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Oetwil am See

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Meilen. Die Gemeinde liegt am Ausläufer des Pfannenstiels, vom Zürichsee abgewendet. Sie besteht aus dem Dorf Oetwil am See, den Weilern Etzikon, Gusch, Chrüzlen, Betpur und Willikon (984 Willringhova) sowie über 40 Höfen. 847 Uttinwilare. 1467 9 Haushalte; 1670 250 Einwohner; 1772 725; 1850 1158; 1900 942; 1950 1222; 1970 3068; 2000 4375.

Bis zum Alten Zürichkrieg war Oetwil Teil der Herrschaft Grüningen und kam 1450 im Verband mit Esslingen und Hombrechtikon als ennere wacht zur Obervogtei Stäfa. Ab 1631 durfte Oetwil ein eigenes Gemeindegut äufnen. 1700 teilten die drei Gemeinden der enneren wacht das bis dahin gemeinsame Gemeindegut untereinander auf. In der Helvetik kam Oetwil zum Distrikt Grüningen, in der Mediation zum Bezirk Uster und danach zum Oberamt bzw. Bezirk Meilen. Im Mittelalter gehörte Oetwil zur Pfarrei Egg, 1481 ist eine Filialkapelle St. Niklaus erwähnt. 1725 wurde die reformierte Kirche gebaut, 1729 ein Ortspfarrer eingesetzt, 1735 die Kirchgemeinde geschaffen, seit 1776 mit eigenem Kirchengut. 1787 waren 166 Personen, d.h. etwa 23% der Bevölkerung, mit Baumwollspinnerei beschäftigt und 122 Webstühle für die feine Mousseline in Betrieb. Nach den ökonomischen Tabellen von 1772 verteilte sich die Landnutzung auf 56% Äcker, 22% Wiesen, 2% Weiden und 19% Wald und 0,4% Reben. 1811 nahm in Gusch der spätere "Spinnerkönig" Heinrich Kunz seine Unternehmertätigkeit auf. 1859 gab es in Oetwil sechs Baumwollspinnereien (u.a. Heinrich, Rudolf und Wilhelm Stauber, Heinrich Hess) sowie die Mattenmacherei Niederthal von Kaspar Kunz. 1903-1950 wurde Oetwil von der schmalspurigen Wetzikon-Meilen-Bahn und 1909-1948 von derjenigen von Oetwil nach Uster bedient. 1889 gründete Gottlieb Hinderer ein Pflegeheim für Geisteskranke (später Psychiatrische Klinik Schlössli). 1920 zeigte sich Oetwil am See als bäuerlich-gewerbliche Gemeinde mit 45% der erwerbstätigen Wohnbevölkerung im 1. und 33% im 2. Sektor Beschäftigten. 2005 stellte der 2. Sektor 41%, der 3. bereits 55% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.

Quellen und Literatur

  • Ortschronik Oetwil am See, [1985]
  • U. Pfister, Die Zürcher Fabriques, 1992
  • C. Renfer, «Schopfgebäude», in Vom Grabhügel zur Ökosiedlung, hg. von R. Böhmer et al., 2007, 126 f.
Von der Redaktion ergänzt

Zitiervorschlag

Martin Illi: "Oetwil am See", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.11.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000112/2014-11-20/, konsultiert am 09.12.2022.