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Munzach

Römischer Gutshof und abgegangene Siedlung in der Gemeinde Liestal.

Die am Schnittpunkt des Bienen- und des Röserntales, am Rande des Ergolztales errichtete römische Villa (erste Hälfte 1. Jh. - 4. Jh.) liegt eine Wegstunde südlich von Augusta Raurica entfernt. Bei der Neufassung einer Quelle 1950 wurden Fundamente eines römischen Gebäudes (Bad, Quellheiligtum oder Memorie?) entdeckt. Der Gutshof von Munzach, der bis 1974 nahezu in seiner ganzen Ausdehnung archäologisch untersucht worden ist, gehört mit ca. 160 x 320 m zu den grössten römischen Villen in der Schweiz: langgestrecktes Herrenhaus (mindestens zehn Räume) mit Ostportikus, grosszügig mit Mosaiken ausgestattet; im Winkel nach Osten (mit Nordportikus) angebaut Badetrakt, Hallenbauten und Wirtschaftsräume; Ökonomiebauten (mindestens acht) entlang der nicht vollständigen südlichen und nördlichen Hofummauerungen. Die wichtigsten der zentralen Bauten sind erhalten. Die Grabungsergebnisse wurden bisher nur unvollständig publiziert.

Funde der Merowingerzeit auch im Hauptgebäude der Villa lassen auf eine Siedlungskontinuität schliessen. Das mittelalterliche Dorf (kurz vor oder um 800 Monazacha, 825 Monciacum) mit seiner Laurentiuskirche (anstelle des erwähnten römischen Gebäudes bei der Quelle) lag auf dem Areal der Villa. Die Funde weisen auf ein Verlassen der Siedlung im Laufe des 13. Jahrhunderts hin (ähnlich wie die Wüstung Lausen-Bettenach), wohl im Zusammenhang mit der Erhebung Liestals zur Stadt. Räumlich abgesondert, 500 m in westlicher Richtung, bestand zwischen ca. 800 und der Mitte des 12. Jahrhunderts eine Siedlung, in der Eisenerz verhüttet und das Eisen weiterverarbeitet wurde. Auch Buntmetall- und Glasverarbeitung sind nachgewiesen. Ein Zusammenhang dieser Siedlung mit der Schenkung Upperts an das Kloster St. Gallen (825) ist nicht auszuschliessen. Die Kirche St. Laurentius blieb nach der Auflassung des Dorfes (wie auch St. Nikolaus in Lausen-Bettenach) bestehen. Im Liestaler Jahrzeitbuch treten die beiden Kirchen zusammen mit St. Martin in Liestal mitunter auch als Kirchentrias auf. Als Stifter finden sich, neben Mitgliedern der Grafenfamilie der Frohburger, vor allem Personen aus deren Umfeld. Der Kirchensatz von Munzach lag in den Händen der Frohburger, die ihn an die Herren von Schauenburg verliehen. Nach deren Aussterben gelangte er an Thomas Falkenstein, der das Lehen an Henmann von Offenburg vergab. Um 1640 gelangte es an die Stadt Basel. Die Bedeutung der Kirche St. Laurentius war nurmehr marginal: 1753 wurde noch einmal pro Jahr gepredigt, 1763 siedelte der Pfarrer nach Frenkendorf über und 1765 wurde die Kirche abgebrochen.

Quellen und Literatur

  • R. Jansen, Munzach, Frenkendorf, Füllinsdorf, 1976
  • W. Drack, R. Fellmann, Die Römer in der Schweiz, 1988, 430-434
  • J. Tauber, «Zum Stand der Eisenarchäologie im Kt. Baselland», in Archäolog. Informationen 16, 1993, 243-251
  • R. Marti, Zwischen Römerzeit und MA., 2 Bde., 2000

Zitiervorschlag

Jürg Tauber: "Munzach", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.01.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/012285/2009-01-22/, konsultiert am 05.12.2022.