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Fällanden

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Uster. Die Agglomerationsgemeinde am nordöstlichen Abhang der Pfannenstielkette umfasst das Dorf Fällanden (um 820 Fenichlanda), die ehemaligen Hofsiedlungen Benglen, Pfaffhausen und Neuhausen. 1634 284 Einwohner; 1799 632; 1850 848; 1900 696; 1950 866; 1970 4260; 1990 6489; 2000 6423.

Das Gebiet vom Greifensee bis unter das heutige Dorf war in prähistorischer Zeit besiedelt. Archäologisch belegt sind mesolithische, neolithische und bronzezeitliche Siedlungsplätze. Wichtige Grundherren im Mittelalter waren das Fraumünster und das Grossmünster. Letzteres besass auch einen Grossteil des Zehnten. Das Meieramt, ein Lehen des Fraumünsters, trugen im 13. Jahrhundert die Mülner als Lehen. Die Vogteirechte lagen bis 1300 bei den Grafen von Rapperswil, sie gelangten mit der Herrschaft Greifensee 1402 an Zürich. Bis 1798 gehörte Fällanden zum Amt Greifensee, während der Helvetik zum Distrikt Uster, 1803-1814 zum gleichnamigen Bezirk, danach zum Oberamt Greifensee, seit 1830 wieder zum Bezirk Uster. Die 1271 erwähnte Kapelle (Patron 1317: Johannes Baptista) wurde 1428 erweitert und als Pfarrkirche geweiht. Das Kollaturrecht der nochmals umgebauten und 1492 neu geweihten Kirche gelangte Ende des 15. Jahrhunderts vom Grossmünster an die Gemeinde, die es aber 1552 aus finanziellen Überlegungen der Stadt abtrat.

Angesichts der wachsenden Bevölkerung beschränkte die Gemeinde mit Einzugsbriefen von 1587, 1627 und 1630 den Zugang zu den dörflichen Nutzungsrechten. 1787 wies Fällanden mit über 50% der Einwohnerinnen und Einwohner in der Baumwollspinnerei und -weberei einen der höchsten Heimarbeiteranteile des Kantons aus. 1784 wurde das öffentliche Riedland, 1800 der Gemeindewald aufgeteilt. Die Übernutzung des Waldes zwang 1806 zur vorübergehenden Rücknahme der Privatisierung. Abseits der Verkehrswege (kein Bahnanschluss) wurde Fällanden nur sehr zögernd industrialisiert. Erst 1907 liess sich mit Förderung der Gemeinde eine Seidenweberei nieder. Im Zweiten Weltkrieg wurde in der Glattebene ein grosses Meliorationsprojekt durchgeführt. Mit grossflächigen Überbauungen in Pfaffhausen und Benglen wandelte sich Fällanden zwischen 1950 und 1980 zur Pendlergemeinde.

Quellen und Literatur

  • Kdm ZH 3, 1978, 605-618
  • R. Sablonier, Fällanden, 1986
  • M. Leonhard, Fällander Dorfleben, 1991
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Martin Leonhard: "Fällanden", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.11.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000130/2004-11-11/, konsultiert am 19.06.2024.