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Jauch

Alteingesessenes Geschlecht im Kanton Uri, nachgewiesen seit 1386, eingebürgert in verschiedenen Urner Gemeinden. Erstmals trat es mit Hans (->) markant in Erscheinung. Mehrere Vertreter des Geschlechts standen in fremden Diensten oder versahen den Zoll in Wassen, so auch Sebastian Heinrich (1650-1708), der 1705 zum Landesfähnrich und 1707 zum Landesstatthalter gewählt wurde und sich in Altdorf niederliess. Der Aufstieg dieses Altdorfer Zweigs zu einer der führenden Urner Familien ist eng verbunden mit der militärunternehmerischen Tätigkeit in königlich-spanischen und neapolitanisch-sizilianischen Diensten, die sowohl in Uri als auch in der Innerschweiz zu politischen Turbulenzen führte. Das 1734 für das Königreich beider Sizilien rekrutierte Regiment blieb bis zu dessen Auflösung im Jahr 1790 in Familienbesitz. In fremden Diensten waren unter anderem die Brüder Johann Sebastian (->) und Karl Franz (->), des Ersteren Söhne Johann Joseph Anton (->) und Karl Josef (->), ferner Karl Florian (->) und dessen Sohn Karl Eduard (->).

Der erwähnte Johann Joseph Anton und dessen Bruder Joseph Stephan (->) sowie Emanuel (->) und dessen Bruder, Zeugherr Josef Maria (1756-1823), enfalteten unternehmerische Aktivitäten im Bergbau und in der Baumwollindustrie. Auch für die touristische Entwicklung im Kanton Uri spielten Vertreter dieses Geschlechts eine wichtige Rolle (Josef ->). Der Fürsprech und spätere Bundesrichter Franz (->) trat an der Landsgemeinde im November 1847 als einziger Redner gegen den Sonderbund auf. Fortschrittlich dachte auch Pater Jakob Josef (1802-1859). In Russland geboren und von Kardinälen und Bischöfen gefördert, betätigte er sich 1852-1856 im liechtensteinischen Balzers als Landwirtschaftspionier.

Verschiedene Vertreter des Geschlechts nahmen im ausgehenden 19. und im 20. Jahrhundert wichtige Beamtenstellen in der kantonalen Verwaltung ein. Ein Zweig liess sich im 17. Jahrhundert im Tessin nieder. Die Faktorei in Bellinzona und die Beteiligung am Warentransport über den Gotthardpass sowie am Passstrassenbau führten die Jauch auch im Kanton Tessin in die wichtigsten politischen Ämter (Giovanni ->).

Quellen und Literatur

  • Hist. Museum Uri
  • StAUR, FamA
  • U. Kälin, Die Urner Magistratenfam., 1991
  • Fabriklerleben, hg. von H. Frommelt, 1994, 231-234

Zitiervorschlag

Urs Kälin: "Jauch", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.01.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/023401/2008-01-29/, konsultiert am 20.04.2024.