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Logistik

Mehrdeutiger, auch in der Mathematik und Logik verwendeter Begriff, der in den franz. Wörterbüchern ab 1840 im militär. Sinn vorkommt. Früher wurde stattdessen der Ausdruck Strategie gebraucht, der die Militärstatistik, die Kriegskunst und die Kriegsschauplätze umfasste. Antoine-Henri Jomini betrachtete im Kapitel "La logistique ou l'art pratique de mouvoir les armées" seines Werkes "Précis de l'art de la guerre" (1838, dt. "Das Wesen der Kriegskunst" 1838) L., Strategie und Taktik als die drei Pfeiler der Kriegskunst, womit der Begriff seine moderne Bedeutung erhielt. Die auch als rückwärtiger Dienst oder Stabsdienst bezeichnete L. - bei den Römern hiess sie impedimenta - beinhaltet die Versorgung der Truppen mit Gütern und Dienstleistungen, die deren Unterhalt sichern und ihnen die Erfüllung ihres Auftrags ermöglichen. Dazu gehören Verpflegung, Treibstoffe, Schmiermittel, Munition, Kleidung, Sanität, Veterinärdienst, Instandhaltung, Reparaturwesen und Feldpost. Je nach Operationsplan oder beabsichtigter Kampfführung sind die benötigten Mittel in ausreichender Menge zur gewünschten Zeit an den richtigen Ort zu liefern oder von dort wegzubringen. Dies bedingt eine entsprechende Planung, Beschaffung, Lagerung, Verwaltung und Verfügbarkeit von Transportmitteln und Verkehrswegen. Seit den 1960er Jahren wird der Ausdruck sinngemäss auch in der Wirtschaft verwendet.

Die kantonalen Kontingente

In der alten Eidgenossenschaft beschränkte sich die L. auf ein Minimum, da die Soldaten einen Teil ihrer Ausrüstung selbst mitbrachten (Militärwesen). Vor einem Feldzug stellten die kant. Behörden Korn- und Salzvorräte bereit. Rückwärtige Dienste oder Versorgungstruppen gab es nicht, und oft waren nicht genügend Futter, Pferde und Transportmittel vorhanden. Die Truppen hatten zu wenig Verpflegung und Geld bei sich, so dass sie sich auf die Ressourcen der örtl. Bevölkerung stützen mussten und plünderten. Sie waren auf die Hilfe von Heerlieferanten und privaten Transportunternehmern angewiesen, die sich in erster Linie bereichern wollten, sie requirierten Transportmittel oder boten Zivilpersonen auf. 1797 schuf der Kt. Bern als Einziger ein Kriegskommissariat und stellte Fuhrparks, Transportmittel und Wechselstationen zur Verfügung, aber keine rückwärtigen Dienste. Beim Franzoseneinfall 1798 war dennoch der Nachschub für die 20'000 aufgebotenen Berner unzureichend.

Ab 1815 musste bei Truppenaufgeboten improvisiert werden. Zwar leitete ein eidg. Oberst das Oberkriegskommissariat, doch die rückwärtigen Dienste waren in Friedenszeiten nicht einsatzbereit und blieben den Kantonen unterstellt. Erschwerend wirkten sich zudem der Föderalismus und die gegenseitige Ablehnung einiger Kantone aus. Bei den Mobilmachungen 1870-71 traten gravierende Mängel zutage, obwohl jede Division über zwei Parkkompanien, ein Verpflegungsmagazin, ein Lazarett und eine Pferdekuranstalt verfügte. 1874 wurden die meisten militär. Kompetenzen dem Bund übertragen. Mit der Schaffung von Verwaltungstruppen, später Verpflegungs- oder Versorgungstruppen genannt, begann der Aufbau der L. auf der Stufe der Armee. Diese umfasste acht Verwaltungskompanien, 24 Parkkolonnen, 16 Trainbataillone, acht Feldlazarette und mehrere Bahnarbeiterdetachemente. Nach wie vor zählte man auf die Requisition von Pferden, Transportmitteln, Proviant, Futter und Unterkünften. Der Aufbau verlief langsam, zumal sich auch die Vereinheitlichung des Materials schwierig gestaltete.

Die beiden Weltkriege

1914 waren die Truppenkommandanten für die L. verantwortlich. Den Einheiten waren Sanitäter zugeteilt, den Truppenkörpern Trainformationen. Jede Infanteriebrigade, die nur mit Gewehren und einigen Maschinengewehren ausgerüstet war, besass 120 Pferdefuhrwerke, verteilt auf eine Kampfstaffel (Munition und sanitätsdienstl. Mittel), einen Küchentrain und einen Gepäcktrain. Jede Division verfügte über einen Divisionspark als mobiles Magazin und eine Sanitätsgruppe, die Armee über sechs Lazarette. Das Oberkriegskommissariat war bis 1996 eine Art militär. "Supermarkt" für alles ausser Munition.

1914 hatte der Generalstab, der mit der Requisition von 350 Motorfahrzeugen rechnete, keinen Treibstoff- und Ersatzteilvorrat angelegt. 1918 waren 2'000 Fahrzeuge im Einsatz, im Sept. 1939 18'000 (bei einem Treibstoffvorrat von 5'000 t) und 1945 34'000. 1918-61 stützte sich der Transport immer noch zu grossen Teilen auf die Bahn und das Pferd. Die Armee brachte ihre Lieferungen mittels Eisenbahn zum Umschlagplatz der Divisionen, von wo sie mit Pferdegespannen zu den Truppenkörpern gelangten. Während des 2. Weltkriegs wurde die logist. Infrastruktur des Réduit wegen der geringen Eisenbahn- und Strassendichte in diesem Gebiet dezentralisiert. Die "Kunden" mussten die benötigten Mittel selbst holen (Holprinzip) und wurden nur in Ausnahmefällen beliefert (Bringprinzip).

Wachsender logistischer Bedarf

Nach 1945 sollte im Kriegsfall der Grossteil der Armee im Mittelland kämpfen. Dies verlangte eine Reorganisation der L., die zu einem Bestandteil der Gesamtverteidigung (Armee, Zivilschutz, Kriegswirtschaft) wurde. Zum neuen System gehörten Nachschubbasen, welche die Basisversorgungsplätze (BVP) versorgten, die in den wahrscheinl. Operationsgebieten höchstens 20 km von den Kampfverbänden entfernt eingerichtet wurden. Bis zur Stufe Division galt das Bringprinzip, darunter das Holprinzip. In der Armee 61 (700'000 Mann) bildeten die Logistikverbände ein Drittel des Gesamtbestands. Mit der Zunahme von hoch entwickeltem Material gewann die Instandhaltung, die qualifiziertes Personal erforderte, an Bedeutung. Dieser Bereich, der Wartung, Reparatur und Ersatzteilbeschaffung umfasste, lag in der Zuständigkeit der Truppe, der Basis- und Fachwerkstätten.

Abgesehen von den mechanisierten Truppen und den Luftschutztruppen, die das Holprinzip anwandten, waren die Verbände der Armee 61 wenig mobil. Die L. richtete sich daher nach dem Bringprinzip und besass eine hohe Autonomie und ein dichtes Netz von BVP. Wegen der kurzen Vorwarnzeit vor Beginn einer Offensive der Warschauer-Pakt-Truppen war die L. auch in Friedenszeiten bereit. Es standen beträchtl. Vorräte zur Verfügung: 1978 650'000 t (1 t pro Soldat) in 5'500 Gebäuden oder unterird. Anlagen mit einer Gesamtlänge von fast 100 km sowie rund 50 unterird. Spitäler. 1969 entstand innerhalb der Gruppe für Generalstabsdienste die Untergruppe L., welcher der Territorialdienst zugeordnet war.

Mit der Armee 95, deren Bestand zunächst auf 400'000, später auf 350'000 Wehrmänner schrumpfte, verringerten sich die Lagervorräte und halbierte sich die Zahl der Versorgungsplätze. Dementsprechend waren für die Versorgung nach dem Holprinzip längere Wege zurückzulegen. Soweit möglich stammte die Verpflegung aus zivilen Quellen. Bei einer Mobilmachung mussten die Versorgungsplätze in den bestehenden zivilen und militär. Infrastrukturanlagen (Zeughäuser, Lager, Armeeparks) eingerichtet, die Munition direkt in den Munitionsdepots bezogen werden.

Die 2004 entstandene Armee XXI zählt 140'000 Aktive und 80'000 Reservisten. Eine der elf Einsatzbrigaden ist eine Logistikbrigade mit 13'000 Mann. Die Logistikbasis der Armee, die auf derselben Stufe steht wie Heer und Luftwaffe, umfasst die zivilen und militär. Logistikmittel des Verteidigungsdepartements (VBS). Die L. zeichnet sich durch hohe Flexibilität aus und wendet in einer vollständig mechanisierten Armee auf der strateg., operativen und takt. Ebene das Bringprinzip an. Die mit der Operationsplanung verknüpfte Logistikplanung zeigt, wann und wo ein Verband bestimmte Leistungen braucht.

Quellen und Literatur

  • W. Schaufelberger, Der Alte Schweizer und sein Krieg, 1952
  • A. Schenk, «Réflexions relatives à l'organisation et aux problèmes du soutien», in RMS, 1968, 205-232, 261-286
  • J. Kapoun, «Commandement logistique militaire», in RMS, 1980, 435-443, 522-534; 1981, 25-30
  • Generalstab 1-9