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Amrhyn

Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts regimentsfähiges Geschlecht der Stadt Luzern. Der wohl aus Beromünster stammende Michel (1548) erwarb 1518 das Bürgerrecht. Er und einige seiner unmittelbaren Nachkommen waren Gerber und Schuhmacher. Ein Urenkel, Walther (->), erwarb 1599 den savoyischen Adels- und Wappenbrief und wurde 1624 erster Schultheiss des Geschlechts. Seine Söhne Joseph (->), Ludwig (->) und Jost sassen alle im Kleinen Rat und standen wie ihr Vater, unter anderem als Gardehauptleute, in savoyischen Diensten. Von Karl Anton (->) stammt die ältere Linie ab, die unter anderem im 20 Jahrhundert einige liberale Grossräte hervorbrachte. Die jüngere Linie geht auf seinen Bruder Jost (1664-1713) zurück.

Die Familie stellte 1624-1840 in mindestens jeder zweiten Generation einen Schultheissen. Im Kleinen Rat waren die Amrhyn ab 1564 ständig vertreten, zeitweilig sogar mit mehreren Mitgliedern. Damit gehörten sie mit ca. zehn weiteren Familien zu den wichtigsten Trägern der patrizischen Herrschaft im alten Luzern. Heiratsbeziehungen bestanden vor allem mit den Meyer, Pfyffer und Schwytzer. Mit überdurchschnittlicher Häufigkeit bekleideten die in den Kleinen Rat gewählten Familienmitglieder bis zum Ende des Ancien Régime hohe Chargen im Solddienst (im 17. Jh. Savoyen, Mailand, Spanien; im 18. Jh. v.a. Frankreich). Nachgeborene Söhne und Töchter traten oft in den geistlichen Stand ein: Mit Beat (->), Franz Xaver (->) und Joseph (->) ragten mehrere Angehörige im Jesuitenorden hervor. Versuche um 1800, im Handelsleben Karriere zu machen, führten nicht zum Erfolg. Einstige Familiensitze sind das 1616-1618 im Renaissancestil errichtete Amrhynhaus in der Furrengasse und der Landsitz Tribschen. Der Fideikommiss-Hof Buholz in Ruswil wurde 1722 von Ignaz, Propst zu Beromünster, gestiftet. Das dynastische Bewusstsein äusserte sich insbesondere in der Sorgfalt, mit der die ältesten Söhne für die Ämterlaufbahn vorbereitet wurden.

Quellen und Literatur

  • J. Brülisauer, Das FamA Amrhyn, 1982 (mit Stammtaf.)
  • Kdm LU 3, 1954
  • K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976
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Zitiervorschlag

Martin Merki: "Amrhyn", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.07.2001. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016542/2001-07-19/, konsultiert am 28.02.2024.