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Oetwil an der Limmat

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Dietikon. Agglomerationsgemeinde auf der rechten Limmattalseite an der Grenze zum Kanton Aargau. Vermutlich um 850 Otenwilare. 1634 ca. 73 Einwohner; 1709 138; 1850 250; 1900 241; 1950 258; 1980 1399; 2000 2120.

Oetwil gehörte zum Blutgerichtskreis der Grafschaft Baden, niedergerichtlich zum habsburgischen Amt Siggenthal. Lehensträger der Vogtei waren 1340-1343 der Zürcher Bürger Jakob Schwend, danach als habsburgische Dienstleute die Familie Businger. 1432 kam die Vogtei – seit der 1415 gegen Herzog Friedrich IV. von Habsburg verhängten Reichsacht formal ein Reichslehen – kaufsweise zum Zürcher Bürger Peter Schön. Noch im selben Jahr wechselte die Vogtei zur Familie Meyer von Knonau, welche sie 1435 in die Herrschaft Weiningen einfügte. 1798 wurde Oetwil dem helvetischen Kanton Baden, 1803 dem Kanton Zürich zugeteilt, wo die Gemeinde bis 1989 zum Bezirk Zürich gehörte. Ober- und Unteroetwil bildeten bis 1870 eigene Zivilgemeinden. Die beiden Ortskerne Ober- und Unteroetwil waren kirchlich zweigeteilt. Oberoetwil gehörte seit dem Mittelalter zur Pfarrei Weiningen, Unteroetwil zur Pfarrei Würenlos, nach der Reformation zur Kirchgemeinde Otelfingen und seit 1867 ebenfalls zur Kirchgemeinde Weiningen. Die 1965 archäologisch untersuchte Filialkapelle St. Johann in Unteroetwil ist 1370 erwähnt. Die 1865 gegründete Seidenzwirnerei stand von 1915 bis zum Tod des Firmeninhabers 1982 im Besitz der Familie Wettstein; dann wurden die markanten Fabrikgebäude am Limmatufer abgerissen. 1974-1977 betrieb die Gemeinde mit der Restaurierung der Gebäudegruppe Meierhof, Zehntenspeicher und Gemeindehaus aktiven Ortsbildschutz. 1990 wurde das nach einem kommunalen Gestaltungsplan gebaute Dorfzentrum Chirchhöfli eingeweiht. 1980 erfolgte die Melioration der Geländekammer Wiesental. War die Gemeinde 1920 mit 63% der erwerbstätigen Wohnbevölkerung im 1. Sektor noch stark bäuerlich geprägt, so zeigte sie sich 2000 als sogenannte Schlafgemeinde mit 85% Wegpendlern.

Quellen und Literatur

  • O. Allemann, Die Gerichtsherrschaft Weiningen-Oetwil 1130-1798, 1947
  • K. Grunder, «Ehem. Zehntenspeicher», in Vom Grabhügel zur Ökosiedlung, hg. von R. Böhmer et al., 2007, 224 f.
Von der Redaktion ergänzt
  • Grunder, Karl: Der Bezirk Dietikon, 1997, S. 170-187 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, 9).

Zitiervorschlag

Martin Illi: "Oetwil an der Limmat", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.08.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000164/2009-08-21/, konsultiert am 29.02.2024.