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GrüningenGemeinde

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Hinwil. Das Landstädtchen im Zürcher Oberland umfasst die Dörfer und Weiler Itzikon, Binzikon, Bächelsrüti, Adeltshausen und Holzhausen sowie Einzelhöfe. 1243 apud Gruningin. 1467 38 Haushalte; 1634 674 Einwohner; 1739 1040; 1850 1695; 1900 1207; 1950 1450; 2000 3092.

Im Strangenholz wurde ein Grabhügel aus der Hallstattzeit entdeckt. Aufgrund der Fundsituation und urkundlichen Erwähnungen, unter anderem von Itzikon (837 in Izinheimo) und Binzikon (854 in willa Pinuzzinhovun), gilt die Besiedlung des Gemeinderaums im 8. Jahrhundert als gesichert.

Die Stadtwerdung ist nicht überliefert. Auf den städtischen Charakter weisen folgende Belege hin: 1256/1261 ist von einer Burg oder befestigten Siedlung (castrum bzw. castellum) die Rede, 1261 von den Schultheissen von Grüningen, 1284 von der befestigten Stadt (castrum seu oppidum), 1296 von einem Bürger aus Grüningen. 1337 wurde ein Stadtgericht, 1416 das Marktrecht (Vieh- und Warenmarkt, ab 1621 auch Kornmarkt) erwähnt. Vermutlich hatten die Freiherren von Regensberg die Stadtwerdung massgeblich beeinflusst. Sie befreiten 1260 das Kloster Rüti von Steuerabgaben in Grüningen, was den Schluss einer Regensberger Hoheit über das Städtchen nahelegt. 1269 kaufte das Kloster St. Gallen Grüningen von den Regensbergern zurück (nach Christian Kuchimeister zu Beginn des 14. Jh.). 1279 werden Amt und Städtchen Grüningen als Habsburger Besitz fassbar. Es folgten verschiedene Verpfändungen, unter anderem 1331 an die Herren von Landenberg-Greifensee, 1374 an die Gessler von Meienberg. 1408 verkauften die Brüder Hermann und Wilhelm Gessler die Pfandschaft an die Stadt Zürich, welche die Burg, das Städtchen und das Amt Grüningen in ihren Territorialstaat einband.

Das Städtchen bestand neben der vor 1229 errichteten Burg aus einer durch einen Graben getrennten Vorburg, d.h. dem Städtchen im engeren Sinn. Die Nordmauer, eine sechsteilige Häuserzeile, bildet heute noch eine intakte Silhouette, ansonsten wurde die Stadtmauer mit dem Tor bis auf wenige Überreste abgetragen. Die Stadtanlage bestand unter anderem aus der Alten Kanzlei (Sitz des Landschreibers), dem Gerichtshaus der Landvogtei Grüningen, der 1552 erbauten Zehntenscheune, dem Markt- und Gewerbeviertel «Chratz», dem Stadtbrunnen und ausserhalb der Stadt aus dem Galgen und der Hauptgrube. Die Kirche ging aus der 1396 erbauten Schlosskapelle hervor und wurde 1610 zur Pfarrkirche erhoben. Ein Pfarrer wurde erst nach der Fertigstellung des Pfarrhauses 1678 durch die Zürcher Regierung eingesetzt (1682 Kollatur durch die Familie Schmid von Kempten, 1811 durch Kauf an den Kanton Zürich). Die Stadt erlebte mehrere Brände, so um 1383, 1551 und 1685. 1970 zerstörte ein Grossbrand die Kirche und Teile der Burg (1977 rekonstruiert). 1954, noch vor dem Baudruck der Hochkonjunktur, erliess Grüningen eine Schutzverordnung für das Städtchen. 1976 wurde die Gemeinde mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet.

Grüningen zählte 1634 26, 1689 36 Erwerbstätige im Gewerbe und zahlreiche ehafte Betriebe, unter anderem Tavernen, eine Bäckerei, Mühlen, eine Stampfe, eine Hafnerei und Färbereien. Vor der Stadt entstanden Ökonomiegebäude, die in einer Aussiedlungsbewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Bauernhöfe umgewandelt wurden. 1836 waren rund 300 Personen in der Landwirtschaft beschäftigt, 200 Personen in der Baumwoll- und Seidenweberei sowie 112 Personen im Handwerk. Eine industrielle Entwicklung fand kaum statt. Als Folge der Stagnation wurde die Bezirksverwaltung 1831 nach Hinwil verlegt. 1836 existierte eine Postkutsche von Zürich, 1858 von Stäfa nach Grüningen. 1903-1950 bestand die Strassenbahn Wetzikon-Meilen, seit 1950 fahren die Busse der Verkehrsbetriebe des Zürcher Oberlands. Mit dem Erlass der Bau- und Zonenordnung von 1960 setzte das Wachstum der dörflichen Fraktionen ein. Entsprechend veränderte sich die Erwerbsstruktur der Gemeinde: Im 1. Sektor arbeitete 2000 nur noch rund ein Zwanzigstel der Erwerbstätigen.

Quellen und Literatur

  • E. Gehri, Grüningen Zürich, 1983
  • M. Leutenegger, Das Landstädtchen Grüningen bis 1440, 1988
  • M. Leutenegger, Stadt- und Bevölkerungsgesch. Grüningens im SpätMA, 1989
  • E. Gehri, Grüningen. Ein Bildband mit alten und neuen Ansichten, 1995
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Martin Illi: "Grüningen (Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.12.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000088/2010-12-15/, konsultiert am 26.05.2022.