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Wiesendangen

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Winterthur. Die nordöstlich von Winterthur gelegene Gemeinde umfasst das Dorf Wiesendangen, die Siedlungen Attikon, Wallikon, Menzengrüt und Buch sowie seit 2014 die ehemalige Gemeinde Bertschikon. 804 Wisuntwangas. 1634 ca. 402 Einwohner; 1792 612; 1850 833; 1900 957; 1950 1379; 1980 3051; 2000 4029.

Nahe der Römerstrasse Oberwinterthur-Pfyn bestanden im 2. und 3. Jahrhundert römische Siedlungen. Die ab 804 dem Kloster St. Gallen gehörenden Güter in Wiesendangen gingen im 11./12. Jahrhundert wahrscheinlich an die Nellenburger verloren. Der Anfang des 12. Jahrhunderts erbaute Wohnturm in Wiesendangen kam in kyburgische Hand und wurde von kyburgisch-habsburgischen Dienstadligen bewohnt. Diese nannten sich nach Wiesendangen und nach Frauenfeld, wo sie als Vögte amtierten. Bereits 1408 befand sich der Turm in Bauernhand (heute Ortsmuseum). Der Freisitz konnte nicht verhindern, dass Hof und Kirche Wiesendangen im 12. Jahrhundert ans Domstift Konstanz und im 13. Jahrhundert an die Abtei Petershausen gelangten. Das Meieramt blieb ein Lehen des Bischofs von Konstanz und wurde den Herren von Hegi übergeben, während die Vogtei als Reichslehen von freiadligen Geschlechtern verliehen wurde, zum Beispiel 1472 an Jakob von Hohenlandenberg. Dessen Sohn Ulrich als Erbe der Herrschaft Hegi vereinigte 1493 Meieramt und Vogtei Wiesendangen. Mit der Herrschaft Hegi kamen alle niedergerichtlichen Rechte 1587 an die Stadt Zürich; bis 1798 war Wiesendangen Teil der Obervogtei Hegi. Das Hochgericht fiel mit der Grafschaft Kyburg erstmals 1424, endgültig 1452 an Zürich; bis 1798 gehörte Wiesendangen zur Landvogtei Kyburg. Bereits 1490 bestand in Wiesendangen im Gegensatz zu den Aussenwachten eine bezeugte Dorforganisation.

Die dem Heiligen Kreuz geweihte Kirche in Wiesendangen unterstand 1155 (Ersterwähnung) dem Domstift Konstanz, ab ca. 1200 dem Kloster Petershausen, das die Kirche samt Kollatur 1580 der Stadt Zürich verkaufte. Um 1275 war Wiesendangen Sitz eines Dekanats. Die Kirche wurde 1490-1515 neu gebaut. Stifter der kurz vor 1500 gemalten spätgotischen Fresken im Chor waren die Hohenlandenberger von Hegi, als Maler wird meist Hans Haggenberg genannt. 1981 wurde in Wiesendangen die katholische Kirche St. Stefan eingeweiht.

1798 entstand innerhalb der Pfarreigrenzen die politische Gemeinde Wiesendangen im Distrikt Winterthur. Die im frühen 19. Jahrhundert gebildeten Zivilgemeinden Attikon, Wallikon, Menzengrüt und Buch wurden 1928 aufgelöst, während jene von Wiesendangen bis 2008 bestand. Bis ins 20. Jahrhundert prägte die Landwirtschaft alle Fraktionen, wobei Acker- und Weinbau die dominierende Graswirtschaft ergänzte. An die ab 1832 ausgebaute Strasse Winterthur-Frauenfeld war nur Attikon angeschlossen. 1855 erfolgte ausserhalb des Dorfs die Eröffnung eines Bahnhofs; 1907 erhielt Attikon eine Station. Die Rietmeliorationen 1915-1917 und 1924-1925 beseitigten das traditionelle Entwässerungssystem der sogenannten Ehfurtgräben. Vor dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich die Neubautätigkeit auf die beim Bahnhof gelegene Steinegg, danach entwickelte sich das Dorf als Teil der Agglomeration Winterthur. Der vom Dorfbach durchflossene Ortskern blieb als typisches Strassendorf gut erhalten. In den 1970er Jahren erfolgte der Bau der A1 mit dem nahen Anschluss Oberwinterthur und der Abzweigung der A7 bei Attikon.

Quellen und Literatur

  • H. Kläui, K. Mietlich, Gesch. der Gem. Wiesendangen, 1970
  • Kdm ZH 8, 1986, 287-333
  • H.P. Treichler, Wiesendangen, 2004
  • P. Niederhäuser, S. Schäfer, «Hl.-Kreuz-Kirche Wiesendangen», in Ein feiner Fürst in einer rauen Zeit, hg. von P. Niederhäuser, 2011, 175-180
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Ueli Müller: "Wiesendangen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.02.2015. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000156/2015-02-03/, konsultiert am 16.04.2024.