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Maschwanden

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Affoltern, mit dem Dorf Maschwanden am östlichen Rand der Reussebene (Reuss) bei der Lorzemündung (Lorze). Maschwanden war einst ein Städtchen, das später aufgegeben wurde, und Sitz des gleichnamigen Amts. 1189 Maswondon. 1470 ca. 120 Einwohner; 1634 339; 1786 507; 1850 578; 1860 595; 1900 493; 1920 424; 1950 470; 1970 400; 2000 553; 2010 605; 2020 639.

Maschwanden: Situationskarte 2023 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2023 HLS.
Maschwanden: Situationskarte 2023 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2023 HLS.

Gräberfunde aus der Latènezeit. Der Ortsname erscheint in den Acta Murensia (datiert um die Mitte des 12. Jh., Abschrift um ca. 1400), das Burgstädtchen (castrum) in einer Urkunde von 1260. Im 13. Jahrhundert sind in Zürich verbürgerte milites, ein camerarius sowie Bürger von Maschwanden bezeugt. Die Stadtanlage war mit ca. 0,6 ha unwesentlich kleiner als jene von Regensberg, die Ringmauer war zugleich Aussenfassade der Häuser (Stadtbefestigungen). Wehrturm, Sodbrunnen und gewerbliche Produktionsstätten (Töpferei, vermutlich Schmiede) sind archäologisch nachgewiesen. 1504 war das Städtchen (Flurname Stad) abgegangen. Im 19. und 20. Jahrhundert (letzte Notgrabung 1934) wurde die Wüstung durch Kiesabbau völlig abgetragen. Zum Gründungsvorgang und zum Abgang des Städtchens gibt es keine verlässlichen Schriftquellen. Maschwanden lag sicherlich im Einflussbereich der Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg. Erst Johannes Stumpf berichtet indes im 16. Jahrhundert von der Zerstörung Maschwandens im Rahmen der habsburgischen Blutrache (sehr unsicher, da die späte Chronistik die Kernberichte erheblich ausweitete). Aus den eingezogenen eschenbachischen Besitztümern schufen die Habsburger das Amt Horgen-Maschwanden, dessen Umfang 1339 bei der Verleihung an die Herren von Hallwyl umschrieben wurde. 1406 erwarb die Stadt Zürich die hohen und niederen Gerichte des Amts und trennte Horgen von Maschwanden. Die Vogtei Maschwanden wurde 1512 in die Landvogtei Knonau eingegliedert.

Das Dorf Maschwanden wird 1277 fassbar (apud villam Massewandon). Im Oberdorf stand eine Mühle, im Unterdorf ein Badhaus (Bäder), dazwischen Kirche und Gasthaus. Im Spätmittelalter nach Mettmenstetten kirchgenössig (Filialkapelle in Maschwanden), stifteten die Dorfgenossen 1505 Pfarrpfrund und Pfarrkirche (Pfarrei). Die Pfarrwahl erfolgte auf Vorschlag der Kirchgemeinde. Hartnäckig, aber erfolglos, wehrten sich die Dorfbewohner gegen die Reformation. 1571 übernahm Zürich auf Bitten der Gemeinde den Kirchensatz. Im 15. Jahrhundert war die Dorfflur von Maschwanden teils verzelgt, teils wurde sie in Egartenwirtschaft bebaut. Die Offnung von 1536 regelte vor allem die Boden- und Holznutzung. Einem Allmendstreit (1772) folgte 1801 eine partielle Allmendteilung (Allmend). 1840 wurde das verbliebene Land einer Korporation von Gerechtigkeitsbesitzern übergeben. 1810 erfolgte die Grundzins-, 1816-1835 die Zehntablösung (Kleinzehnt schon 1642). 1930-1934 fand eine Güterzusammenlegung statt; 2000 war noch annähernd ein Drittel der Erwerbstätigen im 1. Sektor beschäftigt. Neben der Landwirtschaft wurden in Maschwanden textile Heimarbeit (1787 Baumwollspinnerei durch 40% der Einwohner) und Landhandwerk (Handwerk) betrieben. Eine Gerberei, ab 1736 im Besitz der Familie Leuthold, wurde nach dem Ersten Weltkrieg infolge des Drucks industrieller Konkurrenz liquidiert. 1854-1990 betrieb die Gemeinde ein Kieswerk, dessen Gewinne um 1890 ca. 20% ihrer Einnahmen ausmachten (Steinindustrie).

Das politische und kulturelle Leben kristallisierte sich um den Gemeindeverein (1868-1963), auf dessen Initiative unter anderem Gemeindebibliothek (1871), landwirtschaftlicher Verein (1872), Männerbad (1877) und Frauenbad (1882) in der Lorze entstanden. Die Siedlungsentwicklung Maschwandens ist bescheiden geblieben. Eine Zonenordnung verhinderte 1962 eine Grossüberbauung am Dorfrand.

Quellen und Literatur

  • Schneider, Bernhard; Betschart, Madeleine et al.: Die eigenständige Entwicklung der Gemeinde Maschwanden, 1991.
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Martin Illi: "Maschwanden", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.10.2023. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000008/2023-10-11/, konsultiert am 21.04.2024.