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Feuerthalen

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Andelfingen. Linksufriger Brückenkopf der Stadt Schaffhausen, mit dem Dorf Langwiesen (Zivilgemeinde bis 1947). 876 Langewisa; 1318 Fuirtal an dem Rine (in Schaffhauser Urkunden auch ohne Ortsnamen enhalbs Rhins). 1467 56 Erwachsene; 1634 205 Einwohner; 1739 300; 1836 665; 1850 769; 1900 1992; 1950 2739; 1960 2961; 1990 2772; 2000 2973.

Anders als Langwiesen war Feuerthalen eine späte Gründung an der Rheinfurt bei Schaffhausen. Die erste Brücke wurde vor 1259 erstellt; Nachfolgebauten entstanden 1480, 1550-1611, 1759 (Hans Ulrich Grubenmann, im Krieg 1799 zerstört), 1805 (Andreas Widmer) sowie 1965. Die ganze Brücke mit dem 1847 abgebrochenen diesseitigen Torturm gehörte zu Schaffhausen, was 1470, 1555 und noch 1895 zu Grenzstreitigkeiten führte. Feuerthalen zählte zur Herrschaft Laufen, die Zürich hochgerichtlich ab 1452, niedergerichtlich ab 1544 unterstand. Die Bischöfe von Konstanz hatten bis 1798 die Busskompetenz bis zu neun Schilling. Feuerthalen war in Laufen kirchgenössig. 1390 wird die Kapelle St. Leonhard erwähnt, in der aber Geistliche der Schaffhauser Pfarrkirche die Messe lasen. Ab 1581 durften die Anwohner von Feuerthalen in Schaffhausen die Predigt besuchen, für die Sakramente blieb weiterhin Laufen zuständig. 1630 wurde die Kapelle Feuerthalen instand gestellt. 1675 bildete Feuerthalen mit Langwiesen eine eigene Kirchgemeinde. 1966 wurde die katholische Kirche erbaut.

Die Steuerbücher weisen schon für das 15. Jahrhundert einen Ehgrabenrumer (Kloakenreiniger) sowie in den Weinbergen der Stadtbürger arbeitende Rebleute aus, was den Vorstadtcharakter von Feuerthalen unterstreicht. Auch die ökonomischen Tabellen von 1771 und die Volkszählung von 1850 belegen, dass die vorindustrielle Wirtschaft Feuerthalens nicht agrarisch, sondern gewerblich geprägt war. Allerdings wachte die Stadt Schaffhausen darüber, dass ihre Monopole in Gewerbe, Handel, Transport und Fischerei nicht geschmälert wurden. Zürich setzte sich nur bedingt für seine Landleute ein, um nicht den Zerfall der eigenen Gewerbehoheit zu präjudizieren. Obwohl nur in Besitz von sehr beschränkten Marktrechten, nützten die Leute von Feuerthalen und Zuzüger geschickt die Nischen aus, die das Zunftrecht von Schaffhausen offenliess. Feuerthalen wurde so eine "innovative Grauzone" (Posamenterweberei, Färberei, Strumpfweberei) und fügte sich nach 1800 rasch in den Wirtschaftsraum Schaffhausen ein. 1839 wurde die Strecke nach Andelfingen zur Kunststrasse ausgebaut, 1895 die Eisenbahnverbindung Schaffhausen-Stein am Rhein erstellt. Diverse Unternehmen siedelten sich in Feuerthalen an: 1837 die Schlauchweberei Marty, 1865 die Carl Theodor Amsler (Feuerlöschgeräte, ab 1909 Fahrräder und Motorfahrräder), 1870 die Schiffswerft Langwiesen sowie 1968 die Sinar, eine Fabrik für Fachkameras. Die Siedlungserweiterung im 20. Jahrhundert erfolgte auf den höher gelegenen Terrassen des Cholfirsts, während der Ortskern am Brückenkopf in den 1960er Jahren seine zentralen Funktionen an das nahe Schaffhauser Stadtzentrum verlor.

Quellen und Literatur

  • H. Kläui, 1100 Jahre Langwiesen, 1976
  • Schaffhauser Magazin 3, 1986
  • W.U. Guyan, Feuerthalen, 1990
Von der Redaktion ergänzt
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GND

Zitiervorschlag

Martin Illi: "Feuerthalen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.11.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000021/2005-11-29/, konsultiert am 18.07.2024.