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Orelli

daLocarno

Adelsgeschlecht, das in Locarno seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar ist. Die Orelli stammen wahrscheinlich von der langobardischen Adelsfamilie Da Besozzo aus der Grafschaft Seprio ab, die um 1000 das Locarnese als Lehen erhielt. Im 16. Jahrhundert unterstützten verschiedene Mitglieder der Familie die Reformation, mussten 1555 auswandern und begründeten den Zürcher Zweig der Orelli.

Tessiner Linie

Stammbaum der Familie. Öl auf Leinwand, 1753 (Schweizerisches Nationalmuseum, DEP-3628).
Stammbaum der Familie. Öl auf Leinwand, 1753 (Schweizerisches Nationalmuseum, DEP-3628). […]

Die Orelli waren die bedeutendste Familie der Capitanei di Locarno und spielten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine wichtige politische Rolle, vor allem am oberen Langensee und in den drei Ambrosianischen Tälern. In der Pieve Locarno besassen sie einige Burgen und Schlösser (einen Teil der Burg Santi Abbondio e Biagio, die Burg in Gordola und das Kastell in Ascona) und Güter im Onsernonetal, Centovalli, Vallemaggia und in Gambarogno. Mit dem Erwerb von Besitz südlich des Monte Ceneri (z.B. 1186 Burg und Zollrechte von Taverne) versuchte die Familie die Hauptverkehrswege zu kontrollieren. In der Pieve Locarno stand ihr nach den Satzungen von 1365 das Recht zu, 15, ab Mitte des 16. Jahrhunderts 12 der 21 Mitglieder des Rats zu wählen. 1342-1798 stellten die Orelli von Locarno den Podestà von Brissago. Zwei eng verwandte Zweige der Orelli erhielten im 12. Jahrhundert vom Mailänder Domkapitel die Hoheitsrechte im Bleniotal und in Biasca, stellten dort den Podestà (Rektor) und den Kastvogt und verfügten darüber bis ins 15. Jahrhundert wie über einen Erbbesitz. Im Bleniotal gehörten der Familie zudem einige Burgen wie Castro und Serravalle. Ende des 13. Jahrhunderts dehnten die Orelli ihre Herrschaft für eine kurze Zeit in die Leventina aus. Als Anhänger der Ghibellinen waren sie in die bedeutendsten Konflikte der Zeit involviert, vor allem mit Simone (->), der mit wechselndem Glück daran teilnahm.

Zürcher Linie

Stammvater der Zürcher Linie, die sich auch Orell nannte, war Aloisio (->). Seine Söhne Franz und Johann Melchior Aloys (->) exportierten Zwirn, Woll- und Baumwolltuch nach Oberitalien. Beide wurden 1592 bedingt ins Zürcher Bürgerrecht aufgenommen. Johann Melchior Aloys und dessen Nachkommen gründeten im 17. Jahrhundert die nach ihren Stammhäusern benannten Seidenhandelsfirmen zum Mohrenkopf, im Tiefenhof, zum Spiegel, zur Sonne, zur Stelze und zum Gemsberg. Nach der Exportzollstatistik von 1700 standen die Unternehmen an der Spitze der Zürcher Kaufmannschaft, Mitte des 18. Jahrhunderts noch an dritter und 1797 an neunter Stelle. Als Folge der Tendenz zur Abschliessung des Bürgerrechts in der frühen Neuzeit wurden die Begehren der Orelli um das Bürgerrecht mit Wählbarkeit in die politischen Ämter 1606, 1639 und 1673 abgelehnt. Erst 1679 gewährte der Grosse Rat allen Familienzweigen das volle Bürgerrecht, nachdem die Orelli eine Verlegung ihrer Firmen nach Bern in Betracht gezogen hatten. Bei der Abstimmung mussten 124 von 212 Ratsmitgliedern in den Ausstand treten, weil sie bis zum dritten Grad mit den Orelli verschwägert waren, da diese im 17. Jahrhundert in mehrere regimentsfähige Familien eingeheiratet hatten. Bis 1798 gelangten sechs Mitglieder der Familie in den Kleinen Rat (u.a. Felix -> und Hans Conrad ->), 1778-1785 war Hans Heinrich (->) Bürgermeister von Zürich. Hans Conrad (->) übernahm 1735 eine Druckerei (heute Orell Füssli). Sechs Mitglieder ergriffen im 18. Jahrhundert den Pfarrberuf, drei weitere gelangten zu Chorherren- und Professorenwürden. Andere Vertreter der Familie traten als Offiziere in französische oder holländische Dienste (u.a. Felix ->). Im 19. Jahrhundert betätigten sich die Orelli häufig in akademischen Berufen (->, ->, ->), im Bankwesen (Paul Carl Eduard ->) und im Staatsdienst (->, ->, ->). 1681 wurden die Zürcher Orelli als Mitglieder der Adelskorporation von Locarno anerkannt und erlangten 1936 wieder das dortige Bürgerrecht. Ab 1784 nannte sich die Familie mit Berufung auf die adlige Herkunft von Orelli.

Quellen und Literatur

  • StadtA Zürich, FamA
  • ZBZ, FamA
  • Schweiz. Geschlechterbuch 1, 362-367; 5, 477-481; 9, 163-306
  • Meyer, Blenio
  • H. Schulthess, Die von Orelli von Locarno und Zürich, 1941
  • R. Huber, «Gli archivi dei Muralto, degli Orelli e della Corporazione dei Nobili di Locarno», in Bolletino della Società storica Locarnese, 2005, 49-58
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Rodolfo Huber; Martin Illi: "Orelli", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.05.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/020179/2017-05-03/, konsultiert am 02.07.2022.