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PfäfersKloster

Ehemalige Benediktinerabtei in der politischen Gemeinde Pfäfers SG, Bistum Chur. Hauptpatronin: Maria. Die Umstände der Gründung des Klosters liegen im Dunkeln. Als Entstehungszeit werden die Jahre um 730/750 vermutet. Wahrscheinlich wurde Pfäfers materiell von der Familie der Zacconen/Viktoriden, personell von der Reichenau dotiert. Die Annahme einer Gründung durch Pirmin ist nicht haltbar. Erstmals ist die Abtei 762 an der Synode von Attigny bezeugt, an der Adalbert, abbas de Fabarias, teilnahm. 840 abba monasterii Fabariensis (Kopie 10. Jh.), 909 monasterio Fauariensi, 1288 Pfaevaers.

Der Evangelist Matthäus im Liber viventium, erstes Viertel des 9. Jahrhunderts (Stiftsarchiv St. Gallen, Cod. Fab. 1, S. 4-5; e-codices).
Der Evangelist Matthäus im Liber viventium, erstes Viertel des 9. Jahrhunderts (Stiftsarchiv St. Gallen, Cod. Fab. 1, S. 4-5; e-codices). […]

Das Kloster liegt auf einer schwer zugänglichen Geländeterrasse über dem Rheintal auf 820 m nahe der Verkehrswege zu den Bündner Pässen. Wegen seiner strategisch wichtigen Lage wurde es spätestens bei der Teilung von weltlicher und geistlicher Gewalt in Churrätien unter Karl dem Grossen Reichskloster. Ab dem 9. Jahrhundert liegen gesicherte Kenntnisse über die Klostergeschichte vor. Das Churrätische Reichsgutsurbar um 842 weist für Pfäfers umfangreichen, weit gestreuten Besitz aus. Dieser lag hauptsächlich im Sarganserland, in der Bündner Herrschaft, in der Surselva und im Raum vom Zürichsee bis Vorarlberg und Liechtenstein. Der übrige Grundbesitz erstreckte sich entlang der Handelsrouten bis Splügen, ins Bergell und in den Vinschgau. Nach dem 10. Jahrhundert erwarb Pfäfers auch Güter im Zürichbiet, im Aargau, in Weggis und Chiavenna. 861 verlieh Kaiser Ludwig II. dem Kloster die Gerichtsbarkeit über die Zinsleute.

Im 9. Jahrhundert erlebte die Abtei ihre erste Blüte. Sie entwickelte sich neben dem Bischofssitz Chur zu einem geistig-religiösen und kulturellen Zentrum in Churrätien und half bei der Gründung des Klosters Müstair im Münstertal mit. Nach 800 wurde der "Liber viventium" angelegt, ein reich illustriertes Evangelien- und Verbrüderungsbuch, das auch andere wichtige Zeugnisse für die frühe Klostergeschichte enthält. Aus dem 11. Jahrhundert datiert der "Liber aureus", ein Evangelienbuch, in dem auch Güter verzeichnet sind. In ihren Anfängen war die Abtei ein vorwiegend rätisch-romanisches Kloster (romanisch Faveras) mit Verbindungen nach Norditalien und ins westliche Frankenreich. Ab der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts finden sich meist Äbte mit deutschen Namen. Pfäfers verlor zeitweilig seine Stellung als Reichsabtei. 909 inkorporierte Bischof Salomo von Konstanz das Kloster der Abtei St. Gallen; 920 wurde es dem Bischof von Chur unterstellt. Im Investiturstreit stand Pfäfers auf päpstlicher Seite, weshalb Kaiser Heinrich IV. 1095 die Abtei dem Bischof von Basel unterstellte, von dem es Papst Paschalis II. 1116 wieder befreite. 1221 wurde Pfäfers reichsunmittelbar, 1282 Abt Konrad von Ruchenberg erstmals als Fürst bezeichnet. Im 14. Jahrhundert blühte das geistliche Leben der Abtei, wirtschaftlich erlebte sie ihre grösste Besitzausdehnung. Im Taminatal gelang die Arrondierung eines Territoriums, das sich bis Ragaz erstreckte. 1408 erreichte die Fürstabtei mit dem Loskauf der Klostervogtei von den Grafen von Werdenberg-Sargans sowie mit dem Recht, den Vogt frei zu wählen, den Höhepunkt ihrer herrschaftlichen Stellung.

Nach dem Erwerb der Grafschaft Sargans 1483 übten die sieben, ab 1712 acht alten Orte eine restriktive Schirmherrschaft aus. Diese sicherte in der Reformation zwar den Fortbestand der Abtei, führte jedoch bis zum Ende des Ancien Régime zu häufigen Konflikten zwischen den Äbten und den Schirmorten, welche die im Spätmittelalter ausgebildeten, durch kaiserliche Privilegien gestützten Ansätze zum Landesfürstentum mit ihrer zielbewussten Territorialpolitik fast gänzlich zum Verschwinden brachten.

In der Reformation erlebte Pfäfers einen Niedergang in personeller und wirtschaftlicher Hinsicht. Ab den 1580er Jahren kam es zu einem erneuten Aufschwung, der bis in die 1630er Jahre anhielt. Ausdruck fand dieser in einer religiös-disziplinarischen Reform, im Wachstum des Konvents, 1602 im Beitritt der Abtei zur neu gegründeten Schweizerischen Benediktinerkongregation und im Bemühen um die Festigung der rechtlich-politischen Stellung der Abtei. Der 1677 aus Einsiedeln berufene Bonifaz Tschupp legte als Abt in Pfäfers die Grundlagen zu einer bis zum Ende des Ancien Régime andauernden Periode der Prosperität. Diese war gekennzeichnet durch den nach dem Brand von 1665 erstellten Neubau der Klosteranlage und der barocken Klosterkirche, die Führung einer Klosterschule und durch die Errichtung eines neuen Bäderkomplexes. Kirchlich erreichte die Abtei 1707 die seit 1600 angestrebte vollständige Exemtion vom Bistum Chur und die Inkorporation der elf Kollaturpfarreien, die fortan mit Pfäferser Mönchen besetzt wurden.

Die mit der Französischen Revolution einsetzenden Ereignisse stürzten die Abtei in eine Krise, von der sie sich nicht mehr erholte. 1794 blieb ein Aufstand gegen den Abt erfolglos, doch konnten sich die Untertanen im Sarganserland ab 1796 aus der Leibeigenschaft loskaufen. 1798 verlor die Abtei ihre weltlichen Herrschaftsrechte und erlitt durch die Okkupation während der Helvetik gewaltige finanzielle Verluste. Nachdem die Abtei 1798-1803 zum Kanton Linth gehört hatte, kam sie 1803 mit dem Sarganserland zum Kanton St. Gallen. Sie erhielt die Selbstverwaltung zurück, doch gelang es dem Konvent unter Abt Joseph Arnold nicht, sich mit den neuen Verhältnissen zurechtzufinden. Ein mit dem Kanton St. Gallen ausgehandeltes Schulprojekt scheiterte. Die schwierige ökonomische Situation und kontroverse Auffassungen innerhalb des Konvents über die Zukunft der Abtei schufen die Voraussetzungen für die Säkularisation. Dazu kamen Bestrebungen von liberaler Seite, insbesondere von der St. Galler Regierung unter Gallus Jakob Baumgartner, die Abtei zu säkularisieren. Am 9. Januar 1838 beschloss der Konvent, den Heiligen Stuhl um Aufhebung der Abtei zu bitten, was dieser ablehnte. Hierauf hob der Kanton St.Gallen am 20. Februar 1838 die Abtei auf und zog den Besitz sowie das Vermögen ein. 1853 wurde das Klosterarchiv dem Stiftsarchiv St. Gallen übergeben.

Das Bad Pfäfers, dessen Betrieb ab dem 15. Jahrhundert einen steten Aufschwung genommen hatte, blieb bis ins 19. Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Abtei. Entdeckt wurde das Thermalwasser um 1240 in der Taminaschlucht, an deren Grund das Kloster 1382 ein erstes Badehaus erstellen liess. 1630 wurden neue Badegebäude und ein grösseres Hospiz an der heutigen Stelle ausserhalb der Schlucht errichtet sowie das warme Wasser in einem Holzkanal zugeleitet. Unter den Fürstäbten Bonifaz Tschupp und Bonifaz zur Gilgen entstand 1704-1718 ein dreiteiliger Gebäudekomplex mit zwei Badehäusern mit 163 Gästezimmern und einer Kapelle. Das Bad zog Gäste aus der Schweiz, Österreich, Süddeutschland und Italien an. 1838 gingen die Thermalquelle und Badegebäude an den Kanton St. Gallen über, der das Bad als Bäderklinik (Balneotherapie) weiter betrieb. Ab 1840 wurde ein Teil des Thermalwassers nach Ragaz geleitet und dort ein Badebetrieb geführt. 1969 wurde der Badebetrieb mit Blick auf die Eröffnung der Bäderklinik Valens eingestellt, 1983-1985 der historisch wertvolle, einzige erhaltene barocke Bäderbau der Schweiz umfassend renoviert sowie als Bau- und Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Quellen und Literatur

  • StiA St. Gallen
  • Kdm SG 1, 1951
  • J.A. Hardegger, Beitr. zur spätma. Gesch. der Benediktinerabtei Pfävers, 1969
  • HS III/1, 980-1033
  • B. Anderes, Altes Bad Pfäfers, 1999

Zitiervorschlag

Xaver Bischof, Franz: "Pfäfers (Kloster)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.01.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011595/2010-01-18/, konsultiert am 19.09.2021.