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Schönenberg (ZH)

Ehemalige Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Horgen, 2019 wie Hütten in die Gemeinde Wädenswil integriert. Die Streusiedlung mit über 70 Höfen, Weilern und Quartieren erstreckt sich über einen Ausläufer der Zimmerbergkette. 1637 Geissferen, 1703 Schönenberg. 1799 1238 Einwohner; 1836 1432; 1850 1468; 1900 1135; 1910 1074; 1950 1211; 1980 1350; 2000 1800; 2010 1921; 2018 1832.

Schönenberg (ZH): Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Schönenberg (ZH): Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Rodung und Landnahme setzten wahrscheinlich erst im Hochmittelalter ein. In einem Güterrodel des Klosters Wettingen werden um 1270 erstmals die Höfe Nussbäumen, Aesch, Schwarzenbach, Rechberg, Stollen und Wolfbühl erwähnt, 1316 überdies der Hof Mülistalden. Zu Letzterem gehörte vermutlich die 1434 bezeugte Mühle, die 1893 stillgelegt wurde. Bis 1798 zählte Schönenberg zum Wädenswiler Berg, einem Teil der Gemeinde Wädenswil, in der Herrschaft bzw. Landvogtei Wädenswil. Nach handfestem Streit mit den Dorfleuten von Wädenswil konnten die Bewohner des oberen Wädenswiler Bergs Ende des 17. Jahrhunderts an einer Weggabelung im Geissferen eine Kirche und ein Pfarrhaus bauen, die mit einer massiven Mauer befestigt wurden und so als behelfsmässiger militärischer Stützpunkt an der Grenze zur katholischen Innerschweiz dienten. Als 1703 das Gotteshaus eingeweiht wurde, taucht erstmals der Name Schönenberg auf. Der Zürcher Rat teilte 23 Höfe von Wädenswil, 13 von Richterswil sowie sechs von Hirzel der neuen Kirchgemeinde Schönenberg zu. 1784 trennten Wädenswil und Schönenberg ihr bis dahin gemeinsames Armengut. In der Helvetik wurde Schönenberg eine politische Gemeinde; die wegen eines Rechtsstreits verzögerte Güterausscheidung vollzogen die beiden Körperschaften allerdings erst 1813.

Kirche, Pfarrhaus und Befestigung von Norden. Lavierte Tintenzeichnung des sechzehnjährigen Johann Heinrich Meister, 1716 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
Kirche, Pfarrhaus und Befestigung von Norden. Lavierte Tintenzeichnung des sechzehnjährigen Johann Heinrich Meister, 1716 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). […]

Im Spätmittelalter wurde der Ackerbau in Egertenwirtschaft betrieben. 1787-1910 ging die Ackerfläche von 113 ha auf 22 ha zurück, bis 1960 stieg sie dann wieder auf 53 ha an. 1772 wurden bereits 53 Jucharten Kartoffeln angebaut. Ebenfalls im 18. Jahrhundert erlebte die Viehzucht einen grossen Aufschwung; Ende des Jahrhunderts produzierten 42 Sennereien Käse und Butter. 1787 waren 38% der Bevölkerung in der Baumwollspinnerei beschäftigt und es wurden 63 Webstühle gezählt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam das Seidengewerbe auf (1850 155 Weber). Der anschliessende Niedergang der textilen Heimindustrie führte zu einer Bevölkerungsabnahme.

Das 1844 eröffnete Armenhaus Stollenweid diente ab den 1930er Jahren als Bürgerasyl. 1958 erfolgten sein Abbruch und der Bau eines Altersheims am selben Ort. 1841-1843 wurde die Strassenverbindung von Wädenswil über Schönenberg bis zur Finsterseebrugg an der Kantonsgrenze zu Zug ausgebaut. Die 1871 eingerichtete Postkutschenverbindung wurde 1922 durch Autobuskurse nach Wädenswil und Horgen ersetzt. Das Sihlkraftwerk Waldhalden nahm 1895 die Stromproduktion auf. Die 1922 errichtete katholische Kirche der neu gegründeten Pfarrei Schönenberg-Hütten wich 1984-1985 einem Neubau. Um die reformierte Kirche entwickelte sich ein sekundärer Dorfkern, der Wohnhäuser sowie verschiedene öffentliche Einrichtungen (1948 Gemeindehaus, 1950 Schulhaus, 1971 Post, 1984 Mehrzweckgebäude Dorfhuus) umfasst. Im Sog der 1967 eröffneten Autobahn A3 entstanden mehrere Einfamilienhausquartiere. 2005 stellte der 1. Sektor noch immer 33% der Arbeitsplätze in Schönenberg.

Quellen und Literatur

  • P. Ziegler, Schönenberg, 1985
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1637: Geissferen
1703: Schönenberg