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LindauZH

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Pfäffikon, welche die westlich des unteren Kempttals gelegenen ehemaligen Zivilgemeinden Lindau, Tagelswangen, Winterberg und Grafstal (mit Kemptthal) umfasst. 774 Lintauvia. 1467 ca. 125 Einwohner; 1634 281; 1792 900; 1850 1051; 1900 1627; 1950 1833; 2000 4072.

Römische Villa bei Eschikon (1.-2. Jh. n.Chr.). Die alemannische Besiedlung ist durch Schenkungen im 8. Jahrhundert belegt. Im 10. Jahrhundert verlor das Kloster St. Gallen viele Güter an das Kloster Einsiedeln, das bis 1798 das Niedergericht in Winterberg und Grafstal besass. Das Hoch- und Niedergericht über Lindau und Tagelswangen ging 1424 bzw. 1452 von den Habsburgern an Zürich über. Bis 1798 gehörte Lindau zur Landvogtei Kyburg. Das Gallus-Patrozinium der 1274 erwähnten Kirche in Lindau deutet auf eine frühmittelalterliche sankt-gallische Gründung; die Kollatur kam über die Kyburger und Habsburger 1429 an Zürich. 1711 erhielt die Kleinpfarrei nach der Abtrennung Tagelswangens, Winterbergs und Grafstals von der Pfarrei Illnau bedeutenden Zuwachs. Der Bau der heutigen Kirche erfolgte 1895-1896. Die 1223 bezeugte St.-Blasius-Kapelle bei Winterberg, vermutlich eine Stiftung der Freiherren von Winterberg, wurde 1306 vom Kloster Töss übernommen und wie die 1370 belegte Illnauer Filialkapelle in Tagelswangen um 1525 profaniert. 1927-1928 wurde die katholische St.-Josephs-Kirche in Grafstal errichtet. Nach der Bildung der politischen Gemeinde Lindau (1798) behielten die vier Dorfschaften als Zivilgemeinden eine gewisse Selbstständigkeit. 1922 erfolgte die Umteilung des Bläsihofs von der Gemeinde Töss an Lindau Die 1841 neu angelegte Strasse Zürich-Winterthur verlagerte den Verkehr nach Tagelswangen. Seit 1855 besteht die Bahnstation in Kemptthal. Dort baute Julius Maggi ab den 1870er Jahren eine Nahrungsmittelfabrik auf, was 1888-1900 zu einer Zunahme von 500 Einwohnerinnen und Einwohnern führte. Als grösste Arbeitgeberin war die Maggi während des ganzen 20. Jahrhunderts der wirtschaftliche Rückhalt der Gemeinde. In den 1970er Jahren erlebte Lindau, begünstigt durch den Anschluss an die A1 (1974), einen weiteren Entwicklungsschub. 1976 liess sich die kantonale Landwirtschaftsschule in Eschikon nieder. In Lindau entstanden vor allem Einfamilienhäuser, in Tagelswangen, wo sich auch Industrie ansiedelte, vor allem Wohnblöcke.

Quellen und Literatur

  • Kdm ZH 3, 1978, 108-114
  • E. Honegger, Die Gem. Lindau, 1986
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Ueli Müller: "Lindau (ZH)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 24.01.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000121/2008-01-24/, konsultiert am 25.02.2024.