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Humlikon

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Andelfingen, südlich der Thur im Zürcher Weinland gelegen, seit 2023 mit Adlikon Teil der Gemeinde Andelfingen. Das Haufendorf Humlikon gehörte bereits 1798-1818 zu Andelfingen und 1818-1872 zu Adlikon. 1228 Humlincon. 1467 ca. 60 Einwohner; 1634 178; 1850 346; 1880 320; 1900 263; 1950 213; 2000 408; 2010 445; 2020 482.

Humlikon: Situationskarte 2022 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2023 HLS.
Humlikon: Situationskarte 2022 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2023 HLS.

Der Name auf -ikon deutet auf eine alemannische Gründung im Frühmittelalter hin (Alemannen). 1228 erscheint der Ort als Sitz der Freiherren von Humlikon, die im 14. Jahrhundert ausstarben. Der Kelnhof gehörte dem Domstift Konstanz und kam 1450 an die einheimische Familie Stucki. Nieder- und Hochgerichtsbarkeit übte um 1400 die Herrschaft Andelfingen aus. Mit dieser gelangte Humlikon 1434 von den Hohenlandenbergern an die Stadt Zürich und verblieb bis 1798 im Unteramt der Zürcher Landvogtei Andelfingen. 1518 kaufte die Dorfgemeinde die aufgelassene Siedlung Dindlikon (1238 in kyburgischem Besitz); das aufgeforstete Hofgebiet wurde zu einer wichtigen Einnahmequelle der Gemeinde, in der hauptsächlich Acker- und Weinbau betrieben wurde. Kirchlich gehörte Humlikon immer zu Andelfingen. 1798 wurde Humlikon der politischen Gemeinde Andelfingen zugeteilt, 1818 kam es als Zivilgemeinde zur neu gebildeten Gemeinde Adlikon. Zur politischen Gemeinde wurde Humlikon durch eine kantonale Volksabstimmung 1872. Das etwas abseits der Landstrasse gelegene Dorf erhielt 1857 beim Bau der Bahnstrecke Winterthur-Schaffhausen keine Station, da es die dazu notwendige Landabtretung verweigerte. Ab 1873 wurde Humlikon von der Reisepost Henggart-Flaach bedient, die 1921 motorisiert wurde. Es blieb jedoch ein abgeschiedenes Bauerndorf mit wenig Gewerbe – 1873 ist eine Schmiede mit Schlosserei bezeugt – und fehlender Industrie. Die Folge war ein bis Mitte des 20. Jahrhunderts anhaltender Bevölkerungsrückgang. Nationale Bekanntheit erlangte Humlikon am 4. September 1963 durch die Flugzeugkatastrophe von Dürrenäsch, bei der 43 Einwohner ums Leben kamen. Die zunehmende Motorisierung und der Bau der Weinland-Autobahn 1958 förderten den Wandel zu einer ländlichen Wegpendlergemeinde; am Fuss des Goldenbergs entstand ab den 1970er Jahren ein Einfamilienhausquartier. 1977 wurde in Humlikon die Heilpädagogische Schule des Bezirks Andelfingen eröffnet.

Quellen und Literatur

  • Fietz, Hermann: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen, 1938, S. 197-198 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, 1).
  • Stauber, Emil: Geschichte der Kirchgemeinde Andelfingen. Umfassend die politischen Gemeinden Andelfingen, Klein-Andelfingen, Adlikon und Humlikon und für die ältere Zeit auch die politischen Gemeinden Dägerlen, Dorf, Thalheim und Volken, Bd. 1, 1940, S. 97-100; Bd. 2, 1941, S. 656-664.
  • Spaltenstein, Alfred: Der stille Wandel. Von Bauern, Handwerkern und High-Tech-Unternehmen, 1997.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1228: Humlincon

Zitiervorschlag

Ueli Müller: "Humlikon", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30.08.2023. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000026/2023-08-30/, konsultiert am 22.06.2024.