwerk, Autogaragen, Banken, Kinos, Immobilien- und Sportartikelfirmen sowie Einkaufszentren dazu. Die wirtschaftliche Entwicklung liess die Bevölkerungszahl ansteigen; 1947 zählte Kreuzlingen erstmals über 10'000 Einwohner und wurde damit zur Stadt. Der 2. Sektor prägte die Beschäftigungsstruktur bis ins letzte Viertel des 20. Jahrhunderts (1920 62%, 1975 56%), seit Ende des Jahrhunderts dominiert der 3. Sektor (1998 knapp zwei Drittel). Die Grenzlage, die Bäder und die Eisbahn, aber auch die Schulen (1971 Eröffnung der Kantonsschule, Neubau 1997) bestimmen den Charakter von Kreuzlingen.

Quellen und Literatur

  • Kreuzlingen, hg. von M. Bürgi et al., 2001
  • Storie di Italiani nella Svizzera orientale hg. von R. Ferrarese, M. Schiavone, 2003
  • Tbl.: Ausg. für den Kt. Thurgau, 30.9.2004; 1.2.2007
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Variante(n)
Egelshofen (bis 1874)

Zitiervorschlag

Erich Trösch: "Kreuzlingen (Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.12.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001932/2008-12-04/, konsultiert am 30.11.2022.