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Brütten

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Winterthur. Das auf einem Hochplateau westlich des Kempt- und Tösstals gelegene Gemeindegebiet umfasst neben dem Kirchdorf Brütten die Weiler Strubikon, Birch, Eich und seit 1922 Obereich. 876 Pritta. 1467 ca. 70 Einwohner; 1634 230; 1850 515; 1900 462; 1950 492; 1970 671; 2000 1774.

Südöstlich des heutigen Dorfs stand in spätrömischer Zeit eine Villa nahe der Römerstrasse Vindonissa-Brigantium (Bregenz). 876 erhielt das Kloster St. Gallen Güter in Brütten, die 979 über Verwandte des ersten Einsiedler Abts Eberhard (958) an das Kloster Einsiedeln kamen und später von eventuell in der Wehranlage Buch ansässigen Ministerialen verwaltet wurden (belegt im 13. Jh.). Um 1300 wurde das Einsiedler Hofrecht für Brütten schriftlich festgehalten. Die Vogtei, ein Einsiedler Lehen, kam 1293 von den Herren von Rapperswil an die Habsburger, von diesen 1424 bzw. 1452 zusammen mit dem Hochgericht an Zürich. Das Gallus-Patrozinium der 1223 erwähnten Kirche deutet auf eine frühere Gründung. Im 13. Jahrhundert besass das Kloster Einsiedeln die Kollatur, die es, wie das Zehnten-Einzugsrecht und das Niedergericht, auch nach der Reformation behielt. Erst 1834 wurde sie durch Zürich abgelöst. Der Kirchenneubau von 1907-1908 ist ein Werk von Robert Rittmeyer und Walter Furrer.

Im Spannungsfeld zwischen der von der Landvogtei Kyburg ausgeübten zürcherischen Oberhoheit und den Rechten des Klosters Einsiedeln erfolgte die Gemeindebildung in der frühen Neuzeit zögernd. Um 1540 erhielt Brütten einen Einzugsbrief. 1798 wurde Brütten zur politischen Gemeinde, zuerst im helvetischen Distrikt Bassersdorf, seit 1831 im Bezirk Winterthur. Brütten entwickelte sich zur ökonomischen Mustergemeinde unter dem Einfluss von Pfarrer David Kitt (1718-1802). Die viel befahrene Landstrasse Zürich-Winterthur südlich des Dorfes verlor nach der Verkehrsführung über Tagelswangen (1841) an Bedeutung. Verbindungen boten 1901-1926 eine Pferdepost nach Effretikon, 1926-1982 das Postauto nach Kemptthal, seit 1963 der Anschluss an die Buslinie Winterthur-Flughafen Kloten. Das peripher gelegene Brütten entwickelte sich nur langsam und bewahrte bis gegen 1970 seinen bäuerlichen Charakter (1930 56% Erwerbstätige im 1. Sektor, 1990 noch 24%). Seit ca. 1960, verstärkt 1975-1985, sind Einfamilienhaus-Quartiere an bevorzugter Wohnlage entstanden. Das geringe Arbeitsplatzangebot Brüttens führte zu einem Anwachsen des Wegpendleranteils (1990 78%).

Quellen und Literatur

  • H. Kläui et al., Gesch. der Gem. Brütten, 1972
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Ueli Müller: "Brütten", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.06.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000140/2004-06-08/, konsultiert am 02.12.2022.