de fr it

Wasterkingen

Polit. Gem. ZH, Bez. Bülach. Dorf mit Zollstation am südwestl. Rand des Rafzerfelds. 1102 Wastachingin. 1634 245 Einw.; 1640 109; 1709 281; 1836 386; 1850 437; 1900 353; 1950 275, 2000 560.

Alemann. Gräber oberhalb des Dorfs. Im Früh- und HochMA gehörte W. zur Landgrafschaft Klettgau. Das Hochgericht ging 1408 von den Habsburg-Laufenburgern an die Gf. von Sulz über, die es 1651 der Stadt Zürich verkauften. Im 13. und 14. Jh. besassen die Frh. von Tengen die niederen Gerichte, die 1482 von Frh. Bernhard Gradner erworben wurden. Mit dessen Eglisauer Herrschaft gelangte W. 1496 an Zürich und war bis 1798 Teil der Landvogtei Eglisau. Die im 13. Jh. erw. Kapelle in W. war eine Filiale Hohentengens. Nach der Reformation wurde W. der Pfarrei Wil zugeteilt. Der Wasterkinger Zehnten umfasste W., Hüntwangen, Günzgen, Stetten, Herdern und Tengen. Den Hauptanteil besass ab 1560 die Zürcher Fam. Rordorf als österr. Lehen. Im 19. Jh. kam es mehrmals zu Auseinandersetzungen mit Wil wegen der baufälligen Kapelle. 1852 wurde diese durch eine neue Kirche ersetzt, die erst 1978 von der Kirchgemeinde Wil übernommen wurde. Zwölf Personen aus W. wurden 1701 von Mitbürgern der Hexerei bezichtigt. Nach Geständniserpressungen wurden im letzten Zürcher Hexenprozess sieben Frauen und ein Mann zum Tod verurteilt und hingerichtet. 1798 wurde W. als selbstständige Gem. dem Distrikt, 1803 dem Bez. Bülach, 1814 dem Oberamt Embrach und 1831 dem Bez. Bülach zugeteilt. W. war bis weit ins 20. Jh. ein auf Acker- und Rebbau ausgerichtetes Bauerndorf mit starker Güterzersplitterung; 2005 stellte der 1. Sektor noch immer gut 55% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Im 17.-19. Jh. bot die Strohflechterei in Heimarbeit zusätzl. Verdienstmöglichkeiten. Von der Industrialisierung wurde der Ort kaum berührt, was mit ein Grund für den Bevölkerungsverlust zwischen 1870 und 1960 gewesen sein dürfte. Erst die um 1970 einsetzende Bautätigkeit führte wieder zu Bevölkerungswachstum; die meisten Bewohner sind Wegpendler. Ende der 1980er Jahre dehnte sich das Kieswerk Hüntwangen auf das Gemeindegebiet von W. aus.

Quellen und Literatur

  • Einweihung der ref. Kirche von W., [1980]
  • D. Meili, Hexen in W., 1980
  • T. Neukom et al., W. - ein Dorf und seine Grenzen, 2002