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Swissair

Die Schweizerische Fluggesellschaft Swissair, mit vollem Namen Swissair Schweizerische Luftverkehr Aktiengesellschaft, entstand im März 1931 durch die Fusion der Gesellschaften Ad Astra Aero und Balair; die Gründung wurde rückwirkend auf den 1. Januar datiert. Anfänglich umfasste die Flotte 13 Flugzeuge mit insgesamt 86 Passagiersitzen. Die Swissair galt als fortschrittlich, da sie 1932 amerikanische Schnellverkehrsflugzeuge beschaffte und 1934 als erste Fluggesellschaft in Europa Flugbegleiterinnen einsetzte.

Werbeplakat für Transatlantikflüge in die Vereinigten Staaten, gestaltet vom Grafiker Henri Ott, 1951 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Werbeplakat für Transatlantikflüge in die Vereinigten Staaten, gestaltet vom Grafiker Henri Ott, 1951 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).

Während des Zweiten Weltkriegs musste der Flugbetrieb weitgehend eingestellt werden. Nachdem 1947 die öffentliche Hand, darunter die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), die Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT), Kantone und Gemeinden, 30,6% des Aktienkapitals übernommen hatte, wurde die Swissair zu einer gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft und fortan auch als nationale Fluggesellschaft bezeichnet. Mit dem rasanten Wachstum und dem Fortschritt der internationalen Luftfahrt hielt die Swissair in den ersten Nachkriegsjahren nicht Schritt. Sie bot vergleichsweise spät Interkontinentalflüge an und beschaffte veraltetes Flugmaterial. Nach der Abwertung des britischen Pfunds 1949 geriet die Swissair in eine finanzielle Krise, die nur mit Unterstützung des Bundes überwunden werden konnte.

In den 1950er Jahren erholte sich die Swissair finanziell. Nebst Destinationen in den Vereinigten Staaten von Amerika und Afrika kamen weitere in Asien und Südamerika dazu; das Angebot vergrösserte sich um mehr als die Hälfte. Nach der Inbetriebnahme ihres ersten Düsenflugzeugs 1960 baute die Swissair ihre Flotte bis 1968 zu einer reinen Jetflotte aus. Der erste Jumbo-Jet, eine Boeing 747, wurde 1971 geliefert. 1972 erwarb die Swissair die Mehrheitsbeteiligung an der 1953 neu gegründeten Fluggesellschaft Balair. Ausserdem schuf sie 1978 die Chartergesellschaft Compagnie de transport aérien (CTA). Eine erste Beteiligung an der Regionalfluggesellschaft Crossair erfolgte 1988. Im Zeitraum von 1960 bis 1989 wuchs die Swissair von 80'546 auf 188'124 Flugstunden und von 7332 auf 19'296 Angestellte. Trotz internationaler Krisen blieb die Bilanz stets positiv und der Selbstfinanzierungsgrad hoch, weshalb die Swissair gerne als fliegende Bank bezeichnet wurde.

Ende der 1980er Jahre begann der wirtschaftliche Niedergang der Swissair. Im 1987-1993 liberalisierten, europäischen Luftverkehr hatte sie auch aufgrund der Ablehnung des Beitritts zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) durch das Volk 1992 einen Wettbewerbsnachteil. Auf den Strukturwandel in der internationalen Luftfahrt reagierte sie zunächst mit der Bildung der Allianzen Global Excellence und European Quality Alliance. 1993 scheiterte eine Fusion mit anderen Fluggesellschaften unter dem Codenamen Alcazar. 1995 schlug die Leitung mit der Übernahme eines Anteils von 49,5% an der belgischen Sabena einen Expansionskurs ein. Nach der Schaffung einer weitläufigen Holdingstruktur unter dem Namen SAirGroup 1997 beteiligte sich der Konzern im Rahmen der sogenannten Hunter-Strategie an zahlreichen mehrheitlich unrentablen Fluggesellschaften und baute so das Allianzsystem Qualiflyer Group auf. Nicht zuletzt wegen der dabei eingegangenen Verpflichtungen rutschte die Gruppe zusehends in die roten Zahlen. Bereits für 2000 gab sie einen Rekordverlust von rund 2,9 Mrd. Fr. bekannt. Nach dem Einbruch des Luftverkehrs infolge der Terroranschläge in den Vereinigten Staaten von Amerika vom 11. September 2001 wurde am 1. Oktober 2001 die Nachlassstundung angekündigt. Am Folgetag musste die Swissair ihren gesamten Flugbetrieb mangels Liquidität einstellen, so dass auf der ganzen Welt Piloten und Passagiere festsassen. Das sogenannte Grounding stellte wohl den spektakulärsten Bankrott der neueren Schweizer Wirtschaftsgeschichte dar und bewegte die Öffentlichkeit tief. Anschliessend wurde auf der Grundlage der einstigen Tochtergesellschaft Crossair mit staatlicher Unterstützung die Nachfolgegesellschaft Swiss International Air Lines AG gegründet. 2005 beteiligte sich die deutsche Lufthansa zu 49% an der neuen Fluggesellschaft, ehe sie die Swiss 2007 vollständig übernahm. Im Rahmen der Nachlassliquidation erwarb die Swiss 2009 die Markenrechte der Swissair.

Quellen und Literatur

  • ETH-Bibliothek Zürich, Zürich, Bildarchiv.
  • Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Basel.
  • Verkehrshaus der Schweiz, Luzern.
  • Lüchinger, René: Der Fall der Swissair. Das Drama, der Untergang, die Akteure, 2001.
  • Moser, Sepp: Bruchlandung. Wie die Swissair zugrunde gerichtet wurde, 2001.
  • Schroeder, Urs von: Swissair 1931-2002. Aufstieg, Glanz und Ende einer Airline, 2002.
  • Lüchinger, René (Hg.): Swissair. Mythos & Grounding, 2006.
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Kurzinformationen
Kontext Ad Astra Aero, Balair, Compagnie de transport aérien (CTA), Swiss

Zitiervorschlag

Fehr, Sandro: "Swissair", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 26.07.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/041830/2012-07-26/, konsultiert am 18.09.2021.